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Andernach/Neuwied

Hilpisch gewinnt Titel gegen Vereinskameraden

Mit dem Mann hatte keiner gerechnet: Bei der Altersklassen-Meisterschaft des Tennisverbandes Rheinland (TVR) holte sich Andreas Kneip vom TC Emmelshausen den Titel in der Klasse M 30, und das nach 20 Jahren Pause.

Christoph Hilpisch (Foto) besiegte im Endspiel der Altersklasse 60 seinen Vereinskameraden Toni Schweitzer vom TC Rhein-Wied Neuwied.  Foto: Andreas Walz
Christoph Hilpisch (Foto) besiegte im Endspiel der Altersklasse 60 seinen Vereinskameraden Toni Schweitzer vom TC Rhein-Wied Neuwied.
Foto: Andreas Walz

„Ich habe meine alte Leidenschaft wieder aufleben lassen“, freute sich Kneip, der als 16-Jähriger beim TC Rheinanlagen Koblenz aktiv war und es bis in den TVR-Kader geschafft hatte. Dann, so erzählte er nach dem 6:3, 6:3 im Finale gegen Stephan Becker (Bendorfer TV), musste er sich zwischen Studium beziehungsweise Beruf und Sport entscheiden und kehrte erst vor zwei Jahren beim TC Emmelshausen („Dort bin ich gut aufgehoben“) zum Tennis zurück, mit viel Ehrgeiz und eigener Ballmaschine.

Der Endspielpartner Becker, Vorjahresfinalist M 40, konnte in seiner Altersklasse wegen des Spieltermins am Freitag „aus beruflichen Gründen“ nicht antreten. Im Feld der jüngeren Spieler fühlte er sich aber recht wohl, „auch wenn es da einen Ticken schneller zugeht“. Bei Konkurrent Kneip gesellte sich allerdings im Finale noch die Sicherheit zur Schnelligkeit. Das war entscheidend.

Auch Abonnementsmeister Horst Kelling vom TC BW Bad Ems, Referent für Regelkunde im TVR und Turnierchef bei diesen Titelkämpfen mit ihren Finalspielen im Andernacher Tennis-Treff, musste sich, wie Stephan Becker, mit jüngeren Konkurrenten messen: Für die M 65 mangelte es an Meldungen. „Seitdem ich Turnierleitung mache, ist es das erste Mal, dass eine Herren-Altersklasse ausfallen musste“, kommentierte Kelling die durchwachsene Gesamtzahl an Aktiven (85 Teilnehmer gegenüber 96 im Vorjahr).

In der Klasse M 60 war für Horst Kelling im Halbfinale Schluss. „Theoretisch bin ich damit der beste 65-Jährige“, machte er das Beste aus seiner Niederlage gegen den acht Jahre jüngeren Titelverteidiger Toni Schweitzer (TC Rhein-Wied Neuwied), der wiederum das Finalduell gegen seinen Vereinskameraden Christoph Hilpisch mit 4:6, 6:7 (2:7) verlor. „Ich hätte es einfacher haben können bei 5:4-Führung und eigenem Aufschlag im zweiten Satz“, stellte Hilpisch fest. „Bei den Endspielen gegeneinander führe ich mit 6:3, es entscheidet immer die Tagesform“, sagte der Sieger, während Schweitzer einen Doppelfehler und zwei schwache zweite Aufschläge mit entsprechenden Returns im Tiebreak beklagte.

Wie anders als 10:8 hätte der Entscheidungssatz, einziger Matchtiebreak in den Endspielen dieser Meisterschaft, zwischen dem Trierer Thomas Fusenig und Markus Roßen aus Bad Ems ausgehen können? Beide hatten ihre Halbfinals mit diesem Resultat im dritten Satz gewonnen, der M 50-Titelverteidiger Fusenig war mit diesem Ergebnis im Vorjahr Meister geworden. „Enger kann man es nicht haben“, meinte er nach der Wiederholung seines 2017er-Sieges. „Es war reine Nervensache.“ Vielleicht entscheidend: Die Aufschläge von Linkshänder Roßen (Fusenig: „Extrem schwer zu retournieren.“) verloren an Präzision.

Eine scheinbar klare Angelegenheit war das M 55-Endspiel, das Vorjahresgewinner Axel Hüttner vom TC Idar-Oberstein mit 6:1, 6:2 gegen Jens Kowalke (TC RL Lahnstein) gewann. „Hätte ich eine meiner drei Breakchancen zum 3:3 im zweiten Satz genutzt, wäre das noch mal eine Motivation für mich gewesen“, ärgerte sich der Verlierer über ungenutzte Gelegenheiten. Auch Hüttner („Ich habe die wichtigen Punkte gemacht.“) sah das so: „Es hätte meinem Spiel einen Knacks geben können.“

Die gleiche Finalpaarung M 70 wie im Vorjahr mit dem gleichen Sieger gab es bei den ältesten Spielern, diesmal setzte sich Dietmar Stern (TC Siershahn) gegen Peter Buhr vom TC BW Herschbach mit mit 6:4, 6:1 durch. „Ich war Favorit in einem weniger stark besetzten Feld“, meinte Stern, und Buhr zeigte sich zufrieden mit dem Erreichen des Endspieles: „Nach einem Achillessehnenanriss im Juni war es erst mein drittes Einzel.“

Im abschließenden Endspiel der Altersklasse M 40, der mit 16 Teilnehmern bestbesetzten Klasse mit den Halbfinals am Vormittag, sah es einen Satz lang nach einer engen Entscheidung aus. Aber nachdem der topgesetzte Simmerner Ales Friedl den ersten Satz mit 7:3 im Tiebreak für sich entschieden hatte, war bei seinem Gegenüber Tim Lengfeld (TC Diez) die Luft raus. Als junger Vater seit Monaten von Schlafdefizit geplagt, zollte Lengfeld beim 0:6 im zweiten Durchgang dem Kräfteverschleiß Tribut. „Ich habe bis kurz vor Meldeschluss gezögert, ob ich dieses Turnier mit vier Spielen wahrnehmen soll“, meinte er später. Ales Friedl nutzte das Nachlassen seines Gegners. „Im zweiten Satz lief es bei mir und die langen Bälle kamen“, sagte er, „nachdem ich am Anfang zu hektisch war.“

Zuvor hatte im einzigen Frauen-Finale Lori Murtaugh (Andernacher TC) souverän ihren Vorjahreserfolg wiederholt, Christine Hölzke vom TC Neuwied war beim 0:6, 2:6 chancenlos. „Sie geht immer ans Netz und ich musste nur sehen, ob ich sie rechts oder links passieren kann“, kommentierte Murtaugh die Taktik „entweder, oder“ (Hölzke) ihrer Kontrahentin.

Thomas Wächtler

Titelkämpfe der Frauen und Männer in Andernach

Am kommenden Wochenende spielen die Frauen und Männer um die Tennis-Rheinlandmeisterschaft. 60 Teilnehmer haben für die Spiele im Tennistreff Mittelrhein in Andernach gemeldet. Bei den Männern wird die Setzliste von den beiden Bad Emsern Raphael Weiler und Yannick Floer angeführt.

Topgesetzt bei den Frauen ist Isabel Herbster (TC Oberwerth Koblenz) vor Emilia Feodorovici (HTC Bad Neuenahr). Spielbeginn ist am Freitag um 14 Uhr und am Samstag um 9 Uhr. Die Halbfinals werden am Sonntag ab 9 Uhr ausgetragen, ab circa 12 Uhr folgen die Finalspiele. Der Eintritt ist frei.

Tennis (ABCK)
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