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    TuS Koblenz strebt nach höheren Pokal-Ehren

    Nach der 0:1-Heimniederlage gegen den SC Freiburg II beendet die TuS Koblenz eine weitgehend unerfreuliche Hinrunde in der Fußball-Regionalliga auf dem vorletzten Tabellenplatz. Elf eigene Tore reichten lediglich für magere zwölf Punkte. Bevor in knapp zwei Wochen die Rückrunde mit der Heimpartie gegen den FC Astoria-Walldorf beginnt, bietet sich dem Team von Trainer Evangelos Nessos am Mittwoch die Chance, noch einmal einen positiven Akzent zu setzen.

    Nach vorne stark, in der Defensive fehlerhaft: Beim 0:1 gegen den SC Freiburg II ist Linksfuß Samir Benamar (links) bei TuS-Trainer Evangelos Nessos vorerst in Ungnade gefallen, nicht nur wegen des von ihm verschuldeten Elfmeters, der zum Siegtor der Gäste führte.  Foto: Wolfgang Heil
    Nach vorne stark, in der Defensive fehlerhaft: Beim 0:1 gegen den SC Freiburg II ist Linksfuß Samir Benamar (links) bei TuS-Trainer Evangelos Nessos vorerst in Ungnade gefallen, nicht nur wegen des von ihm verschuldeten Elfmeters, der zum Siegtor der Gäste führte.
    Foto: Wolfgang Heil

    Mit einem Achtelfinalsieg beim Rheinlandliga-Spitzenreiter FC Karbach (Anstoß: 19.30 Uhr auf dem Rasenplatz in Emmelshausen) kann die TuS das Viertelfinale des Rheinlandpokals erreichen und die Chance erhalten, erstmals seit 2006 den Pott zu gewinnen und auf ein "großes", sprich: finanziell und sportlich attraktives Los in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals zu hoffen.

    TuS-Präsident Werner Hecker verdeutlicht die Bedeutung, die dieser Wettbewerb für seinen Verein hat: "Wir müssen den Pokal nicht gewinnen, wir wollen es aber unbedingt, vor allem aus finanziellen Gründen." Alle Teilnehmer der ersten Hauptrunde erhalten eine sechsstellige Euro-Summe vom Fernsehen, dazu kommen die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern, die dem wirtschaftlich nach wie vor kränkelnden Klub je nach Gegner ebenfalls ein anständiges Sümmchen in die Kasse spülen können.

    Darüber hinaus bietet das Spiel bei der "TuS-Filiale" in Karbach, wo etliche Ex-Koblenzer wie Enrico Köppen, Thomas Klasen, Nenad Lazarevic und Stefan Haben die Fußballschuhe schnüren, der angeschlagenen TuS eine Chance zur kleinen Wiedergutmachung für jüngste Enttäuschungen. "Die Mannschaft kann sich im Pokal für die vor allem im ersten Durchgang schwache Leistung vom vergangenen Sonntag rehabilitieren", sagt Hecker, der beim 0:1 gegen Freiburg mit knapp 900 Fans auf der Oberwerth-Tribüne gelitten hat.

    Nach der Partie sorgte TuS-Trainer Evangelos Nessos für Aufsehen, als er in der Pressekonferenz seine Spieler Kevin Steuke und Samir Benamar namentlich für taktisches Fehlverhalten kritisierte, nachdem er beide frühzeitig ausgewechselt hatte. Auch am Tag danach steht Nessos zu seinen öffentlichen Äußerungen: "Das ist sonst nicht meine Art, normalerweise halte ich die Hand über meine Mannschaft. Aber bei diesen Spielern haben wir schon alles versucht, Zuckerbrot und Peitsche oder einfach mal ein paar Tage in Ruhe lassen, aber das hat alles nichts genützt. Ich will niemand an den Pranger stellen oder zum Sündebock machen, aber taktische Absprachen müssen eingehalten werden. Fallrückzieher oder Hackentricks sind schöne Dinge, die man mit dem Ball anstellen kann, aber die Basis unseres Spiels ist gegen den Ball. Jungs, die kicken können, gibt es viele. Ich brauche Männer auf dem Platz, die mit Disziplin und Teamgeist etwas erreichen wollen." Ob Steuke und Benamar in Karbach zum TuS-Aufgebot gehören, lässt der Trainer noch offen: "Das entscheide ich am Dienstag nach dem Training. Alles ist möglich, jeder kann sich empfehlen, aber speziell diese Jungs müssen erst mal in Vorleistung treten."

    Mit welchem Personal auch immer, der TuS steht im Hunsrück ein schwerer Gang bevor. Die Karbacher versuchen seit etlichen Jahren, dem Vernehmen nach unter Einsatz nicht unbeträchtlicher finanzieller Mittel, der Rheinlandliga nach oben zu entkommen und scheinen derzeit als Tabellenführer auf einem guten Weg, ihr Aufstiegsziel endlich zu erreichen. "Das ist eine Topmannschaft", weiß Nessos aus eigener Anschauung, "sie sind stabil und solide und stehen zu Recht ganz oben. An Erfahrung sind sie uns mit ihrem gut bestückten Kader gewiss nicht unterlegen. Aber auch wenn bei uns derzeit nicht viel läuft, so sind wir doch der Regionalligist, und das wollen wir am Mittwoch zeigen."

    Für die Karbacher ist die Partie gegen den Traditionsverein natürlich auch eine Prestigesache. Das dürfte vor allem für Enrico Köppen gelten. Der torgefährliche Stürmer war im März dieses Jahres von Evangelos Nessos aussortiert worden, als er gerade auf dem Sprung schien, von der zweiten in die erste Mannschaft der TuS aufzurücken. Doch bei Nessos machte sich der 20-Jährige unbeliebt, angeblich, weil er unentschuldigt im Training fehlte. Der TuS-Coach strich den bulligen Stürmer aus seinem Kader, Köppen wechselte zum 1. FC Nürnberg, wo er die ersten drei Saisonspiele für die Regionalliga-Reserve des Zweitligisten bestritt.

    Doch das Heimweh trieb ihn nach nur einem Monat wieder zurück in die Heimat, pünktlich zum ersten Spieltag stand er für den FCK auf dem Platz und hat inzwischen drei Tore für seinen neuen Klub erzielt. "Ich habe nichts persönlich gegen ihn", beteuert Nessos, "Köppi ist ein guter Junge und ein Riesentalent. Aber Talent allein reicht halt nicht." So fällt es dem Trainer auch nicht ein, sich den Ex-Koblenzer in seine eigene Mannschaft zurückzuwünschen: "Ich würde mir wünschen, dass Montabell, Göderz und Stahl für uns spielen können, aber die sind leider alle verletzt."

    Dennoch darf man vermuten, dass Köppen gegen den Verein und den Trainer, die ihn verschmäht haben, besonders motiviert ist. Ob es ihm sogar gelingen könnte, Evangelos Nessos aus dem Job zu schießen? Das ist auch bei einem Karbacher Sieg eher unwahrscheinlich, wie TuS-Präsident Werner Hecker beteuert: "Bei uns gibt es keine Trainerdiskussion. Wir wissen und beobachten, wie extrem sorgfältig Vangi arbeitet, und wir sind überzeugt, dass er den Hebel umlegen kann."

    Außerdem kann sich die TuS einen Trainerwechsel nach wie vor nicht leisten: "Eine solche Lösung ginge über unsere bisherige Finanzplanung weit hinaus", sagt Hecker. Das mag etwas umständlich formuliert sein, ist aber unmissverständlich.

    Von unserem Redakteur

    Stefan Kieffer

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