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    Helsinki

    DLV gibt EM-Team Note 1 – Mut für Olympia

    Mit Goldglanz, aber ohne Gloria haben die deutschen Leichtathleten in Helsinki ihre Generalprobe für die Olympischen Spiele bestanden.

    Zufrieden
    DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen ist mit seinem EM-Team sehr zufrieden.
    Foto: Marius Becker - DPA

    Nicht nur auf die Europameister Nadine Kleinert, David Storl, Robert Harting und Pascal Behrenbruch wartet beim Höhepunkt des Jahres gnadenlose Konkurrenz. «Nach der EM können die Athleten selbstbewusst nach London reisen. Wir werden dort eine ganze Reihe von Medaillenkandidaten an den Start schicken können», sagte Verbandschef Clemens Prokop. «Ich glaube, dass wir in London wesentlich besser abschneiden werden als bei den letzten beiden Olympischen Spielen zusammen.»

    Dazu ist der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) freilich fast schon verdammt: 2008 in Peking setzte es mit nur einer Bronzemedaille eine historische Pleite, 2004 in Athen gab es nur zwei Silbermedaillen. Den Aufschwung bei der Heim-WM 2009 in Berlin und der WM vergangenes Jahr in Daegu/Südkorea bestätigten in Helsinki Harting und Co.: Vor dem Schlusstag hatten das 89-köpfige deutsche EM-Team viermal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze geholt und lag damit nach 30 von 42 Entscheidungen im Medaillenspiegel nur hinter Russland (4/4/5). Vor zwei Jahren in Barcelona hatte es 16 Medaillen gegeben, darunter vier goldene.

    «Ich würde der Nationalmannschaft die Note 1 geben», sagte Sportdirektor Thomas Kurschilgen fast schon euphorisch. Neben dem erst 21 Jahre alten Kugelstoß-Europameister Storl, den seine Disziplinkollegin und Goldmedaillengewinnerin Kleinert als «Jahrtausendtalent» bezeichnet, lieferte der zweifache Weltmeister Harting mit 68,30 Metern im regennassen Diskusring die sportlich wertvollste Leistung ab. Er überließ Olympiasieger Gerd Kanter aus Estland mit 66,53 Metern nur Silber. «Ich hoffe, dass nun noch ein Titel dazukommt», sagte der Berliner mit Blick auf die Sommerspiele (27. Juli bis 12. August). «Die EM war nur eine Zwischenstation.»

    Am Samstag gewann Stabhochspringerin Martina Strutz aus Neubrandenburg Silber hinter der höhengleichen Tschechin Jirina Ptacnikova (4,60 Meter). Antje Möldner-Schmidt mit Bronze über 3000 Meter Hindernis zeigte wie schon zuvor der EM-Zweite über 5000 Meter, Arne Gabius (Tübingen), dass auch auf der Bahn wieder was geht für die DLV-Asse. «Die EM hat gezeigt, dass wir auf europäischer Ebene im Laufbereich aufgeholt haben. Es gibt eine Reihe von Talenten, die in Richtung Olympische Spiele 2016 auf gutem Weg sind», betonte Prokop. «Wichtiger als alle Medaillen ist die Trendwende im Lauf.»

    Ihre letzte Chance, auf sportlichem Weg nach London zu kommen, verpasste Hochsprung-Ass Ariane Friedrich. Die Frankfurterin musste ihre Teilnahme an einem Meeting in Eberstadt wegen der Folgen ihrer Magenprobleme absagen. Friedrich hatte bereits bei der EM nicht antreten können und ist die Norm von 1,95 Metern noch nicht gesprungen. Der DLV kann aber noch einen Härtefall-Antrag für die frühere Hallen-Europameisterin beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) stellen.

    Erstmals konnten sich die Stärksten des Kontinents im Olympia-Jahr bei einer EM präsentieren. Auch für den DLV ist das der neue Zwei-Jahres-Rhythmus, bei dem jeder mit muss. «50 Länder waren hier, mehr als 1300 Athleten», sagte DLV-Präsident Prokop. «Das zeigt, dass die europäische Leichtathletik die EM angenommen hat. Es war ein Experiment, dass auf jeden Fall 2016 in Amsterdam fortgesetzt wird.» Dennoch fehlten zahlreiche Asse, die sich ganz auf London konzentrieren, wie Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa aus Russland. Die Zuschauer erlebten jedenfalls keine besonders stimmungsvollen Titelkämpfe im Olympia-Stadion von 1952.

    Homepage der EM

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