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Betzdorf

SG 06 Betzdorf: Die Tradition der Kurzlebigkeit

Die SG 06 Betzdorf ist seit Jahren sehnsüchtig auf der Suche nach Kontinuität. 13 Trainer bei der A- und B-Jugend seit Sommer 2014 sprechen eine klare Sprache. Nach der jüngsten Flut an Rücktritten ist aber zumindest ein wichtiger Posten wieder besetzt.

Betzdorf. Die Vereinshomepage der SG 06 Betzdorf kommt in diesen Wochen auf den ersten Blick wie eine Stellenbörse daher. Man muss schon etwas suchen, um Beiträge über sportliche Belange zu finden. Es wird auf den ersten Blick deutlich: Akute Personalsorgen plagen die Grün-Weißen – nicht nur auf, sondern auch neben dem Spielfeld. „Kassierer für die Heimspiele der ersten Mannschaft“, jemand mit „buchhalterischen Kenntnissen“ und nicht zuletzt „Helfer und Betreuer für die A- und B-Jugend“, es fehlt auf dem Bühl an allen Fronten. Der jüngste Rücktritt von A-Jugend-Trainer Alfonso Corces sowie die angekündigten Abschiede von Abteilungsleiter Detlef Weber und Rheinlandliga-Co-Trainer Mounir Saida nach der Saison (die RZ berichtete) reihen sich in eine ellenlange Liste ein, deren Anblick einen zwangsläufig von einer Tradition der Kurzlebigkeit reden lässt.

Einen Rücktritt vom Rücktritt als Jugendleiter hat derweil Daniel Becker vollzogen. „Ich habe in einem langen, klärenden Gespräch mit unserem Vorsitzenden Stephan Berndt die Punkte, die zu meinem Rücktritt geführt haben, besprochen. Die aufgekommenen Meinungsverschiedenheiten wurden ausgeräumt, somit bin ich weiterhin im Amt und werde nun die aufgekommenen Probleme angehen und die Jugendarbeit bei der SG 06 Betzdorf hoffentlich zeitnah wieder in ruhige Gewässer führe. Dafür werde ich natürlich mehr Zeit als eine Woche benötigen“, sagt Becker.

Trainerwechsel am laufenden Band

In Betzdorf dreht sich das Personalkarussell so schnell, dass es einen in Schwindel versetzt. Im Seniorenbereich sind es insbesondere die Spieler, die sich nicht mit einem langfristigen Engagement bei der SG 06 anfreunden können, im Nachwuchs haben die Trainerposten eine rekordverdächtig kurze Halbwertszeit. Und das nicht erst seit gestern. In den vergangenen dreieinhalb Jahren führten mit Michael Weitz, Markus Meier, Bernd Dambmann, Stefan Hoffmann und Alfonso Corces nicht weniger als fünf Trainer die sportliche Regie beim ältesten Nachwuchs, Corces' Nachfolger, interimsweise amtiert derzeit Christian Puligheddu, ist bereits der sechste seit Sommer 2014. Ähnliche Ausmaße nimmt die Liste beim B-Nachwuchs an: Markus Meier, Torsten Neitzert, Christian Puligheddu, Bernd Dambmann, Achim Platte, Andreas Kempf, Andreas Hähner und jetzt Werner Heinrich, der bis Juni die D-Jugend trainierte, trugen beziehungsweise tragen in diesem Zeitraum die Verantwortung. Natürlich waren auch zum Beispiel attraktivere Offerten (Markus Meier bei den Sportfreunden Siegen) oder gesundheitliche Gründe (Torsten Neitzert) mit ursächlich für das stetige Kommen und Gehen, aber das fand seine Ursachen in den meisten Fällen in unterschiedlichen Auffassungen innerhalb des Vereins über die Herangehensweise an die Nachwuchsarbeit. Mit Amtszeiten von 15 beziehungsweise 22 Monaten zählen Platte und Hoffmann dabei zu den unangefochtenen Dauerbrennern.

Der im September ausgeschiedene Hoffmann, dessen Nachfolger Corces vor der Hallenkreismeisterschaft in Rennerod am ersten Februarwochenende das Handtuch geworfen hatte, beklagte seiner Zeit mangelnde Planbarkeit zu haben, weil A-Jugendspieler immer wieder in die erste Mannschaft aufrückten.

Eine Chance bei den notorisch dünn aufgestellten Senioren zu bekommen, ist für die Talente ein schöner Anreiz, aber eine nachhaltige, altersgerechte Förderung war nicht gegeben, sodass Zukunftshoffnungen wie Michel Grossert oder Niklas Platte den Weg zu anderen Vereinen suchten. Sie sahen auf dem Bühl keine Perspektive mehr auf zufriedenstellende Einsatzzeiten. Unter Corces habe sich der Trainingsbetrieb zuletzt im Beisein von lediglich vier, fünf Aktiven abgespielt. Und anderem das Ergebnis daraus, dass seit September fünf Spieler aufgehört haben und Philipp Weber zur von Marco Weller trainierten ersten Mannschaft hochgezogen wurde.

Realistisch oder rosarot?

Aber wie sehen die Perspektiven bei den 06ern aus? „Wie alle regionalen Vereine, müssen wir uns einigen Herausforderungen stellen. Doch ich denke, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Das wurde mir auch schon von vielen Fans bestätigt“, schrieb der Vereinsvorsitzender Stephan Berndt in seinem Weihnachtsgrußwort nieder. Realistisch oder rosarot? Es hatte in der Vergangenheit immer wieder vergleichbare Äußerungen gegeben. „Wenn wir den Nachwuchsbereich besser organisieren, bin ich guter Dinge, dass wir etwas auf die Beine stellen können. Gute Spieler mit dem entsprechenden Talent haben wir auf jeden Fall in Betzdorf“, gab Eddy Theis im November 2014 gegenüber der Rhein-Zeitung zu Protokoll, als er auf dem Bühl die Funktion des Jugendkoordinators übernehmen wollte. Jenes Amt, das er im Mai des Folgejahres schon wieder niederlegte, weil seine Vorstellungen mit denen des Vorstandes nicht korrespondierten. Und jenes Amt, dem sich im September 2015 dann Bernd Dambmann annahm, der ein halbes Jahr später auf postalischem Weg „ohne Angabe von Gründen“ von den SG-Entscheidungsträgern gekündigt bekam.

Drei Regionalliga-Mannschaften seien das Fernziel, hatte Kurzzeit-Jugendkoordinator Theis einst erklärt. Davon müssen sich die Sieg-Heller-Städter inzwischen längst verabschieden. Im Juni 2016 endete mit dem Abstieg der B-Jugend eine elfjährige Ära mit mindestens einer Betzdorfer Mannschaft in der zweithöchsten deutschen Jugendspielklasse. „Wir müssen wieder Kontinuität reinbekommen“, schloss Daniel Becker damals aus der sportlichen Enttäuschung. Es blieb beim Versuch und scheiterte bis dato auch daran, dass viele Aufgabengebiete undefiniert blieben und viele Rädchen nicht ineinandergriffen. So hätten diverse vielversprechende Jugendkonzepte bereits in der Schublade gelegen, es haperte jedoch an der Umsetzung.

Die sportliche Richtung zeigt seit einem halben Jahrzehnt bergab. Inzwischen ist mit der U 19 nur noch ein Team aus dem Betzdorfer Unterbau in der Rheinlandliga vertreten. B-, C- und D-Jugend dümpeln im grauen Bezirksliga-Mittelfeld herum. Und dabei kann den Spielern selbst angesichts des munteren Bäumchen-wechsel-dich-Spiels noch nicht einmal ein Vorwurf gemacht werden. Sie sind das letzte Glied einer Kette voller Missverständnisse und konträrer Auffassungen, auch die bescheidene Platzsituation auf dem Bühl, unter der das Training massiv leidet, ist ausschlaggebend für den einen oder anderen Wechsel zu einem anderen Verein. Die Betzdorfer Stellenbörse bleibt geöffnet – sowohl auf als auch neben dem Spielfeld...

Von unserem Mitarbeiter René Weiss

Die Trainer seit Sommer 2014

A-Jugend: Michael Weitz (Juli 2014 - November 2014), Markus Meier (November 2014 - Januar 2015), Bernd Dambmann (Januar 2015 - November 2015), Stefan Hoffmann (November 2015 - September 2017), Alfonso Corces (September 2017 - Februar 2018).

B-Jugend: Markus Meier (Juli 2014 - Mai 2015), Torsten Neitzert (Juni 2015 - November 2015), Christian Puligheddu (Dezember 2015), Bernd Dambmann (Dezember 2015 - März 2016), Achim Platte (März 2016 - Juni 2017), Andreas Kempf (August 2017 - Oktober 2017), Andreas Hähner (Oktober 2017 - November 2017), Werner Heinrich (seit Dezember 2017).

SG 06 Betzdorf
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