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Idar-Oberstein

André Petry befeuert Karbacher Matchplan: SC Idar-Oberstein verliert 1:2

Sascha Nicolay

Eine Blaupause, wie man sich sich selbst schlägt, lieferte der SC Idar-Oberstein bei seiner 1:2-Heimniederlage in der Fußball-Oberliga gegen den FC Karbach. 1:0 in Führung liegend, holte sich der SC wegen einer Tätlichkeit die Gelb-Rote Karte ab, um sich dann in Unterzahl ein richtiges und in der Nachspielzeit ein Quasi-Eigentor zu schießen. „Dass wir hier als Verlierer vom Platz gegangen sind, ist ein Witz fand SC-Trainer Murat Yasar. „Ich finde, wir haben nicht unverdient gewonnen“, hielt Thomas Wunderlich, der Co-Trainer des FC Karbach dagegen, und FC-Coach Torsten Schmidt meinte sogar: „Unser Matchplan ist letztlich aufgegangen.“ Die Übungsleiter beider Mannschaften lagen in ihren Einschätzungen also maximal auseinander. Trotzdem hatten sowohl Yasar als auch Schmidt nicht unrecht.

Defensiver Karbacher Matchplan

Bei dieser Aktion verletzte sich Christoph Schunck (Mitte). Karbachs Torwart Florian Bauer (rechts André Marx) erwischte den SC-Innenverteidiger so unabsichtlich wie unglücklich, dass Schunck zur Pause raus musste.  Foto: Hähn
Bei dieser Aktion verletzte sich Christoph Schunck (Mitte). Karbachs Torwart Florian Bauer (rechts André Marx) erwischte den SC-Innenverteidiger so unabsichtlich wie unglücklich, dass Schunck zur Pause raus musste.
Foto: Hähn

Die Strategie des FC Karbach im Haag sah vor, kompakt und tief zu stehen, die Außen des SC sowie Angreifer Justus Klein aus dem Spiel zu nehmen und mit Umschaltaktionen gefährlich zu werden. „Niemand kann uns verdenken, dass wir nach den Niederlagen in Trier und gegen Koblenz so aufgetreten sind und mal nicht selbst das Spiel machen wollten“, erklärte Schmidt. Keine Frage, der defensive Teil des Plans ging auf. „Wir hatten eigentlich nie das Gefühl, dass uns der Gegner in Schwierigkeiten bringen könnte“, sagte Wunderlich. Offensiv fand Karbach allerdings bis zur 80. Minute nicht statt, auch wenn Schmidt einige gut angelegte Umschaltaktionen seines Teams lobte. Ernsthaft Gefahr brachte aber zunächst nur eine, als Tobias Jakobs nach einer halben Stunde in den Strafraum eindrang, aber von SC-Innenverteidiger Paulo de Souza im letzten Moment fast an der Fünfmeterlinie herausragend verteidigt wurde (30.).

Die Taktik von Karbach zwang den SC Idar-Oberstein dazu, das Spiel zu machen. Und Yasar war zufrieden mit der Art und Weise, wie sein Team das tat. „Es ist nicht leicht, Lösungen zu finden, wenn immer elf Mann des Gegners hinter dem Ball sind“, befand der SC-Trainer und lobte „die gute Mischung aus Geduld und Angriffspower“, mit der sein Team den Karbachern begegnete. Für die lediglich 285 Besucher war das Zuschauen aber eher anstrengend denn kurzweilig. Die Partie war nämlich fraglos intensiv, mit einigen rassigen Zweikämpfen im Mittelfeld, aber sie bot lange praktisch keine richtigen Torchancen. Der schon beschriebenen Karbacher Umschaltaktion in Minute 30 setzte der SC eine gefährliche Dreier-Eckballserie von Justus Klein (19.) und zwei sehr schöne Angriffe über die linke Seite entgegen (39./51.), die allerdings wirkungslos verpufften.

Ruppenthal eröffnet das Spektakel

Spektakulär wurde das Spiel ab der 71. Minute, als der SC Idar-Oberstein in Führung ging. Klein, der bis dahin einen ganz schweren Stand gegen Marc Beck und André Marx in der Karbacher Innenverteidigung hatte, drehte sich nach einem Einwurf von André Petry an der Strafraumkante um Marx und schlenzte die Kugel an den Pfosten. Von dort sprang der Ball Felix Ruppenthal vor die Füße, der flach zum 1:0 einschoss. Die SC-Strategie der kontrollierten Offensive schien zu fruchten, die Yasar-Mannschaft auf dem Weg zum zweiten Dreier in Folge zu sein.

Dass am Ende Karbachs Coach Schmidt sagen konnte, sein Matchplan sei aufgegangen, hatte viel mit André Petry zu tun. Der rechte Außenverteidiger des SC wurde zum Planbeschleuniger. „Das war eine Riesendummheit“, schimpfte Yasar. Was war passiert? Karbachs Marx hatte Klein rustikal zu Boden gebracht und Schiedsrichter Julian Marx vom TV Merchweiler sofort gepfiffen. Die Gestik des Referees ließ auch keinen Zweifel, dass er seinen Namensvetter im FCK-Trikot mit Gelb bestrafen würde. Petry sah das alles nicht mehr. Er war in Rage. „Justus hat das ganze Spiel in die Beine getreten gekriegt, das hat mich so geärgert“, sagte der SC-Verteidiger später. Petry, der schon verwarnt war, sprintete also quer über den Platz, stieß Marx in einem Akt von Selbstjustiz zu Boden (73.) und kassierte die Gelb-Rote Karte. „Ich habe ihn gestoßen, wie fest, das sei jetzt mal dahingestellt, aber das war natürlich blöd und darf nicht passieren“, erklärte er hinterher und schob zerknirscht nach: „Das Ding geht auf meine Kappe.“ Petry meinte nicht nur das Foul, sondern hatte die Größe die ganze Niederlage auf sich zu nehmen.

Eigentor von Gedratis

Tatsächlich kippte das Spiel nun. Zweifellos wegen der Roten Karte, aber noch mehr deshalb, weil Karbach die Überzahl zu nutzen verstand. „Wir haben es konsequent breit gemacht und waren ja nicht zufällig über links gefährlich“, sagte Schmidt, der zudem offensiv gewechselt und Dominik Kunz gebracht hatte. Wirklich nutzte Karbach taktisch klug die Lücke, die Petrys Platzverweis riss und griff meistens über links an. In der 79. Minute war dann eigentlich schon der Ausgleich fällig. Johannes Göderz kam nach einer Linksflanke von Tim Puttkammer aus fünf Metern zum Kopfball, aber SC-Torwart Andreas Forster verhinderte das 1:1 mit einer sensationellen Fußabwehr. Nur zwei Minuten später hatte Forster aber keine Chance mehr.

Marius Gedratis bezwang seinen eigenen Keeper. Wieder hatte Karbach über links angegriffen. Göderz legte die Kugel fast von der Torauslinie in den Strafraum zurück, und für den SC nahm das Unheil Gestalt an. „Ich war im vollen Lauf und mir ist der Ball genau bei einem Schritt in die Füße gesprungen“, erzählte Gedratis traurig, wie sein Fauxpas zustande kam. Der in der Pause für den verletzt ausgeschiedenen Christoph Schunck eingewechselte Neuzugang traf die Kugel jedenfalls so unglücklich, dass sie flach und unhaltbar ins Netz zischte (79.). Das erste Karbacher Tor nach 392 Minuten Flaute hatte also zwar ein Gegner geschossen, aber es stand 1:1. „Dabei hätte es da schon 2:0 heißen müssen“, ärgerte sich Yasar später und hatte recht. Zwischen Forsters Superparade und dem Eigentor von Gedratis hatten nämlich André Thom und Johannes Gemmel eine riesige SC-Chance herausgespielt, die ausgerechnet Alex versemmelte. Überraschend feierte der Brasilianer nämlich nach wochenlanger Leidenszeit sein Comeback und hätte es nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung krönen können, schoss aber Gemmels Querpass vorbei (80.). Statt das 2:0 zu erzielen, kassierte der SC so das 1:1. Und es sollte noch schlimmer kommen.

In der Nachspielzeit flankte Puttkammer wieder von links. Eigentlich flog der Ball zu weit, aber David Eberhardt hielt das Spielgerät mit Einsatz noch im Feld. Allerdings war sein gegrätschter Querpass an den kurzen Pfosten nun wirklich nicht gefährlich. Torwart Forster war auch zur Stelle und wollte den Ball unter sich begraben. Doch das ging schief. Forster verlor die Kugel aus den Händen, und Linus Peuter staubte zum Karbacher Sieg ab (90.+1). Der SC hatte sich endgültig selbst geschlagen. „Wir sind letztlich selber schuld“, sagte auch Yasar und betonte: „Ich glaube nicht, dass Karbach ohne den Platzverweis gegen uns ein Tor schießt.“

Ungerechter Fußball

Angesichts der Ereignisse bis dahin, ist das eine nachvollziehbare Sichtweise des SC-Coaches. Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass die Idarer Führung just zu einem Zeitpunkt fiel, als dem SC etwas die Luft auszugehen schien, denn etwa ab der 60. Minute war Karbach aktiver geworden und hatte dabei den frischeren Eindruck gemacht. Insofern durfte auch Schmidt nicht zu Unrecht einen gelungenen Matchplan für sich reklamieren. Die Wahrheit über diese Partie arbeitete allerdings sein Co-Trainer Thomas Wunderlich heraus. Der schloss seine Ausführungen nämlich mit dem Satz: „Fußball ist nicht immer fair, nicht immer gerecht.“ So war es – Matchpläne hin oder her – zu verlieren hatte der SC Idar-Oberstein tatsächlich genauso wenig verdient wie der FC Karbach zu gewinnen. Dafür hatten die Gäste lange zu wenig getan.

Von unserem Redakteur Sascha Nicolay
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