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Dörrebach

Duathlon: Spendenaktion ist die letzte Ausfahrt zur WM

Olaf Paare

Es ist seine letzte Chance auf das perfekte Rennen. Das hat Simon Hoyden aus Dörrebach schon einmal erlebt, bei der Weltmeisterschaft im Duathlon im Jahr 2015 in Zofingen in der Schweiz. Dort möchte er auch im Spätsommer 2018 wieder durchstarten. Doch dazu benötigt er die Unterstützung der Sportlerfamilie.

Das Spezial-Rennrad kann repariert werden. Die dafür notwendigen Mittel hat Simon Hoyden in einer Internet-Aktion generiert. Er freut sich sehr über die 7275 Euro, die zusammenkamen.  Foto: Hoyden
Das Spezial-Rennrad kann repariert werden. Die dafür notwendigen Mittel hat Simon Hoyden in einer Internet-Aktion generiert. Er freut sich sehr über die 7275 Euro, die zusammenkamen.
Foto: Hoyden

Viel ist passiert seit seinem Sieg in der Altersklasse 25 bei der Duathlon-WM 2015 über die Langdistanz (10 Kilometer Laufen, 150 Kilometer Radfahren, 30 Kilometer Laufen). Der Tag, den Hoyden wohl nie vergessen wird, ist der 16. Oktober 2016. Mit seinem hochwertigen, individualisierten Wettkampfrad absolvierte er an diesem Tag in seiner Wahlheimat Dortmund eine Trainingsfahrt in schönster Herbstsonne. Es sollte die letzte Fahrt mit dem Hightech-Sportgerät sein, ehe es in den Wintermonaten gegen ein gewöhnliches Rennrad eingetauscht wird.

Hoyden fuhr stadtauswärts durch ein Wohngebiet, als es zu einer heftigen Kollision mit einem Fußgänger kommt, der hinter einem geparkten Kleinbus unvermittelt auf die Straße getreten war. Der Dörrebacher überschlug sich mehrmals und musste wie der Unfallgegner ins Krankenhaus gebracht werden. Die Verletzungen – Hoyden prellte sich die Schulter und zog sich Schürfwunden zu – hielten sich in Grenzen, nicht so der Schaden an Hoydens Zeitfahrrad. Der Carbonrahmen, das Herzstück des Rads, und weitere hochwertige Komponenten wurden irreparabel zerstört. Die Schadenssumme beläuft sich auf rund 10 000 Euro.

Es folgte ein Rechtsstreit, der sich über ein Jahr hingezogen hat. Im November 2017 hat das Landgericht Dortmund schließlich die vollumfängliche Schuld und Haftung des Fußgängers festgestellt. Doch das rechtskräftige Urteil bringt Hoyden keinen Schritt weiter, es ist völlig nutzlos. Der Unfallverursacher verfügte nämlich nicht über eine Haftpflichtversicherung, ist mittellos und hat Deutschland nach Angaben seines Anwalts längst verlassen.

Sportlich steht Hoyden damit vor dem Nichts, denn das speziell angefertigte Rad ist die Garantie für eine schnelle Zeit und eine gute Platzierung beim Duathlon. „Das Rad passt zu 100 Prozent perfekt zu mir, auf ihm habe ich mich großartig gefühlt, nur mit ihm wäre ein erneuter Sieg bei der WM möglich. Mit einem anderen Rad würde ich angesichts der Materialschlacht im Duathlon mehrere Minuten auf die Konkurrenz verlieren, das holst du beim Laufen nicht mehr raus“, erklärt der heute 30-Jährige, der ergänzt: „Es bringt aber nichts, da jetzt noch länger zurückzuschauen. Ich möchte nach vorne blicken, wieder eine Perspektive erkennen.“

Der Ausweg heißt Crowdfunding. Dahinter steckt eine zweckgebundene Spendenaktion. 5200 Euro möchte Hoyden auf diesem Weg innerhalb von 15 Tagen akquirieren. Geld, das er für die Reparatur des Rads benötigt. Sollte es mehr werden, würde er es in seinen Start in Zofingen (Startgeld, Reisekosten und so weiter) investieren. „Ich bin viel in den sozialen Netzwerken unterwegs. Da sind mir schon öfter solche Aktionen aufgefallen. Das passt gut zu mir“, erklärt Hoyden und ergänzt: „Mir gefällt der persönliche Bezug bei der Aktion. Ich wollte nicht einfach nur Spendengelder einsammeln. Das Tolle an der Aktion ist, dass ich den Menschen eine Gegenleistung bieten kann.“

Für eine Spende von 70 Euro entwirft Hoyden, der auch als Trainer aktiv ist, dem Spender beispielsweise einen Trainingsplan für seinen eigenen sportlichen Höhepunkt. Für 80 Euro gibt es ein Lauftraining, für 90 Euro eine Radausfahrt mit dem Spitzensportler. Viele Sponsoren greifen Hoyden auch unter die Arme, in dem sie ihm Produkte überlassen haben, die er nun an seine Spender weitergeben kann. Für 25 Euro winkt beispielsweise ein Paket Sporternährung.

Der besondere Clou: Viele Veranstalter von Lauf- und Triathlonveranstaltungen haben dem Jura-Studenten für die Aktion Startplätze zur Verfügung gestellt, die dieser ebenfalls anbieten kann. Eine Win-win-Situation übrigens: Denn die Startplätze sind über Hoyden billiger zu erwerben als bei einer regulären Anmeldung. Um potenzielle Interessierte regelmäßig auf die Seite zu locken, wird er täglich neue Startplätze anbieten. „Ich setze darauf, dass die Sportfamilie zusammenhält und mich bei meinem Vorhaben unterstützt, Deutschland noch einmal bei einer WM zu vertreten“, sagt Hoyden, der bei den Lauffreunden Naheland Bad Kreuznach groß geworden ist und seit der Beendigung eines USA-Aufenthalts 2012 in Dortmund lebt und dort für das Triathlon-Team Witten startet. In der Region befindet er sich aber trotzdem noch häufig, zuletzt hat er an Weihnachten seine Eltern in Dörrebach besucht.

Die Spender gehen bei der Aktion keinerlei Risiko ein. Kommt die angepeilte Summe nicht zusammen, erhalten alle ihr Geld zurück. Übrigens: Auch klassische Spenden ohne Gegenleistung sind möglich. „Das Projekt Crowdfunding ist faszinierend, aber es ist auch sehr zeitintensiv. Seit Oktober befasse ich mich fast rund um die Uhr mit dem Thema und sitze am Computer“, sagt Hoyden.

Aber nur fast: Denn das Training kommt nicht zu kurz. Nach dem Unfall, und speziell, als klar wurde, dass die Saison 2017 ausfällt, fuhr der Dörrebacher seinen Körper runter. Doch mittlerweile steigert er die Umfänge und die Intensität wieder. „Vielleicht war eine solche Pause gar nicht mal schlecht“, sagt Hoyden und ergänzt: „Wenn es aber mit der Finanzierung der Radreparatur klappt, kann 2018 meine Saison werden. Davon bin ich überzeugt.“

Los geht es am Dienstag um 10 Uhr. Dann wird die Crowdfunding-Seite im Internet freigeschaltet, dann können Interessierte sich die Angebote anschauen und spenden. Vor allem geht es aber darum, einem ambitionierten Sportler, der unverschuldet aus der Bahn geworfen wurde, wieder eine Chance zu geben.

Die Aktion ist ab Dienstag, 10 Uhr, im Internet unter der Adresse www.fairplaid.org/ duathlonwm2018 zu finden.

Von unserem Redakteur Olaf Paare

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