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    Koblenz

    Die Analyse: Warum die Vulkan-Ladies verschwinden

    Das Buch ist zu. Von Sommer an wird es keinen hochklassigen Frauenhandball mehr in der Region Koblenz geben. Die Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern werden für die kommende Saison der Zweiten Bundesliga keine Mannschaft mehr melden. Warum? Eine Analyse unseres Sportredakteurs Stefan Kieffer.

    Von unserem Redakteur Stefan Kieffer

    "Es wird keine Zukunft für die Vulkan-Ladies geben", verkündete Geschäftsführer Manfred Sattler bei einer Pressekonferenz, "wir werden keinen Lizenzantrag stellen." 

    Nach drei Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit waren die Vulkan-Ladies zum Ende der vergangenen Spielzeit in die Zweite Liga abgestiegen, verloren dort aber trotz eines äußerst großzügigen Etats das Ziel Wiederaufstieg recht bald aus den Augen. Alle Versuche der Verantwortlichen, trotz der sportlichen Misere ein finanzielles Fundament für eine erfolgreiche Zukunft zu legen, sind laut Sattler gescheitert. "Wir haben in den vergangenen Wochen hart gearbeitet, haben viele Gespräche geführt, Briefe und E-Mails geschrieben", berichtet Sattler, "aber wir sind leider immer auf Ablehnung gestoßen." Das gilt für die Anwerbung neuer Sponsoren ebenso wie für den Versuch, bestehende Förderer zu einer Erhöhung ihrer Zuwendungen zu bewegen.

    Zuletzt hatte Sattler zwei externe Marketing-Experten beauftragt, um 200 regionalen Firmen Sponsorenpakte im Umfang von 300 bis 1000 Euro anzubieten. Das Ergebnis: Gerade mal zwei Ansprechpartner wollten "vielleicht mal ein Spiel anschauen". Konkrete Zusagen: Fehlanzeige. "Wir haben weniger Zusagen als für die laufende Saison", berichtete Sattler, "und die Mehrzahl der Sponsoren kommt nach wie vor aus Weibern."

    In die laufende Saison gingen die Vulkan-Ladies mit einem Etat von mehr als 900.000 Euro, das ist mehr, als die meiste Erstligisten aufbringen können. Geplant war, die Aufwendungen für die kommende Spielzeit zu halbieren und in der Zweiten Liga "mit jungen Spielerinnen aus Deutschland" wieder eine erstligataugliche Mannschaft aufzubauen. "Denn unsere Vision kann nur sein, mittelfristig in der Ersten Liga zu spielen", versichert Sattler.

    Inklusive der Zuschauereinnahmen waren rund 200.000 Euro des künftig geplanten Etats zusammengekommen. "Wenn wir noch 150.000 bis 200.000 Euro mehr hätten, wäre ich bereit, den Rest selbst zu tragen", sagt Sattler, der in der Vergangenheit als Hauptsponsor bis zu drei Viertel des Etats im Alleingang gestemmt hatte. "Aber künftig kann nicht alles über mein Portemonnaie und auf meinen Schultern ausgetragen werden. Ich kann das auch nicht mehr."

    Der erfolgreiche IT-Unternehmer und IHK-Präsident Sattler ist von seinen Kollegen aus der Wirtschaft sichtlich und hörbar enttäuscht. "Das Aus schmerzt mich und macht uns traurig. Ich frage mich, wie wir Fachkräfte hier halten und für die Region gewinnen wollen, wenn wir ihnen keine attraktive Freizeitgestaltung bieten können. Viele Unternehmen klagen, dass großstädtische Regionen wie das Rhein-Main-Gebiet oder der Köln-Bonner Raum anziehender sind, Wir haben nichts zu bieten, was da mithalten kann."

    Manfred Sattler kritisiert auch die Politik. Die jüngsten Äußerungen des Koblenzer Oberbürgermeisters Joachim Hofmann-Göttig, der sich als Schirmherr für die Ambitionen der aktuell viertklassigen Conlog-Baskets zur Verfügung stellte ("Die Basketballer wissen, zu welchen Firmen sie gehen müssen, ohne von uns beraten zu werden"), empfand der Ladies-Boss als "knallharten Faustschlag: Gerade der OB könnte den Sport als wichtiges Element der Stadtpolitik definieren und Unterstützer motivieren. Aber von dieser Seite haben wir keine Hilfe erfahren."

    Nach so vielen Schuldzuweisungen stellt sich die Frage, ob der Verein selbst und seine Verantwortlichen auch ihren Anteil an der Misere tragen. "Wir haben auch Fehler gemacht", räumt Sattler ein, "was die eine oder andere Personalentscheidung betraf. Aber das war nicht ausschlaggebend." Dass die sportliche Talfahrt Sponsoren abgeschreckt haben könnte, will der Chef so nicht stehen lassen: "Die Argumente, warum Firmen uns nicht sponsorn wollen, reichen von Geldmangel bis zur Unternehmensphilosophie. Aber sportliche Gründe wurden nie genannt."

    Wie geht's nun weiter? Das letzte Zweitliga-Heimspiel am 7. Mai gegen Rödertal will der Verein als "schöne Abschiedsfeier" gestalten und "allen danken, die uns begleitet haben, Zuschauer und freiwillige Helfer." Das Frauenteam der Vulkan-Ladies respektive des TuS Weibern könnte in der Rheinlandliga weitermachen. "Doch dafür fehlen die Spielerinnen", meint Peter Josef Schmitz, Mitglied der Geschäftsführung und Ortsbürgermeister von Weibern. "Unsere zweite Mannschaft spielt in der Bezirksliga, so wird es wohl bleiben."

    Schmitz ist auch Präsident des Handballverbands Rheinland (HVR) und beklagt in dieser Funktion die fatale Entwicklung: "Das ist ein Leuchtturm weniger für den HVR. Für die Außendarstellung des Verbands ist das eine mittlere Katastrophe. Und wenn auch noch die Trierer Miezen absteigen..."

    Gutes Stichwort: Der langjährige Rheinland-Rivale DJK/MJC Trier steht aktuell auf einem Abstiegsplatz in der Zweiten Liga. Doch Genugtuung über das Aus des Konkurrenten liegt den Trierern fern. Miezen-Vorstand Jürgen Brecht spricht von einem "schwarzen Tag für den Frauenhandball" und stellt fest: "Wer jetzt denkt, dass wir uns aus sportlichen Gründen freuen, liegt völlig falsch. Wir wollen den Klassenerhalt auf sportlichem Wege schaffen." Sich aus der "Konkursmasse" der Ladies zu bedienen, kommt für die Trierer ebenfalls nicht in Frage: "Die Spielerinnen der Vulkan-Ladies liegen finanziell fernab dessen, was wir uns leisten können."

     

    Die Chronologie der kurzen, aber bewegten Geschichte der Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern

    19. Mai 2012: Mit dem 28:25-Sieg beim MTV Altlandsberg steigen die Handballerinnen des TuS Weibern zum zweiten Mal nach 2003 in die Bundesliga auf und kündigen an, künftig als Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern anzutreten.

    15. September 2012: Das Team von Trainerin Ildiko Barna feiert im ersten Heimspiel den ersten Sieg, 850 Zuschauer in der Koblenzer Sporthalle Oberwerth in Koblenz sehen das 33:29 gegen Bad Wildungen.

    8. April 2013: Nach der 16:34-Niederlage in Buxtehude beenden die Ladies die Saison auf Platz neun unter zwölf Mannschaften.

    4. Dezember 2013: Mitten in der Saison wird Trainerin Ildiko Barna völlig überraschend entlassen – offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Zehn Tage später wechselt Führungsspielerin Svenja Huber zum Spitzenreiter Thüringer HC.

    28. Dezember 2013: Barnas Nachfolger Christoph Barthel verliert sein erstes Spiel mit 27:29 bei den Trierer Miezen.

    30. Mai 2014: Das Rückspiel gegen die Miezen gewinnt Barthels Team mit 30:27 und wird zum Saisonende Vierter der Abstiegsrunde, insgesamt Zehnter unter zwölf Teams.

    21. November 2014: Die Ladies verlieren 27:29 gegen Trier, Christoph Barthel muss gehen. Sein Nachfolger wird Caslav Dincic, der den TuS Weibern 2003 zum ersten Aufstieg geführt hatte.

    13. Mai 2015: Die 29:41-Niederlage in Leipzig besiegelt den Erstliga-Abstieg der Vulkan-Ladies.

    23. März 2016: In der Zweiten Liga sind die Ladies nur Mittelmaß, der Wiederaufstieg rückt in weite Ferne. Geschäftsführer Manfred Sattler verkündet das Aus der Vulkan-Ladies zum Saisonende. kif

    Kommentar: Kein Erfolg ohne Identifikation Aus für Vulkan-Ladies: Kommende Saison ohne Handball-Zweitligist
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