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    Koblenz

    Auch bei Sportvereinen: Beim Mindestlohn ist guter Rat teuer

    Möglich, dass die Arbeitsgerichte demnächst noch ein paar Fälle mehr auf den Tisch bekommen. Seit dem 1. Januar gilt hierzulande bekanntlich ein Mindestlohn von 8,50 Euro, der auch für Sportvereine und -verbände bindend ist. Klingt einfach, ist es aber längst nicht in allen Fällen. Während der Gesetzgeber die Tätigkeiten als Ehrenamtler oder Übungsleiter ausgenommen hat, könnte die Regelung für jene Klubs von Bedeutung werden, die Mitarbeiter oder Spieler im halb-professionellen Bereich beschäftigen.

    Symbolbild: dpa
    Symbolbild: dpa

    Von unserem Redakteur Sven Sabock

    Interessant ist die Thematik zum Beispiel für Fußball-Klubs, die Spieler mit Amateurverträgen in ihren Reihen haben. Laut Mustervertrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gibt es für die Akteure monatlich eine Garantiesumme von 250 Euro, hinzu kommen je nach Verhandlungsgeschick diverse Prämien. Nach neuem Recht darf nun der Zeitaufwand für den Sport entsprechend nicht mehr als 29 Stunden im Monat betragen. Andernfalls würde der Lohn weniger als 8,50 Euro betragen, und das Gehalt müsste angehoben werden. "Das Thema ist sehr komplex", sagt Armin Bertsch, Geschäftsführer des Fußballverbands Rheinland, "es gibt hier noch jede Menge Klärungsbedarf." So ist bislang nicht explizit geregelt, wie mit Fahrten zum Training zu verfahren ist oder ob zum Beispiel Reisen zu Auswärtsspielen als Arbeitszeit zu werten sind. Oder muss fortan mehr Lohn gezahlt werden, wenn der Trainer kurzerhand unter der Woche eine zusätzliche Mannschaftssitzung oder eine Videoanalyse einberaumt?

    "Wollen Rechtssicherheit erreichen"

    Um Antworten auf derlei Fälle aus der Praxis zu erhalten, sind bereits etliche Klubs beim Verband vorstellig geworden - der sich nun Hilfe suchend an den DFB wendet. "Wir sind ja nicht allein", weiß Bertsch, "wir haben mit anderen Landesverbänden um ein Gespräch gebeten, um etwas mehr Rechtssicherheit zu erhalten." Wobei die Zahlen im rheinland-pfälzischen Fußball (noch) nicht auf eine große Brisanz hindeuten. Im Südwestdeutschen Verband gibt es aktuell lediglich 384 Akteure, die bei den Vereinen als sogenannte Vertragsamateure angestellt sind, im Rheinland sind es gerade mal 133 - überwiegend Spieler von der Bezirksliga bis hin zur Oberliga. Eine Etage weiter oben, in der Regionalliga, scheint das Problem ebenfalls nicht drängend zu sein. Beim Regionalligisten TuS Koblenz gibt es laut dem für Finanzen zuständigen Vizepräsidenten Dirk Feldhausen "einige wenige Mitarbeiter, für die wir nun eine Regelung finden".

    Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Zahlung für den Spieler?

    Zu den Details, die wohl in vielen Fällen individuell geklärt werden müssen, gehört die Frage nach den Motiven der Sportler für die Ausübung ihrer Tätigkeit. Sind 250 Euro ein willkommenes Zubrot für einen Fußballer, Volleyballer oder Handballer - oder trägt diese Summe wesentlich zum Lebensunterhalt bei? "Der DFB kann den Vereinen keine verbindliche Rechtsauskunft erteilen", sagt DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel, "es muss beurteilt werden, welche wirtschaftliche Bedeutung die Zahlung für einen Spieler hat." Im Gesetzeswerk ist das auf den ersten Blick nachrangig. "Bei Vertragsamateuren [...] kommt das Mindestlohngesetz zur Anwendung", heißt es dort.

    Nicht erst seit dem 1. Januar setzt sich auch der Sportbund Rheinland mit der Thematik auseinander, mit verbindlichen Aussagen hält man sich im Haus des Sports auf dem Koblenzer Oberwerth ebenfalls zurück. "Im Zweifel empfehlen wir den Vereinen, die entsprechenden Spieler oder Trainer anzumelden", sagt die zuständige Mitarbeiterin Barbara Berg. Ein weiteres wichtiges Instrument wird für Vereine und Angestellte sein, die geleisteten Stunden schriftlich zu dokumentieren und abzuzeichnen. Mehr Bürokratie wird unvermeidlich sein.

    Aufwandsentschädigungen dürfen 200 Euro nicht überschreiten

    Einfacher scheinen die Dinge für viele kleinere Vereine zu liegen, deren Tagesgeschäft von Hobbysportlern, Ehrenamtlern und allenfalls Honorarkräften geleistet wird. Weil für diese Zielgruppe der ideelle Aspekt und die Belange des Gemeinwohls im Vordergrund stehen, bleibt er von der Mindestlohnregelung ausgenommen - wofür sich der Deutsche Olympische Sportbund und der DFB in Verhandlungen mit der Politik stark- gemacht hatten. Konkret: Die Aufwandsentschädigungen für Athleten dürfen 200 Euro im Monat nicht übersteigen, zudem bleiben Übungsleiter (bis zu 2400 Euro jährlich) und Ehrenamtler, (bis zu 720 Euro im Jahr) steuerfrei. Allein, auch hier kann es knifflig werden: Bis zu welchem Grad des Engagements ist eine Tätigkeit ehrenamtlich? Die Definition hierfür steht noch aus. Vermutlich werden in absehbarer Zeit die Richter Abhilfe schaffen müssen.

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