40.000
Aus unserem Archiv
Bad Kreuznach/Bingen

Nach sieben Jahren Pause schließt sich der Kreis

Gert Adolphi

Für Elisabeth Erk hat sich ein lang gehegter Traum erfüllt. Die Tischtennisspielerin, die aus Bad Kreuznach stammt, trat für die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim in der Bundesliga an. Zum 5:5 beim SV Böblingen konnte die 20-Jährige zwar selbst nichts beitragen, aber das war auch nicht zu erwarten. Denn normalerweise spielt sie mit der zweiten TTG-Vertretung in der sechs Klassen tieferen Verbandsoberliga.

Konzentration auf die Rückhand: Die Bad Kreuznacherin Elisabeth Erk feierte mit einer langen Wartezeit im Trikot der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim ihr Bundesliga-Debüt.  Foto: Petra Steyer
Konzentration auf die Rückhand: Die Bad Kreuznacherin Elisabeth Erk feierte mit einer langen Wartezeit im Trikot der TTG Bingen/Münster-Sarmsheim ihr Bundesliga-Debüt.
Foto: Petra Steyer

Angefangen hatte Erk wie auch ihre zwei Jahre ältere Schwester Katja mit Tennis. „Ich war vier, sie war sechs“, erzählt die Spielerin. „Es ist schwer, immer gegen die eigene Schwester zu verlieren.“ So trennten sich die Wege. Katja blieb dem Tennis treu, war erfolgreich und stand kurz davor, bei den Frauen des TC Boehringer Ingelheim in der Oberliga aufzuschlagen – mithin in der höchsten Spielklasse, die ein Verein in der näheren Umgebung anbieten konnte. Doch bevor es soweit kam, musste sie wegen einer Verletzung ihre Karriere beenden.

Elisabeth aber wanderte zum Tischtennis ab. In Kontakt mit dieser Sportart kam sie bei einem Sommer-Schnupperkurs des VfL Bad Kreuznach. Sie schloss sich aber dem Lokalkonkurrenten MTV an, weil sie dort schon vorher Mitglied gewesen war. Auch bei ihr stellte sich der Erfolg sehr schnell ein. Nur ein, zwei Jahre später wurde sie Rheinlandmeisterin der Schülerinnen. Das blieb nicht unbemerkt. „Ganz viele Vereine aus Hessen, dem Rheinland und Rheinhessen haben angefragt und wollten, dass ich für sie spiele“, erzählt Erk. „Da war ich elf.“ Sie entschied sich für das Angebot von Hassia Bingen. Die Tischtennis-Abteilung der Hassia, aus der später die TTG hervorging, war deutschlandweit eine der besten Adressen für Frauen-Tischtennis. Die Binger waren damals in der ersten und zweiten Bundesliga vertreten. Der junge Zugang reihte sich erst einmal im dritten Hassia-Team ein, das in der Oberliga um Punkte kämpfte. Reinen Spaß machte das Spielen in dieser Klasse nicht. „Da gab es nur alte Knacker“, erinnert sich Erk. Doch die Aussicht, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen, spornte sie an. Dann erwischte es aber auch sie. „Ich bekam chronische Muskelfaserrisse – an beiden Armen“, sagt Erk. „Ich hatte es übertrieben.“ Wie ihre Schwester verabschiedete sie sich zunächst einmal von sportlichen Ambitionen.

„Ich hatte sieben Jahre keinen Schläger mehr in der Hand gehabt“, erzählt die Studentin. „Dann habe ich zwangsweise wieder angefangen.“ So ganz hatte sie mit dem Tischtennis nicht abgeschlossen. Als sie erfuhr, dass RWO Alzey einen Trainer sucht, hatte sie sich angeboten und das Amt übernommen. Spielen wollte sie für den Verein allerdings nicht. Doch ohne ihr Wissen hatten die Alzeyer sie auf die Spielerliste gesetzt. „Einen Tag vor meiner Abiarbeit haben sie mir mitgeteilt, dass sich ihre Nummer eins verletzt hat und ich spielen muss“, berichtet die 20-Jährige. Das war im Januar des Vorjahres. Wie es der Zufall so wollte, war der RWO-Gegner ausgerechnet ihr alter Verein. Die Alzeyerinnen verloren gegen die TTG zwar 2:7, doch Erk empfahl sich mit einem Drei-Satz-Sieg über ihre heutige Teamkollegin Larissa Berger für weitere Aufgaben. „Es hat wieder Spaß gemacht“, sagt Erk. „Ich hatte mich vorher nur nicht getraut, wieder anzufangen. Ich bin jetzt aber kerngesund.“

Die Binger blieben nicht untätig. „Als sie erfahren haben, dass ich wieder spiele, haben sie erneut angefragt“, sagt Erk. So wechselte sie im Sommer zurück ans Rhein-Nahe-Eck. Während die von ihr trainierten Alzeyer Frauen aus der Verbandsliga abgestiegen sind, schaffte die zweite TTG-Vertretung, ihr neues Team, den Sprung in die Verbandsoberliga. Ohne Verlustpunkt stehen die Binger Frauen dort nun auf Platz eins. Am Durchmarsch in die Oberliga besteht kein Zweifel mehr. Mit einer positiven Bilanz hat auch Erk das Ihrige dazu beigetragen. „Mir fehlt nach der langen Pause noch ein bisschen die Ballsicherheit“, sagt Erk. „Die Oberliga stellt einen großen Sprung dar. Aber ich werde dabeibleiben.“

Wegen ihrer Ausbildung konnte sie nicht alle Begegnungen in dieser Saison bestreiten. Biologie studiert sie in Mainz, dazu kommt das Fernstudium der angewandten Sportmethodik in Düsseldorf. Das Angebot, in der Bundesliga auszuhelfen, konnte sie aber nicht ausschlagen. „Ich wusste es eine Woche vorher, weil ich sehr eng am Bundesliga-Team dran bin“, sagt Erk. „Als Sporttherapeutin bin ich in manueller Therapie ausgebildet. Deswegen behandle ich oft die Spielerinnen einen Tag vor den Begegnungen und gestalte auch Trainingspläne.“ Hana Matelova fiel für die Partie in Böblingen wegen den Nachwirkungen einer Zahnoperation aus, Yuliya Simeonova-Schaar, die erste Ersatzspielerin, stand nicht zur Verfügung, Li Meng und Larissa Berger kämpften zur gleichen Zeit – erfolgreich – um die Qualifikation zur deutschen Schülerinnen-Meisterschaft. Der Weg war frei für das Erstliga-Debüt von Elisabeth Erk.

„Als ich damals aufgehört habe, hatte ich die Chance, in der zweiten Bundesliga zu spielen“, sagt Erk. „Mein Herz hat geblutet, dass ich sie nicht wahrnehmen konnte.“ Mit über sieben Jahren Verspätung konnte sie das Versäumte nachholen – und das sogar noch eine Liga höher. „Ich habe mich gefreut, weil mir das niemand mehr nehmen kann: Ich habe in der Bundesliga gespielt“, sagt die 20-Jährige. „Andererseits habe ich mich etwas blöd gefühlt. Ich war total nervös, als ich im Rampenlicht in der Box stand.“ Im ersten Einzel gegen Julia Kaim, eine gestandene Erstliga-Spielerin, war die Bad Kreuznacherin von vorne herein chancenlos. „Da hat mich das Klatschen des Publikums auch nicht gestört“, sagt Erk. Zum Abschluss der Begegnung traf sie auf Sarah Wagner. Die war auch Ersatzspielerin, hatte aber schon acht Erstliga-Einsätze absolviert. „Da hätte ich besser spielen können“, räumt Erk ein. „Und dann kam noch das Klatschen dazu. Meine Gegnerin hatte mehr Erfahrung und hat sich nicht so beeindrucken lassen.“ Trotz ihrer Niederlagen will Elisabeth Erk das Erlebnis nicht missen. „Ich bin sehr froh darüber“, sagt die 20-Jährige. „Das muss man erlebt haben. Ich gönne es jedem.“

Von unserem Mitarbeiter Gert Adolphi

Tischtennis (EL)
Meistgelesene Artikel
Fußball Männer
Fußball Frauen
Neuzugang Yuko Aizawa (links; rechts kommt Mitspielerin Angelika Weber einen Schritt zu spät) steuerte zwei Treffer für den SC 13 zum 4:0-Sieg gegen den MSV Duisburg II bei. Foto: Vollrath

im Rheinland

- Westerwald

- Mittelrhein/Mosel

- Rhein-Lahn

im Südwesten

 späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?Wohin am späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?

Fußball Mix
Kapitän Tim Schulz (links) bemühte sich mit seinen Betzdorfer Mitspielern zwar, doch auch gegen Elversberg reichte es am Ende nicht.

Jugendfußball

- im Rheinland

- im Südwesten

Fußballpokale

Hallenfußball

 späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?Wohin am späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?

Regionalsport Mix
Sport-Lokalteile
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
  • Regionalsport
  • Newsticker
  • Lokalticker