Archivierter Artikel vom 06.05.2021, 07:33 Uhr
Turin

Radsport

Buchmann will deutsche Giro-Misere beenden – Ziel Podium

Schafft es Emanuel Buchmann beim 104. Giro d'Italia als erster Deutscher auf das Podium? Der Kletterspezialist ist zuversichtlich. Die Form stimmt, das schwere Profil macht Hoffnung.

Emanuel Buchmann
Emanuel Buchmann vom Team Bora-hansgrohe geht optimistisch und mit Vorfreude in die dreiwöchige Rundfahrt.
Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Turin (dpa). Jan Ullrich feierte beim Giro d'Italia einen seiner letzten Siege – wenn auch mit fatalen Folgen – und Jens Heppner trug sogar mal zehn Tage am Stück das begehrte Maglia Rosa. Aber ein deutscher Gesamtsieger? Oder wenigstens das Podium?

In der mehr als 100-jährigen Geschichte der Italien-Rundfahrt sind Erfolge deutscher Radprofis überschaubar. Ändern will dies Leichtgewicht Emanuel Buchmann. „Das Ziel ist das Podium“, sagte der Tour-de-France-Vierte von 2019 vor dem Giro-Start am Samstag in Turin der Deutschen Presse-Agentur und fügte hinzu: „Ich bin bereit.“

Sechs Bergankünfte, darunter die brutale Kletterpartie zum Monte Zoncolan hinauf, und mehr als 47 000 Höhenmeter auf der 3479,9 Kilometer langen Route von Turin nach Mailand sind ganz nach dem Geschmack des 59 Kilogramm leichten Kletterspezialisten. Ein solches Profil hat die Tour de France nicht zu bieten, die auch aufgrund der Zeitfahren eher Fahrern wie Ex-Sieger Geraint Thomas (Großbritannien) oder Primoz Roglic (Slowenien) entgegenkommt. „Ich war schon sehr enttäuscht“, berichtete Buchmann, der im Vorjahr nach einem Sturz im Vorfeld nicht über Gesamtrang 38 hinausgekommen war. „Die Tour ist mein Lieblingsrennen, das ist und bleibt so.“

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Nun will der 28-Jährige, der gerade seinen Vertrag bis 2024 beim Bora-hansgrohe-Rennstall verlängert hat, in den Dolomiten oder den Apenninen glänzen. Ohnehin haben die deutschen Radprofis bei der zweitwichtigsten Rundfahrt der Welt Nachholbedarf. Ullrich nutzte das Rennen einst maximal als Vorbereitungsrennen auf die Tour. Und nach seinem Sieg im Einzelzeitfahren 2006 brachte unter anderem ein Anruf seines Mentors Rudy Pevenage bei Eufemiano Fuentes die Ermittler auf die Verbindungen zum spanischen Dopingarzt.

Die besten deutschen Platzierungen waren zwei fünfte Plätze von Kurt Stöpel (1932) und Didi Thurau (1983). Das sollte Buchmann nach Meinung des früheren Giro-Bergkönigs Fabian Wegmann übertreffen. „Ich traue Buchmann auch durchaus den Sieg zu. Aber dann muss wirklich alles passen“, sagte der dreimalige deutsche Meister dem Internetportal t-online und betonte: „Die Chancen, dass Emanuel Buchmann auf dem Podium landet, stehen auf jeden Fall sehr gut. Er hat sich sehr akribisch vorbereitet und wenn er gesund bleibt, kann er dort auch landen.“

Die Konkurrenz ist aber beachtlich. Der Kolumbianer Egan Bernal, immerhin Tour-Champion von 2019, steht am Start. Mache der Rücken keine Probleme, werde er das Rosa Trikot ins Visier nehmen, sagte Bernal. Auch das belgische Wunderkind Remco Evenepoel gibt fast neun Monate nach seinem Beckenbruch bei der Lombardei-Rundfahrt ein Comeback. Zwei Fahrer, denen vor nicht allzu langer Zeit nachgesagt wurde, dass sie die großen Siege im Radsport unter sich ausmachen werden. Bis ein gewisser Tadej Pogacar, Toursieger 2020, plötzlich die Bühne betrat.

Dazu haben sich weitere starke Rundfahrer angesagt, wie der Vorjahreszweite Jai Hindley (Neuseeland), der Ex-Giro-Dritte Mikel Landa (Spanien) oder der Brite Simon Yates, immerhin Vuelta-Champion von 2018. Nicht zu vergessen der italienische Altmeister Vincenzo Nibali. „Sehr starke Konkurrenz“, betont Buchmann, der sich in den vergangenen Wochen in der Höhenluft der Sierra Nevada vorbereitet hat. Sein Teamchef Ralph Denk ist optimistisch. „Was die Trainingswerte zeigen, ist er gut im Plan. Emanuel hat schon bewiesen, dass er sich im Training sehr gut vorbereiten kann. Dass er nicht so viele Rennen braucht, um auf höchstem Level zu sein“, sagte Denk jüngst der dpa.

Für den ganz großen Coup muss sich Buchmann aber auch in den ungeliebten Zeitfahren am ersten und letzten Tag sowie auf rund 34 Kilometern über staubige Schotterpisten in der Toskana – in Anlehnung an das Rennen Strade bianche – beweisen. Wie hart es dann im Juli sei, als TV-Zuschauer die Tour zu verfolgen, „hängt wohl auch mit meinem Resultat beim Giro zusammen“, so Buchmann, der anschließend die Olympischen Spiele ins Visier nehmen will.

© dpa-infocom, dpa:210505-99-483461/5

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