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Hamburg

Blindenfußballer Celebi erzielt „Tor des Monats“

Serdal Celebi hat es geschafft. Als erster Blindenfußballer wird der Hamburger als Torschütze des Monats gekürt. Der 34-Jährige hofft nun, dass der Blindenfußball etwas an Popularität hinzugewinnt.

Serdal Celebi
Blindenfußballer Serdal Celebi (r) vom FC St. Pauli erzielte das «Tor des Monats».
Foto: Axel Heimken – dpa

Hamburg (dpa). Serdal Celebi vom FC St. Pauli hat sich in den Fußball-Annalen verewigt. Als erster Blindenfußballer hat der 34 Jahre alte Hamburger das Tor des Monats erzielt.

Der stolze Sieger erlebte die Verkündung im Kreis seiner Mitspieler und der anderen Teams, mit denen er beim Hamburger Blindenfußballmasters gerade auf dem Platz gestanden hatte. „Als das Ergebnis feststand, habe ich plötzlich den Bodenkontakt verloren, weil mein Trainer und die Betreuer mich hochgehoben haben“, berichtete Celebi.

„Wenn man das Ding gewinnt, dann freut man sich richtig. Denn das ist eine prima Werbung für den Blindenfußball“, sagte der Routinier des deutschen Vizemeisters. Er habe als Kandidat für das seit 1971 allmonatlich gekürte Tor des Monats zuletzt richtig Popularität erlangt, erzählte Celebi. „So viele Interviews habe ich mein Leben noch nicht gegeben“, meinte er kürzlich in einer WDR-Radiosendung.

Der bisher weithin unbekannte Physiotherapeut hat so namhafte Größen wie WM- und Nationalspieler Marvin Plattenhardt (Hertha BSC), die Erstliga-Profis Jonas Meffert (Holstein Kiel) und Mike Frantz (SC Freiburg) sowie Kai Druschky (Chemie Leipzig) hinter sich gelassen. Im Meisterschaftsfinale der Blindenfußballer gegen den MTV Stuttgart (1:2) gelang ihm der Ehrentreffer für Titelverteidiger FC St. Pauli.

Celebi ließ vor dem beim Tor im Dribbling den mit einer Art Rassel gefüllten Ball gekonnt ein paar Mal von links nach rechts wandern, dann traf er mit dem linken Fuß hoch oben in den Winkel. „Viele Leute haben mir erzählt, dass das ein sehr schöner Treffer war“, meinte der Ex-Nationalspieler. Das könne man sich – auch ohne etwas zu sehen – erarbeiten: „Ich trainiere öfter Zick-Zack-Bewegungen.“

Wie alle Blindenfußballer spielt auch Celebi mit Augenbinde. Dadurch erreicht man gleiche Bedingungen für alle Akteure, denn einige haben noch ein paar Prozent Sehfähigkeit, andere gar keine. Der anfangs sehbehinderte Celebi hat sein Augenlicht mit zwölf Jahren durch eine Netzhautablösung verloren. Aber wie kann man dann sogar ein Tor des Monats erzielen? „Ein Guide steht hinter dem Tor und gibt Hinweise, wo man hinzielen muss. Daran kann man sich orientieren“, erklärte er.

Der deutsche Nationalspieler hofft, dass der bisher wenig beachtete Blindenfußball zumindest etwas aus der Versenkung herauskommt. Mit seinem Tor hat er bundesweit für Aufsehen gesorgt – und rührt deshalb die Werbetrommel. „Es ist ein Traum, ich weiß!“, betonte Celebi, „aber vielleicht finden sich ja einige Sponsoren, die etwas Geld in unseren Sport investieren möchten.“ Denn davon leben kann er bei weitem nicht!

Mitteilung FC St. Pauli

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