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    Motzki Sammer wird zum Wahrsager – Schock für Nürnberg

    Matthias Sammer gab schon vor dem Spiel den Rasen-Motzki und entpuppte sich mit seinen bösen Vorahnungen als Wahrsager.

    Matthias Sammer
    Bayern-Sportvorstand Sammer schimpfte über die Platzverhältnisse.
    Foto: Sebastian Kahnert – DPA

    Man mochte sich lieber nicht ausmalen, wie sehr der Sportvorstand des FC Bayern gewütet hätte, wenn sich beim 2:0 (1:0) der Münchner Seriensieger im Derby beim 1. FC Nürnberg auf dem «katastrophalen Platz» nicht die beiden «Club»-Profis Daniel Ginczek (Kreuzbandriss) und Timothy Chandler (Außenmeniskusriss) schwer am Knie verletzt hätten, sondern kurz vor dem Start der K.o.-Phase in der Champions League zwei kostbare Bayern-Stars wie Arjen Robben und Mario Götze.

    «Normalerweise musst du, wenn sich hier einer verletzt, auf die Verantwortlichen losgehen», schimpfte Sammer. In seinem Zorn war er lediglich die Speerspitze der Kritiker, zu denen selbst Nürnbergs Coach Gertjan Verbeek zählte.

    «Jetzt haben sich zwei Nürnberger verletzt und keiner von uns, das ist ein Wahnsinn», erregte sich Sammer und sprach von «unverantwortlichen» Zuständen im «Hochleistungsfußball» des 21. Jahrhunderts. «Vor 20 Jahren hattest du solche Plätze – heute nicht», rügte Wahrsager Sammer.

    Den Preis für den «Acker» (Robben) mussten die Gastgeber mit den langfristigen Ausfällen von Angreifer Ginczek und Abwehrspieler Chandler bezahlen, die im stumpfen Rasen hängenblieben bzw. umknickten. «Auf einem Rasen ohne Wasser ist das Risiko groß», meinte Bayern-Coach Pep Guardiola bestürzt. «Das ist im Abstiegskampf eine Katastrophe. Fünf Stammspieler sind zu viel an Qualität, das können wir nicht auffangen», stöhnte Kollege Verbeek, dem zudem Emanuel Pogatetz, Makoto Hasebe und Per Nilsson fehlen.

    Bis das Verletzungspech zuschlag, hatte der «Club» den Bayern richtig zugesetzt. «Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die so gepowert hat», staunte Sammer. In ihrer Sturm-und-Drang-Phase hatten die Franken Pech bei einem Lattentreffer von Hiroshi Kiyotake (4.), dazu scheiterten sie an Nationaltorwart Manuel Neuer. «Wir hatten anfangs Glück und einen guten Mann hinten drin», meinte Thomas Müller.

    Später lief alles in gewohnten Bahnen ab: Mario Mandzukic (18. Minute) und Philipp Lahm (49.) schossen die Bayern zum 12. Ligasieg in Serie. Seit 45 Partien ist der Rekordmeister nun in der Bundesliga ungeschlagen. «Wir haben gezeigt, dass wir auch die schwierigen Spiele überstehen», bemerkte Robben, der einen Freistoß an die Latte knallte (32.). Die Bayern-Stars staunen selbst ein wenig über ihre Übermacht. «Eigentlich ist es viel schwerer, als wir es aussehen lassen», sagte Müller und machte einen Erklärungsversuch: «Bei uns ist die Spannung da, die wir brauchen.»

    Diese bauen allerdings nicht die Verfolger auf, sondern Guardiola: Mit kühler Konsequenz hält der Spanier die Motivation in seinem Luxuskader hoch, jeder ist ersetzbar, jeder muss sich immer wieder neu empfehlen. So musste Nationalspieler Toni Kroos, der in Stuttgart nach seiner Auswechslung verärgert die Handschuhe vor der Trainerbank weggefeuert hatte, zum zweiten Mal nacheinander 90 Minuten auf der Ersatzbank schmoren. «Ich spreche über die Spieler, die gespielt haben», antwortete Guardiola auf die Frage nach dem Grund.

    Kroos sollte Mandzukic nacheifern. Den Torjäger hatte Guardiola wegen schwacher Trainingsleistungen zum Rückrundenstart aus dem Kader geworfen. In Nürnberg war der Kroate der beste Mann auf dem Platz, schoss sein zwölftes Saisontor und legte Lahm das 2:0 auf. «Du musst Reaktion zeigen und damit umgehen, das hat Mandschu gemacht», lobte Sammer. Gegen Freiburg wird der Stürmer trotzdem wieder zuschauen müssen – aber nicht wegen eines neuen Bannstrahls von Guardiola, sondern wegen der fünften Gelben Karte, die er am Samstag sah.

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