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    Eberl im Interview: "Wir dürfen uns nicht viele Fehler erlauben"

    Mit Trainer Lucien Favre und Sportdirektor Max Eberl haben die Konstanz und damit auch der Erfolg Einzug gehalten bei Borussia Mönchengladbach. Die Mannschaft hat sich in den vergangenen Spielzeiten in der oberen Tabellenregion festgesetzt.

    Ein Traum von Max Eberl und der Borussia: Irgendwann wieder anknüpfen an die goldenen 1970er-Jahre.
    Ein Traum von Max Eberl und der Borussia: Irgendwann wieder anknüpfen an die goldenen 1970er-Jahre.
    Foto: dpa

    Auch zur Halbzeit dieser Saison sieht es wieder gut aus, sogar die Teilnahme an der Champions League ist möglich. Dazu bedarf es allerdings in der Rückrunde einer Bestätigung der guten Leistung der Hinserie. Über die Chance Königsklasse und die Perspektiven der Borussia allgemein sprachen wir mit Max Eberl.

    Herr Eberl, die Bundesliga-Saison startet in ihre zweite Halbzeit, die Meisterschaftsfrage indes ist längst geklärt. Wird Ihrer Meinung nach die Attraktivität der gesamten Liga unter der Vorherrschaft der Münchner Bayern leiden, oder hält der Wachstumstrend im Oberhaus weiter an?

    Wenn Rudi Völler sagt, dass die Bayern auf Sicht uneinholbar sind, kann ich das ein Stück weit teilen. Vor allem was die Finanzen betrifft. Trotzdem hat es in den vergangenen elf Jahren fünf verschiedene Meister gegeben. Die Liga besitzt also immer noch eine gewisse Attraktivität. Natürlich sind und bleiben die Bayern das Maß aller Dinge. Aber es gab eben auch immer wieder Mannschaften, die den Münchnern in bestimmten Epochen gefährlich werden konnten. Das haben zuletzt die Dortmunder gezeigt. Diese Mannschaften wird es auch zukünftig geben. Zudem werden auch die Bayern Phasen haben, in denen nicht alles rund läuft. Dann müssen und werden andere Klubs zur Stelle sein.

    Also kein Attraktivitätsverlust der Premiummarke Bundesliga?

    Ich denke nicht. Die Liga ist extrem ausgeglichen. Dass die Bayern stets die Gejagten sein werden, ist nicht neu. Damit lebt die Bundesliga ja schon seit einigen Jahren bestens.

    Für die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballgeschäftes gab es kürzlich ein umstrittenes Beispiel. Die Bayern hielten ihr Wintertrainingslager in Katar ab und strichen zudem für ein Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien Millionen ein. Zwei Länder, die wegen der Nicht-Beachtung der Menschenrechte kritisiert werden. Wo liegt für Sie die Grenze zwischen Moneten und Moral?

    Das ist ein Thema, das auch in die Politik rein ragt. Der Sport ist nun mal unpolitisch...

    Ist der Sport unpolitisch?

    Aus meiner Sicht ist Sport immer noch etwas Verbindendes. Das ist für mich ein ganz wichtiger Faktor. Natürlich spielt Geld auch eine Rolle. Zum guten Schluss muss der jeweilige Verein entscheiden, welchen Weg er einschlägt. Auf der anderen Seite dürfen meiner Meinung nach politische Themen nicht gänzlich unberücksichtigt bleiben. Wenn dann allerdings Kritik ausgerechnet von den Leuten kommt, die an anderer Stelle Geschäfte mit dem in der Kritik stehenden Land machen, ist das widersprüchlich. Die Bayern hätten es sicher geschickter anpacken können. Sie hätten der Einladung folgen und gleichzeitig sagen können, dass sie nicht einverstanden sind, was in Saudi-Arabien mit Blick auf die Menschenrechte passiert. Das hätten sie besser vorbereiten können. Aber das hat Karl-Heinz Rummenigge ja auch so gesagt...

    Nachher dann ...

    Ja, nachher, das ist richtig.

    Zurück zur Liga. Hinter den Bayern tummeln sich in Leverkusen und Schalke die üblichen Verdächtigen. Die Wolfsburger haben die Rolle der strauchelnden Dortmunder eingenommen. Wer da dran bleiben will, muss klug wirtschaften. Wie sehr hilft es da, zum zweiten Mal in Folge den besten Einkäufer der Liga in seinen Reihen zu wissen, wie das bei Borussia Mönchengladbach mit ihrer Person der Fall ist?

    (lacht) Klar, dass Vereine wie Schalke, Leverkusen, Wolfsburg - Hoffenheim zähle ich auch noch dazu - und auch Dortmund andere finanzielle Möglichkeiten haben als zum Beispiel Borussia Mönchengladbach, Hannover, Augsburg oder Mainz. Diese letztgenannten Vereine müssen dann eben versuchen, mit intelligenten Schachzügen den Anschluss zu halten. Das ist uns in Gladbach in den vergangenen dreieinhalb Jahren sehr gut gelungen. Auf der anderen Seite dürfen wir uns nicht viele Fehler erlauben. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten, die wir gegenüber den großen Klubs haben, liegt die Messlatte automatisch hoch, wenn wir den Kader aufstellen. In den vergangenen Jahren haben wir Fehler vermeiden können, weil wir eine klare Linie fahren.

    Wir wissen genau, wie unsere Mannschaft auszusehen hat, und setzen dabei auf einen Mix aus drei Komponenten. Wir rücken unsere Nachwuchs-Akademie immer wieder in den Vordergrund. Zudem halten wir europaweit Ausschau nach Talenten, um sie auszubilden, um mit ihnen als Mannschaft stärker zu werden und um sie im günstigsten Fall teuer wieder verkaufen zu können. Und zum Dritten brauchen wir natürlich auch diese Führungsspieler, die uns sofort helfen und besser machen. Als Marco Reus, Roman Neustädter und Dante 2012 den Verein verließen, habe ich damals gesagt, es wird zwei Jahre dauern, bis die Mannschaft wieder auf dem damaligen Level Fußball spielen kann. Jetzt sind wir zweieinhalb Jahre weiter, und die Mannschaft spielt tatsächlich wieder auf dem Niveau. Die Entwicklung stimmt also. Natürlich spielen Transfers eine entscheidende Rolle, wobei jede Neuverpflichtung ein Gesamtwerk von Trainer, Scouting-Abteilung und sportlicher Leitung mit meiner Person ist.

    Sie sprachen davon, wie wichtig es für einen Klub wie Borussia Mönchengladbach ist, Fehler bei den Neuverpflichtungen zu vermeiden. Wie minimieren Sie das Risiko?

    Am Anfang steht das Anforderungsprofil, dass du an einen neuen Spieler hast. Dann werden die Spieler gefiltert, die für diese Position infrage kommen - Schnelligkeit, Größe, Erfahrung, Gehaltskosten, Ablösesumme...

    Wie viele Menschen sind bei der Borussia an einem solchen Prozess beteiligt und wie läuft er ab?

    Bestimmt zehn bis zwölf Personen. Das Ganze beginnt so: Trainer, Sportdirektor und Scouting-Chef sitzen zusammen. Dieses Trio legt die Positionen für die Neuverpflichtungen fest. Die Scouts fangen an, ihre Arbeit zu machen. Sie präsentieren Spieler. Dieser Kreis wird immer kleiner. Trainer und Sportdirektor gucken DVD's, schauen sich live Spiele an. Dann bleiben noch zwei Spieler für eine bestimmte Position übrig. Und dieselben drei, die auch am Anfang zusammengesessen haben, entscheiden dann darüber, wer es sein soll.

    In der Folgezeit ist es wichtig, ein Gefühl für den Spieler zu bekommen und dass der Spieler auch ein Gefühl für den Verein entwickelt. Die menschliche Komponente spielt bei einem Transfer stets eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ich sage immer spaßeshalber: Fußball ist zu 80 Prozent planbar - die restlichen 20 Prozent aber werde ich rational nie erfassen können. Deshalb sind Informationen, die eher dem Privatleben des Spielers zuzuordnen sind, für mich sehr wichtig. Ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe.

    Talente spielen bei der Borussia eine große Rolle. Das Thema war in der Winterpause ein viel diskutiertes. Sie haben den Bayern nach der Verpflichtung des vom VfB Stuttgart an RB Leipzig ausgeliehenen Talents Joshua Kimmich vorgeworfen, sie ernteten die Talente, bevor sie reif sind. Muss da ligaweit eine neue Regelung gefunden werden?

    Eine Regelung ist da schwer zu finden. Du kannst ja keinem Talent vorschreiben, wo es sich zu entwickeln hat. Talente haben heutzutage meist schon klare Vorstellungen davon, welchen Weg sie gehen wollen. Jungs wie aktuell Thorgan Hazard oder Christoph Kramer sind diesen Weg bei uns gegangen. Ein David Alaba zum Beispiel ist direkt zum FC Bayern gegangen und hat sich dort durchgesetzt. Mein Appell im Zusammenhang mit der Personalie Kimmich war ja der, dass es sich ein Talent genau überlegen soll, wo es die größte Chance sieht, sich zu entwickeln. Natürlich wünsche ich Joshua Kimmich, dass er sich bei den Bayern durchsetzt.

    Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er es in Gladbach, Hannover oder einem Klub dieser Kategorie schaffen würde, ist ungleich größer. Wenn es am Ende zu viele sind, die auf der Strecke bleiben, schadet das nur dem deutschen Fußball. Marco Reus ist da ein gutes Beispiel. Wir haben ihn für wenig Geld aus Ahlen geholt, wir haben ihn weiterentwickelt und haben ihn dann für sehr viel Geld nach Dortmund transferiert. Die Dortmunder bekamen einen guten Spieler, wir hatten für ein paar Jahre Freude an einem guten Spieler - und wir sind durch den Transfererlös in die Lage versetzt worden, den Top-Klubs zumindest ein Stückchen näher zu kommen. So funktioniert für mich der Fußball-Kreislauf.

    Die Borussia könnte es sich bei den Transfers leichter machen, indem sie sportlich den nächsten Schritt macht und sich für die Champions League qualifiziert. Nur dort wird das Geld verdient, mit dem große Sprünge möglich sind. Ist die Borussia auf dem Sprung?

    Das ist das nächste Ziel, das wir anpeilen, nachdem wir zuletzt dreimal in Folge einen einstelligen Tabellenplatz belegt haben. Einstelligkeit heißt für mich immer auch, dass wir uns in den Regionen bewegen, in denen der Sprung nach Europa möglich ist. Wenn dann einer aus den Reihen der Top vier schwächelt, wollen wir im Idealfall zur Stelle sein. In diese Ausgangslage haben wir uns in der ersten Saisonhälfte gebracht. Jetzt gilt es, diese Leistung in der Rückrunde zu bestätigen. Gelingt uns das, werden wir unsere Möglichkeiten bekommen.

    Die Dichte um diesen Platz vier ist groß. Sechs Teams schielen auf diese Position. Zu denen gehören auch wir. Am Ende wird den vierten Platz die Mannschaft belegen, die am konstantesten spielt. Wie gesagt, wir sind mit dabei. Aber es muss nicht automatisch so kommen, nur weil wir dreimal einen einstelligen Platz belegt haben. Der Weg führt nicht wie selbstverständlich immer weiter nach oben. Ich würde es mir wünschen, bin da aber Realist. Da wäre mir schon sehr wohl, wenn wir weiter in den Regionen spielen könnten, in denen wir uns derzeit befinden.

    Wo sehen Sie die Borussia idealerweise in fünf Jahren?

    Ich sehe sie da, wo sie sich momentan befindet. Nicht so weit entfernt von den Bayern, wie das jetzt der Fall ist. Aber sicher in dem Reigen jener sechs, sieben Teams, die sich stetig in der Tabellenregion befinden, in der das europäische Geschäft winkt.

    Das Gespräch führte unser Redakteur Klaus Reimann

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