Archivierter Artikel vom 14.03.2021, 12:03 Uhr

Dortmunds Übergangscoach

Empfehlung für höhere Aufgaben: Terzic belebt den BVB

Im DFB-Pokal noch dabei, in der Champions League im Viertelfinale, in der Bundesliga im Aufwind. Der BVB hat die jüngste Terminhatz erfolgreich gemeistert. Das schürt Diskussionen über Trainer Edin Terzic. Wäre die Übergangs- nicht auch eine gute Dauerlösung?

Edin Terzic
Dortmunds Trainer Edin Terzic freut sich über einen Treffer seiner Mannschaft.
Foto: Bernd Thissen/dpa-Pool/dpa

Dortmund (dpa). Harte Arbeit, gerechter Lohn – als Dank für den anhaltenden Aufwärtstrend gewährte Edin Terzic seinen abgekämpften Dortmunder Profis zwei freie Tage.

Das 2:0 (0:0) über Hertha BSC zum Abschluss ereignisreicher Wochen mit dem Einzug in das Viertelfinale der Champions League und in das Pokal-Halbfinale wertete der BVB-Übergangscoach als Mutmacher für den Bundesliga-Countdown: „Es gibt noch neun Spiele, in denen 27 Punkte verteilt werden. Wir versuchen, um jeden dieser 27 Punkte zu kämpfen, weil wir auch nächstes Jahr wieder solch schöne Abende wie am vergangenen Dienstag erleben wollen.“

Vier Tage nach dem umjubelten Kraftakt gegen Sevilla war auch gegen die Berliner viel Arbeit nötig. Dank des schmucklosen Sieges bleiben die Dortmunder in Schlagdistanz zum vierten Tabellenplatz und können weiter auf eine Rückkehr in die europäischen Königsklasse hoffen. Doch der momentane Höhenflug beschert der Borussia auch eine unliebsame Diskussion. Denn mit jedem Erfolg unter der Regie von Terzic kommen Fragen auf, ob der BVB nicht besser den derzeitigen Übergangs- zum neuen Chefcoach befördert hätte, statt vom kommenden Sommer an auf den zurzeit glücklosen Gladbacher Coach Marco Rose zu setzen.

Diese Bedenken versuchte Michael Zorc zu zerstreuen. „Wir sind von diesen Entscheidungen sehr überzeugt. Wir haben das alles sehr klar mit allen Beteiligten besprochen. Da gab es keinerlei Dissens“, sagte der BVB-Sportdirektor in einem Interview der „Welt am Sonntag“ und betonte: „Wir wissen, dass Marco Rose ein sehr guter Trainer ist.“ Terzic ließ keine Zweifel an der Loyalität für seinen Herzensclub aufkommen und machte keine Ansprüche auf eine Chefrolle geltend: „Da denke ich nicht eine Sekunde drüber nach.“ Auf seinen Posten als Co-Trainer will er klaglos zurückkehren: „Ich weiß ja auch, wie viel Spaß es gemacht hat, in dieser Position zu arbeiten.“

Es scheint, als wäre mit der Beförderung von Terzic auf Zeit auch das Glück zum BVB zurückgekehrt. Denn zum Sieg über die zumindest in der ersten Halbzeit konkurrenzfähige Hertha trug der gegnerische Torhüter entscheidend bei. Erst hielt Rune Jarstein sein Team bravourös im Spiel, dann leistete er sich zwei folgenschwere Patzer. Sowohl beim Fernschuss von Julian Brandt (54.) aus über 20 Metern zum 1:0 als auch beim Treffer von BVB-Jungstar Youssoufa Moukoko aus spitzen Winkel in der Nachspielzeit machte der 36-Jährige keine gute Figur. Die aufmunternden Worte seines Landsmanns Erling Haaland nach dem Schlusspfiff konnten den Frust des Norwegers kaum lindern.

Obwohl seine Fehler die Abstiegsnöte der Berliner erhöhten, verkniffen sich die Mitspieler Kritik. „Rune hat uns in der ersten Halbzeit schon den Arsch gerettet. Er ist ein super Torwart“, kommentierte Hertha-Kapitän Niklas Stark.

Auch Pal Dardai verlor nicht viele Worte über Jarstein: „Die Stürmer machen auch Fehler, aber da wird nicht so viel drüber geredet. Aber er ist erfahren genug, um das zur Seite zu wischen und er bleibt unsere Stärke.“ Stattdessen monierte der Berliner-Coach den schwachen und mutlosen Auftritt seiner Mannschaft in der Offensive nach der Pause. „Ich bin sehr unzufrieden mit der zweiten Halbzeit – das war komplett nicht in Ordnung“, beklagte der Coach den Verlust des Punktepolsters zur Abstiegszone. Mit sorgenvoller Miene fügte er an: „Defensives Spiel ist Wille, offensives Spiel ist Können. Die Jungs haben Talent dafür, aber das sieht man nicht in Drucksituationen. Ich habe keine nervösen Spieler gesehen, sondern eine Blockade.“

© dpa-infocom, dpa:210314-99-815602/2

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