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    K.o. in Runde zwei – Seidel holt EM-Gürtel

    Bis zu seinem 35. Geburtstag wollte er einen großen Titel gewinnen. Timo Seidel hat seinen persönlichen Zeitplan eingehalten: Mit 33 Lenzen wurde der Bad Kreuznacher nun Europameister. Der Thaibox-Profi sicherte sich den AFSO-Titel im Full Muay Thai bis 79 Kilogramm bei einer großen Kampfgala in Gelnhausen.

    Da ist der EM-Gürtel: Der Bad Kreuznacher Timo Seidel zeigt stolz das gute Stück, das er sich beim Titelkampf im Rahmen einer Thaibox-Gala in Gelnhausen gesichert hat.  Foto: Olaf Paare
    Da ist der EM-Gürtel: Der Bad Kreuznacher Timo Seidel zeigt stolz das gute Stück, das er sich beim Titelkampf im Rahmen einer Thaibox-Gala in Gelnhausen gesichert hat.
    Foto: Olaf Paare

    „Die Stimmung und die Bedingungen in Gelnhausen waren erstklassig. Es wurden fünf internationale Titelkämpfe auf hohem Niveau angeboten, dazu noch viele weitere Kämpfe“, erzählt Seidel. Sein Duell mit Ali Haidari aus Regensburg war zweifelsohne einer der Höhepunkte.

    Zu seiner EM-Chance war Seidel allerdings völlig überraschend gekommen. Ein in Gelnhausen angesetzter Kämpfer um den vakanten EM-Titel fiel kurzfristig aus. Da Seidel in der Rangliste weit oben steht, sprach ihn der Veranstalter an. „Nur zwei Wochen Vorbereitung, das reicht eigentlich nicht aus. Da ich aber vorher bereits mindestens einmal pro Tag trainiert hatte und ein EM-Kampf eine tolle Sache ist, habe ich doch zugesagt“, erläutert der Bad Kreuznacher. Der geplante Kontrahent, immerhin Deutscher Meister, machte jedoch einen Rückzieher, wollte nicht gegen Seidel ran, sodass Haidari, der ebenfalls genügend Punkte in der Rangliste gesammelt hatte, ins Spiel kam. „Wir hatten vorher noch nie gegeneinander gekämpft. Er ist aber in Bayern eine Größe“, sagt Seidel und drückt den Respekt vor dem Kontrahenten aus.

    Deshalb wollte er den auf fünf Runden à drei Minuten angesetzten Kampf auch etwas ruhiger angehen – erst mal zwei Runden abtasten und dann Gas geben. „Doch Ali hat das völlig anders gesehen. Er hat von der ersten Sekunde an attackiert“, analysiert Seidel. Er war zunächst überrascht, musste sich umstellen und reagieren. Auch zu Beginn der zweiten Runde stürmte Haidari sofort drauflos. „Ich habe dann aber eine Lücke entdeckt und ihm den Ellenbogen an den Kopf geschlagen“, berichtet der 33-Jährige. Sein Regensburger Kontrahent erlitt dabei eine schwere Risswunde an der Stirn und wurde aus dem Kampf genommen – K.o-Sieg in der zweiten Runde somit für den Bad Kreuznacher. Bei den 15 Fans, die von der Nahe mit nach Gelnhausen gefahren waren, um Seidel zu unterstützen, brandete großer Jubel auf.

    „Wir haben später aus dem Krankenhaus erfahren, dass die Wunde von Ali so tief war, dass sie bis auf die Schädeldecke runter ging“, erklärt Seidel. Solche Verletzungen gehören durchaus zum Thaiboxen dazu. Denn in der Kampfsportart ist alles erlaubt – außer natürlich Unsportlichkeiten wie Kopfnüsse oder Tritte in den Unterleib. Ansonsten darf geschlagen und getreten werden, egal, ob mit Fäusten, Ellenbogen, Füßen oder Knien. „Es ist ein sehr ursprüngliches Kämpfen, das sehr nahe an der Realität ist. Das macht für mich den Reiz der Sportart aus. Hinzu kommt das Traditionelle“, sagt Seidel, der seine Liebe zu Thailand über den Sport entdeckt hat. Bereits neunmal weilte er in dem asiatischen Staat und trainierte dort intensiv mit thailändischen Boxern. „Einmal waren es sogar drei Monate, die ich dort war. Die Thais freuen sich sehr, wenn Europäer sich mit ihrem Sport identifizieren“, hat Seidel festgestellt. Die Liebe zum Land und zur Kultur geht bei ihm sogar unter die Haut – er hat sich zahlreiche thailändische Schriftzeichen tätowieren lassen.

    Seidel gibt seine Begeisterung fürs Thaiboxen auch mit viel Herzblut weiter. Seit Sommer 2016 betreibt er am Bourger Platz ein Thaibox-Studio. Das Klientel ist dabei sehr unterschiedlich. Einige Thaiboxer konzentrieren sich auf das Steigern ihrer Fitness. Eine Frauen-Gruppe, die zu ihm kommt, legt den Fokus auf die Selbstverteidigung. Ein paar seiner Schützlinge steigen aber auch in den Ring. Einer von ihnen ist Philipp Schubjé. „Er hatte bisher alle Kämpfe gewonnen. Deshalb hatte ich ihn in Gelnhausen angemeldet“, berichtet Seidel. Und Schubjé rechtfertigte das Vertrauen seines Coaches, er zeigte einen starken Kampf, auch wenn er knapp unterlag. Seidel: „Er hatte allerdings einen starken Gegner. Ich war stolz auf Philipp. Er ist ein guter Junge und auf dem richtigen Weg.“

    Wie wichtig das Verhältnis zwischen Trainer und Thaiboxer ist, weiß Seidel aus eigener Erfahrung. Der gebürtige Mainzer kann sich seit vielen Jahren auf Thilo Schneider, den er respektvoll „meinen Mentor“ nennt, verlassen. Seidel sagt: „Thilo ist immer in meiner Ecke. Er kam nach Thailand geflogen oder in die Türkei, wenn ich dort geboxt habe. Ohne ihn wäre ich niemals dort, wo ich jetzt bin.“ Das gilt übrigens nicht nur sportlich, sondern auch geschäftlich. Schneider eröffnete ein Studio in Mainz-Kastel, das eng mit dem in Bad Kreuznach verbunden ist. Beide tragen sogar den gleichen Namen. Auch Schneider feierte seine Erfolge erst im reiferen Alter, wurde mit 36 Weltmeister. „Das zeigt, dass du fürs Thaiboxen Erfahrung benötigst“, stellt Seidel fest.

    Auch für ihn soll der EM-Titel noch nicht das Ende gewesen sein – er spekuliert: „Vielleicht ist als Europameister sogar ein Kampf um die Weltmeisterschaft drin. Aber das steht noch in den Sternen.“ Aktueller ist die Verteidigung des EM-Titels. Das Telefon steht nicht still. Viele Promoter und Kämpfer sind heiß auf Seidel und seinen Gürtel. Er erklärt mit einem Lachen: „Ich habe den Anrufern gesagt, dass sie mich erst mal in Ruhe lassen sollen, ich habe schließlich ein Jahr Zeit für die Titelverteidigung.“ Die Zeit will der Bad Kreuznacher erst einmal genießen. Wobei das nicht heißt, sich auf die faule Haut zu legen. Schließlich trainiert er weiter mit seinen Schützlingen hoch über den Dächern von Bad Kreuznach am Bourger Platz.

    Von unserem Redakteur Olaf Paare

    „Thilo ist immer in meiner Ecke. Er kam nach Thailand geflogen oder in die Türkei, wenn ich dort geboxt habe. Ohne ihn wäre ich niemals dort, wo ich jetzt bin.“

    Timo Seidel über seinen Mentor.

    „Thaiboxen ist ein sehr ursprüngliches Kämpfen, das sehr nahe an der Realität ist. Das macht für mich den Reiz aus.“

    Europameister Timo Seidel über seine Sportart, die er seit elf Jahren ausübt.

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