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    Luxemburg

    Interview mit Anna-Lena Friedsam: Mein Plan ist, die beste Spielerin der Welt zu werden

    Dem Höhenflug folgte eine Art Bauchlandung: Nach ihrem eindrucksvollen Durchmarsch ins Halbfinale des WTA-Turniers von Linz und dem Sprung in der Weltrangliste um 18 Plätze auf Position 76 ist Tennisprofi Anna-Lena Friedsam beim 250 000-Dollar-Turnier in Luxemburg schon in der ersten Runde ausgeschieden. Gegen die Niederländerin Kiki Bertens gewann die 20-Jährige aus Oberdürenbach den ersten Satz souverän mit 6:2, dann meldete sich die schmerzhafte Bauchmuskelzerrung, die sie schon im Halbfinale von Linz beeinträchtigt hatte. Friedsam verlor die weiteren Sätze mit 2:6 und 4:6. Nach der Enttäuschung stellten sich Friedsam und ihr Trainer Bijan Wardjawand zum Interview.

    Foto: Andreas Walz

    Frau Friedsam, wie geht es Ihrem Bauch?

    Friedsam: Im Moment nicht so gut. Wir haben lange diskutiert, ob wir hier spielen und uns schließlich dafür entschieden. Das war eine Fehlentscheidung. Im zweiten Satz kamen die Schmerzen wieder, ich konnte nicht richtig aufschlagen. Die Spieleröffnung fängt mit dem Aufschlag an, wenn der nicht kommt, ist es schon vorbei.

    Wer hat die Entscheidung getroffen, hier anzutreten?

    Friedsam: Letzten Endes entscheide ich. Ich dachte nach den guten Spielen von Linz, dass ich irgendwie so weitermachen könnte. Aber wenn ich nicht hundertprozentig fit bin, dann lasse ich das in Zukunft lieber sein.

    Also haben Sie wenigstens etwas gelernt?

    Friedsam: Genau.

    Ihre tollen Vorstellungen von Linz waren ein Durchbruch für Sie in der öffentlichen Aufmerksamkeit, auch wegen der Fernsehübertragungen. War das ihr bestes Turnier bisher?

    Friedsam: Ja, ich glaube schon. Ich habe die ganze Woche konstant gut gespielt. Das Turnier war ja hochkarätig besetzt, und es hat mich gefreut, zu sehen, dass ich mit den besten Spielerinnen der Welt mithalten und gegen sie gewinnen kann.

    Hat das auch mit Psychologie zu tun, dass einen der Erfolg durchs Turnier trägt?

    Friedsam: Nein, das würde ich so nicht sagen. In jedem Spiel trifft man eine neue Gegnerin, muss sehen, dass man ganz bei sich ist und auf sich konzentriert. Jedes Spiel ist eine neue Herausforderung.

    Für viele kam Ihr Erfolg von Linz völlig überraschend.

    Friedsam: Ja, ich hatte bisher noch keinen richtigen Ausreißer nach oben, war aber schon kontinuierlich erfolgreich. Ich habe mich Stück für Stück nach oben gearbeitet, habe zuletzt super trainiert und gespielt, unter anderem beim Turniersieg in China im September. So war es nur eine Frage der Zeit, bis mir ein solcher Auftritt wie in Linz gelingt.

    Im Oktober stehen noch zwei Turniere in China an. Ist der Trainer dort auch dabei?

    Wardjawand: Ja, ich begleite Anna-Lena derzeit zu allen Turnieren. Der Tennisverband Rheinland, bei dem ich als Verbandstrainer angestellt bin, hat mich dafür abgestellt, der Landessportbund Rheinland-Pfalz bezahlt das Ganze. Diese Maßnahme ist eine Art Anschubfinanzierung und gilt bis Mitte oder Ende 2015. Wenn die Spielerin dann im Bereich der Weltranglistenplätze 60 bis 50 angekommen ist, sollte sie so autark sein, um alleine klarzukommen.

    Wie ist das Verhältnis zwischen Trainer und Spielerin?

    Wardjawand: Wie in jeder längeren Beziehung gibt es Reibungspunkte. Wir sind manchmal verschiedener Meinung oder streiten uns, aber letztlich finden wir immer wieder zusammen. Es gab auch Situationen, wo wir uns gefragt haben, ob das noch der richtige Weg ist. Wenn man das übersteht, kommt man stärker heraus. Wir kennen uns nun schon so lange und können offen miteinander reden.

    Worüber können Sie sich streiten?

    Friedsam: Zum Beispiel, ob ich hier in Luxemburg antrete oder nicht. Bijan hat eher dazu tendiert, nicht zu spielen. Da habe ich meinen Dickkopf durchgesetzt. Aber es ist auch nicht immer alles richtig, was er sagt. Auf dem Platz muss ich schließlich auch alleine spielen.

    Wardjawand: Das ist schon eine Umstellung für mich gewesen. Wenn ich die Kleinen trainiere, wird gemacht, was ich sage. Mit den Jahren verschiebt sich das. Aber das ist gut so, wenn sie sagt, nein, ich sehe das anders. Damit habe ich kein Problem. Sonst bleiben wir auf der Stelle stehen. Aber diese Offenheit setzt eine gemeinsame Geschichte voraus. Mit einem 15-Jährigen im Verbandstraining würde ich nicht diskutieren.

    Friedsam: Wir sind jetzt auf einem Niveau angekommen, da habe ich selbst ein Gefühl dafür, was ich brauche und was nicht. Er kann sich nicht immer hineinversetzen, wie ich mich fühle.

    Wo sehen Sie derzeit Ihre Stärken und Schwächen, wo wollen Sie sich noch verbessern?

    Friedsam: Zu meinen Stärken gehört es, dass ich den Gegner konsequent unter Druck halten kann, sehr starke Schläge habe und am Netz abschließen kann. Dazu habe ich einen guten Aufschlag. Am Return muss ich arbeiten, dass er konstanter kommt, und einzelne Spielzüge noch konsequenter spielen. Meine Rückhand ist sehr stabil, da mache ich fast keine Fehler. Die Vorhand ist aggressiver, da bekomme ich mehr Geschwindigkeit drauf und kann den Gegner bearbeiten. Aber sie ist nicht so stabil wie die Rückhand.

    Lassen Sie uns über Geld reden. Tennisprofis sind diesbezüglich gläsern, jeder kann mit einem Knopfdruck im Internet abfragen, wie viel der Einzelne verdient hat. Die Halbfinalteilnahme in Linz hat Ihnen rund 9000 Euro eingebracht. Wie viel bleibt davon übrig?

    Friedsam: Ich habe nur 7000 Euro bekommen.

    Wardjawand: Zunächst werden die landesüblichen Steuern abgezogen, das sind meist um die 20 Prozent. Den Rest muss sie dann hier versteuern. Ihren Hotelaufenthalt bekommt sie bezahlt, meinen muss sie bezahlen, ebenso wie die Anreise. Wenn sie früh ausscheidet, gibt es 1000 Euro brutto oder weniger, davon kann man nicht mal den Flug bezahlen. Erst wenn man ins Hauptfeld bei den Grand-Slam-Turnieren kommt, kann man richtig Geld verdienen. Deshalb muss man sehen, dass man Sponsoren findet. Das läuft bei uns derzeit ganz gut. Wenn der Pott voll ist, können wir daraus die Kosten für Trainer - den bezahlt derzeit der LSB - und Reisen decken. Damit die Spielerin von den Preisgeldern leben und auch etwas auf die Seite legen kann.

    Was ist aus Ihren Plänen geworden, per Fernstudium das Abitur zu machen?

    Friedsam: Das habe ich abgebrochen, um mich ganz auf Tennis zu konzentrieren. Mein Plan ist es, die beste Spielerin der Welt zu werden. Das braucht viel Kraft und Aufwand, da kann man nicht da und dort noch was laufen haben. Wenn das Tennisleben vorbei ist, stehen mir immer noch alle Türen offen.

    Wenn Sie tatsächlich die beste Spielerin der Welt werden, brauchen Sie sich wahrscheinlich wirklich keine Sorgen zu machen.

    Friedsam: Ich möchte mein Potenzial ausschöpfen und das erreichen, was möglich ist. Wenn man einige Jahre unter den Top 50 ist, hat man es schon gut.

    Wie wichtig ist die Familie für Sie?

    Friedsam: Meine Eltern unterstützen mich zu 100 Prozent und begleiten meine Karriere auch kritisch. Organisatorisches und Tennis-Spezifisches überlassen sie mir und meinem Trainer. Besser kann es nicht sein. Ich komme immer gern nach Hause, auch weil meine Familie nicht so Tennis-bekloppt ist. Da bin ich Anna-Lena und nicht die Tennisspielerin.

    Ende des vergangenen Jahres waren Sie in der Weltrangliste die Nummer 122 und haben sich zum Ziel gesetzt, in diesem Jahr auf Position 70 zu klettern, Das haben Sie fast geschafft. Was ist Ihr Ziel für 2015?

    Friedsam: Da setze ich mir keine konkreten Ziele mehr. Aber 50 Plätze gutzumachen wie in diesem Jahr, das wird sehr schwierig.

    Im Januar beginnen die Australian Open an, Sie stehen im Hauptfeld. Wäre es nicht an der Zeit, mal die erste Runde bei einem Grand-Slam-Turnier zu überstehen?

    Friedsam: Klar, aber mein Ziel ist einfach, gut zu spielen, dann wird sich das von allein regeln.

    Wie bitter ist es, wenn man gut spielt und unglücklich verliert?

    Friedsam: Das passiert nicht.

    Das Gespräch führte Stefan Kieffer

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