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Hat Mehmet Scholl recht? Jugendtrainer aus Meisenheim und dem Hunsrück ordnen die Provokationen ein

Keine Individualisten, nur systemtreue Mitläufer, der deutsche Fußball geht auf schwierige Zeiten zu: Was der ehemalige Nationalspieler Mehmet Scholl sinngemäß an Kritik vom Stapel gelassen hat, sorgt immer noch für viel Aufsehen.

Bringt der deutsche Fußball weniger Individualisten hervor? Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl vertritt diese Meinung.
Bringt der deutsche Fußball weniger Individualisten hervor? Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl vertritt diese Meinung.
Foto: dpa

„Wir verlieren die Basis. Die Kinder müssen abspielen, sie dürfen sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren. Sie bekommen auch nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass oder ein Dribbling nicht gelingt. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen“, hatte Scholl gepoltert. Er sprach mit seinen Provokationen in erster Linie die Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten an, in denen Talente über Jahre ausgebildet werden, um am Ende vielleicht eine Karriere als Profi starten zu können. Aber auch die Trainer, die eine Stufe tiefer arbeiten, in der A-Junioren-Regionalliga, durften sich angesprochen fühlen, schließlich versuchen auch sie, ihre Spieler professionell auf die Laufbahn als Aktiver vorzubereiten, wenngleich mit geringeren Möglichkeiten und in den meisten Fällen auch nicht mit dem Blick auf den Profibereich. Also: Wie stehen die Übungsleiter an der Basis zu den Aussagen des Ex-Bayern-Profis? Hat Mehmet Scholl recht?

Bilgili will fördern und fordern

Marc Bilgili, Trainer der A-Junioren der JSG Meisenheim/Desloch/Jeckenbach, die in der Regionalliga Platz elf belegen, widerspricht Scholl nicht komplett. „Ein Stück weit hat er recht. Einen Zehner, wie es ihn früher gab, mit allen Freiheiten, den wird es nicht mehr geben.“ Individualisten müssen sich laut Bilgili anpassen. „Fördern und fordern“, so lautet das Credo des 43-Jährigen im Bezug auf die Arbeit mit technisch versierten Spielern, die den Unterschied ausmachen können, aber nicht vergessen dürfen, dass Erfolge im Fußball nur über die mannschaftliche Leistung erzielt werden können. „Es geht auf diesem Niveau um Zahlenverhältnisse. Überzahl, Unterzahl, Gleichzahl. Wie schaffe ich es, Überzahl herzustellen in einem bestimmten Bereich. Und wenn das gelingt, muss ich versuchen, die Individualisten einzubauen“, erläutert Bilgili. Der Trainer der JSG sieht es gerne, wenn seine Spieler das Eins-gegen-eins suchen. „Ich sage immer mal wieder: ,Mach doch mal was Verrücktes!‘“, verrät Bilgili. „Übersteiger will ich aber nur sehen, wenn sie Sinn ergeben. Im Mittelfeld brauche ich sie nicht. Wie viel Raumgewinn habe ich, wenn ich da einen Mann stehen lasse? Vielleicht fünf Meter. Gleichzeitig besteht die Gefahr, den Ball zu verlieren, und das wird sofort bestraft. Übersteiger sollen sich die Spieler für den torgefährlichen Raum aufheben, dort machen diese Aktionen Sinn.“

Bei der U19 der JSG Meisenheim/Desloch/Jeckenbach, die eine Stufe unter den U19-Bundesligisten aktiv ist, dürfen Nachwuchsfußballer noch ins Dribbling gehen, so wie in dieser Situation Malik Yerima gegen den damaligen Binger Stefan Luge (links), der mittlerweile bei der SG Eintracht Bad Kreuznach spielt.
Bei der U19 der JSG Meisenheim/Desloch/Jeckenbach, die eine Stufe unter den U19-Bundesligisten aktiv ist, dürfen Nachwuchsfußballer noch ins Dribbling gehen, so wie in dieser Situation Malik Yerima gegen den damaligen Binger Stefan Luge (links), der mittlerweile bei der SG Eintracht Bad Kreuznach spielt.
Foto: Klaus Castor

Was die taktische Ausbildung der Spieler betrifft, sieht Bilgili keine Grundlage für einen Vergleich mit den Teams aus den Nachwuchsleistungszentren, deren U19-Mannschaften in der Bundesliga spielen und damit nur eine Klasse über den Meisenheimern, aber dennoch andere Möglichkeiten haben. „Wir würden unsere Spieler überfrachten, wenn wir versuchen würden, ihnen mehrere taktische Systeme gleichzeitig beizubringen. Wir müssen in viel weniger Einheiten alle Dinge unterbringen, an denen in den Nachwuchsleistungszentren schwerpunktmäßig über einen längeren Zeitraum gearbeitet werden kann. Wir holen aus unseren Möglichkeiten aber viel raus. Der FC Homburg hat bei seiner U19 einen Athletiktrainer und einen Physiotherapeuten dabei und steht nur drei Zähler vor uns.“

Wunderlich lobt Individualisten

In einer ähnlichen Situation wie Bilgili befindet sich Thomas Wunderlich, Trainer des JFV Rhein-Hunsrück, der in der A-Junioren-Regionalliga aktuell auf dem vorletzten Platz steht. „Wir trainieren viermal die Woche, in den Leistungszentren in Hoffenheim, Köln, Bochum, München oder wo sie alle stehen, sind es sechs bis sieben Trainingstage“, verdeutlicht der Langenlonsheimer. Der ehemalige Trainer des Verbandsligisten SG Eintracht Bad Kreuznach legt in seinen Trainingsplan immer wieder Einheiten, die die Schwerpunkte Athletiktraining oder Taktikschulung beinhalten: „Letztlich geht es aber darum, die Spieler so zu fördern, dass sie mit Begeisterung und mutig Fußball spielen.“

Gerade in Sachen Athletiktraining würde er sich mehr Spielraum wünschen, „denn der Fußball ist nicht besser geworden, aber viel athletischer. Die Spieler müssen auf den ersten Metern schneller sein, und sie müssen das Kurzpassspiel auf engstem Raum fast schon bis zur Perfektion trainieren.“ Der JFV, ein Zusammenschluss vieler Vereine, biete laut Thomas Wunderlich aber ideale Voraussetzungen für die Entwicklung der Talente: „Dabei wird die Jugendarbeit dahin gehend gelebt, dass die Spieler schon nahe dran sind an den Aktiventeams. Christoph Gerhartz und Linus Peuter, die als U19-Spieler für den FC Karbach schon in der Oberliga aufgelaufen sind, sind dafür gute Beispiele. Ich kann Mehmet Scholl in einem Punkt daher widersprechen. Bei uns ist das Gegenteil der Fall. Wir haben für unseren Bereich starke Individualisten.“ Christoph Erbelding

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