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Westerwald

Gewalt bei Jugendspiel: Regel oder Einzelfall? Ausraster eines 14-Jährigen nach einer Roten Karte erschüttert Beobachter

Marco Rosbach

Gewalt auf dem Fußballplatz ist kein neues Übel, das weiß Dietmar Noll. Als langjähriger Schiedsrichter im Kreis Westerwald/Wied musste er einschlägige Erfahrungen machen, auf die er sicher gerne verzichtet hätte. Doch für Noll war es nie ein Thema, sich aus dem Fußball zurückzuziehen – im Gegenteil. Statt zu resignieren, versucht er sich einzubringen. Etwa als Patenschiedsrichter für junge Unparteiische, die oft nicht älter sind als diejenigen, die als Fußballer auf dem Platz stehen. Als erfahrener Begleiter hat Noll jetzt eine Situation erlebt, wie er sie nicht kannte. „Alle Eltern, Zuschauer und auch neutrale Beobachter wirkten ob des Vorganges wie geschockt“, berichtet er.

Erst Rot gesehen, dann Rot gesehen: Nach einem Jugendspiel kam es im Kreis Westerwald/Wied zu schlimmen Szenen.
Erst Rot gesehen, dann Rot gesehen: Nach einem Jugendspiel kam es im Kreis Westerwald/Wied zu schlimmen Szenen.
Foto: dpa

Was war passiert? Bei einem C-Jugendspiel im Kreis Westerwald/ Wied stand der erfahrene Niedererbacher einem 14-jährigen Jungschiedsrichter zum zweiten Mal als Pate zur Seite. Gegen Ende der Partie und nach dem Spiel beobachtete Noll Szenen, die er so beschreibt: „In der 69. Minute stieß ein Spieler, ebenfalls 14 Jahre alt, seinen Gegenspieler mit zwei Händen so heftig vor die Brust, dass dieser nach hinten umfiel. Der Schiedsrichter befand sich unmittelbar daneben und stellte daraufhin den Verursacher vom Platz. Dieser musste allerdings von seinem Trainer und dem Betreuer nachdrücklich aufgefordert werden, den Platz zu verlassen. Kurze Zeit später war das Spiel zu Ende und die Spieler, Trainer und Betreuer beider Mannschaften versammelten sich in der Platzmitte, um sich zu verabschieden. Jetzt rannte der vorher des Feldes verwiesene Spieler auf den Platz und schlug aus vollem Lauf dem Spieler, den er schon vorher umgestoßen hatte, mit der Faust von hinten gegen den Kopf.“

Ohnmächtig zu Boden gefallen

Dieser sei ohnmächtig nach vorne zu Boden gefallen und hätte längere Zeit behandelt werden müssen. Der Spieler der Gastmannschaft sei aus dem dem Pulk, der entstand, abgedrängt worden, damit sich sein gesamtes Team auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes versammeln konnte.

Nicht nur Außenstehende seien geschockt gewesen, „ebenso der Jungschiedsrichter, den ich daraufhin vom Platz führte und in die Kabine brachte, wo wir im Gespräch das Erlebte aufarbeiteten, wobei auch seine Mutter zugegen war“, berichtet Noll, der meint, dass der junge Unparteiische alles im Griff hatte und souverän das Spiel beendete. „Die Attacke nach Spielende konnte er allerdings auch nicht verhindern, zumal der Angreifer wesentlich mehr an Körperfülle aufwies“, so der Niedererbacher. „Verwunderlich ist der Vorgang aber auch nicht, wenn ein Dialog zwischen dem Trainer und einem Spieler circa zehn Minuten vorher mit der Aussage des Spielers endete: ,Halt einfach die Fresse!'“ Von dem Trainer sei keinerlei Reaktion gekommen. „Es kann jeder Sportsfreund sich jetzt seine Gedanken machen“, so Noll.

Die Frage, die sich stellt: Ist das ein erschreckender Einzelfall oder bei Spielen in den Jugendklassen schon Alltag? So weit will Volker Oppenkowski, Jugendleiter im Kreis Westerwald/Wied, nicht gehen, wenngleich er betont, dass man sich gerade bei der Jugend vielfach „auf einem schmalen Grat“ bewege. „Die Gründe, warum es zu Problemen kommt, sind aber vielfältig“, sagt der Funktionär.

Sorgen macht zuallererst, dass die Zahl der Schiedsrichter immer geringer wird. „Wir müssen aufpassen, dass wir diejenigen, die sich dafür entscheiden, Spiele zu leiten, durch solche oder ähnliche Vorfälle nicht direkt wieder vergraulen“, sagt Oppenkowski.

Die wichtigste Maßnahme sei, „die Eltern zu impfen“. Jedem, der am Rand steht, müsse klar sein, dass es sich letztlich nur um ein Fußballspiel handele. „Wenn sich das jeder bewusst macht, ist uns schon viel geholfen.“ Das nächste Problem seien Spiele im unteren Jugendbereich, die von Trainern oder Betreuern einer Mannschaft gepfiffen werden. „Da steckt auch Konfliktpotenzial drin, wenn zu sehr zugunsten der eigenen Mannschaft entschieden wird.“

Vereine sollen Verhalten vorleben

Der entscheidende Punkt ist für Oppenkowski aber, dass Respekt voreinander gezeigt wird. „Das muss im Verein anfangen und von Trainern genauso vorgelebt werden wie von den Eltern“, sagt der Jugendleiter. „Wenn der Respekt fehlt, dann haben ganz junge Trainer oder auch junge Schiedsrichter doch keine Chance.“

Den konkreten Fall bei einem C-Jugend-Spiel in seinem Kreis sieht Oppenkowski als einen der „Ausreißer, die es aber gibt“. Von ein, zwei Fällen pro Saison spricht er. „Man muss darauf vertrauen, dass die Spruchkammer entsprechend hart durchgreift, um zu zeigen, dass es so nicht geht.“ Im nächsten Schritt sei es wichtig, dass auch der Verband Spielern, die in dieser Form auffällig geworden sind, klar mache, dass dies nicht hingenommen werde. „Es gibt entsprechende Schulungen, in denen ganze Mannschaften lernen, wie man miteinander umgeht. Und es gibt auch Fälle, in denen die Spieler selbst zu Aufgaben verdonnert werden.“

Ziel all dieser Bemühungen sei, den Kindern den Spaß am Fußball zu erhalten. „Gerade die Jungs wollen sich orientieren und entscheiden sich aus einem vielfältigen Angebot für den Fußball“, sagt Oppenkowski. „Doch wenn sie einen solchen Vorfall erleben, dann sind sie einfach nur entsetzt und denken sich vielleicht, dass sie doch lieber etwas anderes machen.“ Und das könne sich der Fußball nicht erlauben. Denn je weiter es nach oben geht, desto kleiner wird schon jetzt die Zahl der Mannschaften. In der B-Jugend gab es im Kreis Westerwald/Wied zu Saisonbeginn noch 18 Mannschaften. „Jetzt sind wir bei 13“, sagt Oppenkowski. Für die Kreisklasse blieben durch den Schwund nur noch drei Teams übrig, die aus der Not heraus zur Rückrunde am Spielbetrieb des Nachbarkreises Koblenz teilnehmen werden. „Das ist doch Wahnsinn“, findet der Jugendleiter, der einen Großteil seiner Freizeit damit verbringt, solche organisatorischen Probleme zu lösen. Fälle wie der von Patenschiedsrichter Dietmar Noll beschriebene, helfen nicht dabei, dass sich daran etwas ändert.

Von unserem Redakteur Marco Rosbach
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