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Holzheim

Tischtuch war zerschnitten: Holzheims Abteilungsleiter Alois Friedrich äußert sich zur Trennung von Trainer Scherer


Stefan Nink

Die Alarmglocken beim Handball-Landesligisten TuS Holzheim schrillen seit der 26:28-Heimniederlage gegen den TSV Griedel lauter denn je, dem langjährigen Oberligisten droht der Sturz in die Bezirksoberliga. „Da mussten wir im Sinne des Vereins eine Entscheidung fällen“, so Abteilungsleiter Alois Friedrich. „Und wir haben sie dann so gefällt.“

Den Klassenverbleib in äußerst schwieriger Phase fest im Visier behalten Routinier Tobias Baum und seine Mitspieler, die nach wie vor alles in eigenen Händen haben.  Foto: Andreas Hergenhahn
Den Klassenverbleib in äußerst schwieriger Phase fest im Visier behalten Routinier Tobias Baum und seine Mitspieler, die nach wie vor alles in eigenen Händen haben.
Foto: Andreas Hergenhahn

Dass dieser Entschluss, Trainer Thomas Scherer mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden, vorbereitet sein musste, bestritt Friedrich nicht. „Natürlich hatten wir uns vorher schon Gedanken gemacht, was passiert wenn...“, hatten die TuS-Verantwortlichen die unterschiedlichen Szenarien im Hinterkopf schon durchgespielt, um dann im unangenehmen Fall des Falles sofort reagieren zu können.

Als dann die Partie gegen die Butzbacher nach klarer Führung erneut zu Ungunsten der Ardecker kippte und sich Scherer mit personellen und taktischen Maßnahmen – mit Moritz Rompel, Davin Nink, Laurin Moos und Lennard Hien schmorten frische Leute (zu) lange auf der Tribüne, zudem musste der etatmäßige Linksaußen Maximilian Schenk in der entscheidenden Phase im ungewohnten Rückraum Mitte ran – den Unmut vieler Zuschauer und nicht zuletzt auch der Vereinsverantwortlichen zuzog, lief das berühmte Fass für Friedrich und Co. über.

Den Vorwurf, dass man eine definitive Entscheidung in Sachen Trainer immer wieder herausgezögert hatte, weil man offensichtlich nicht von einer Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Scherer überzeugt war, relativierte der Abteilungsleiter. „Wir haben es aus Rücksicht auf Scherers persönliche Situation mit dem plötzlichen Tod seines Vaters herausgezögert, wollten aber zeitnah entscheiden.“ Dass Scherer bereits vor Monaten eine Übereinkunft mit dem damaligen Sportlichen Leiter Gunter Ohl erzielt habe, wollte Friedrich so nicht stehen lassen. „Eine Vereinbarung per Handschlag war für uns wegen entsprechender Erfahrungen in der Vergangenheit kein Thema. Wir wollten das Ganze schriftlich fixieren.“

Dazu ist es bekanntlich nicht mehr gekommen. „Wir waren seit dem Lang-Göns-Spiel, als wir in der Schlussphase eine klare Führung aus der Hand gegeben hatten, nicht mehr davon überzeugt, mit dem Trainer in die neue Saison zu gehen. Das Tischtuch war irgendwie zerschnitten, wir waren nicht mehr auf einer Linie.“ Scherers Job übernimmt nun bis zum Saisonende mit dem bisherigen Reserve-Coach Christian Bittkau ein Holzheimer Eigengewächs, das auch die Koordination zwischen erster und zweiter Mannschaft übernimmt (wir berichteten).

Wie es dann beim TuS weiter geht wird sich zeigen und hängt nicht unwesentlich davon ab, wohin die Reise sportlich geht und ob der sportliche Super-GAU eintritt... Stefan Nink

Steht endlich auf, wenn ihr Holzheimer seid

Stefan Nink zur kritischen Lage beim TuS Holzheim

Vom ziemlich ungläubigen „Das gibt's doch nicht“ bis hin zum verständnislosen „Was herrscht denn da seit Wochen für ein heilloses Durcheinander“ reichten die Reaktionen besorgter RLZ-Leser und Fans, die aus unserer Zeitung exklusiv von der Trennung des Handball-Landesligisten TuS Holzheim von Trainer Thomas Scherer erfuhren und sich in unserer Sportredaktion meldeten. Dass die Vereinsverantwortlichen aus Angst vor einem weiteren sportlichen Abrutschen nach einer unerwarteten Heimniederlage gegen einen unmittelbaren Konkurrenten die Reißleine ziehen, ist aus ihrer Sicht absolut nachvollziehbar. Über Zeitpunkt und Stil lässt sich jedoch streiten.

Trainer Scherer mag in dieser sportlich extrem komplizierten Situation gewiss nicht immer alles glücklich entschieden haben. Etwas mehr Rückendeckung für den Wiesbadener wäre im Abstiegskampf aber garantiert nicht die schlechteste Maßnahme gewesen. Oder man hätte sich schon eher trennen müssen, um die Diskussionen zu beenden und der offenbar nicht überwiegend zu ihrem viel verlangenden Trainer stehenden Mannschaft ein Alibi zu nehmen.

Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als nach einem klärenden Gespräch im Vorfeld des Kellerduells gegen Griedel Unstimmigkeiten zwischen Mannschaft und Übungsleiter ausgeräumt schienen, hält der Vorstand diesem das Stoppschild unter die Nase anstatt ihm in der schwierigen Phase stärkeren Rückhalt zu geben. Dass Spielausschuss-Mitglied Klaus-Dieter Steinmann am Montagmorgen die Brocken hingeschmissen hat und selbst der langjährige Betreuer Bernd Dietrich nun ebenfalls über einen persönlichen Rückzug nachdenkt, sind die nächsten Tiefpunkte der internen Querelen, die spätestens seit dem Rücktritt der Vereinsikone Gunter Ohl herrschen, der sich wegen einer E-Mail-Befragung der Spieler durch ein Vorstandsmitglied hintergangen fühlte und daraus seine persönliche Konsequenzen zog.

Der TuS Holzheim droht nachhaltigen Schaden zu nehmen. Dass unseren Informationen zufolge ein potenzieller Neuzugang bereits wegen der scheinbaren Unruhe im charmanten Dorfverein Abstand von einem angedachten Wechsel genommen hat, sollte zu denken geben. Als nächstes machen sich vielleicht langjährige Sponsoren so ihre Gedanken, ob sie bei der Stange bleiben. Am kommenden Montag steht die Jahreshauptversammlung des Vereins in der Holzheimer Ardeckhalle an. Da dürfte es ebenso erhitzte wie kontroverse Diskussionen über die aktuelle Lage des Vereins – auf und auch neben dem Spielfeld – geben. „Steht auf, wenn Ihr Holzheimer seid“, fordert Hallensprecher Alois Friedrich die Anhänger bei den nach wie vor überaus gut besuchten Spielen im Diezer Sportzentrum mitunter gerne zu lautstarker Unterstützung ihrer Mannschaft auf. Der 23. April könnte zum Schicksalstag des Traditionsvereins werden. Entweder raffen sich Mitglieder endlich auf und tragen tatkräftig mit einer konstruktiven Mitarbeit im Tagesgeschäft dazu bei, dass beim derzeit irgendwie gespalten wirkenden TuS wieder der Sport und auch die Einigkeit im Mittelpunkt stehen.

Die traurige Alternative ist, dass es so weiter läuft wie bisher, mehr über- als miteinander gesprochen wird – und der Verein, dessen Aushängeschild längst nicht aus der Landesliga abgestiegen ist, in der sportlichen Bedeutungslosigkeit verschwindet. Ich persönlich würde es außerordentlich bedauern.

TuS Holzheim
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