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Bad Kreuznach

Rookies sind die Zukunft

Gert Adolphi

Rund 30 Jahre waren die Rollstuhl-Basketballer aus Bad Kreuznach in verschiedenen Ligen auf Korbjagd, zunächst unter dem Dach der BSG Bad Kreuznach, ab 2004 als Abteilung der SFD. Die Ära endete mit der Saison 16/17. Nach Abschluss der Runde zogen sich die Rollis aus der Oberliga zurück, die es mittlerweile auch nicht mehr gibt. Doch es besteht Hoffnung auf einen Neuanfang.

Sie wollen Rollstuhl-Basketball in Bad Kreuznach erhalten: die SFD-Rookies mit (vorne von links) Gögtug Yakut, Ali Intas, André Stilz, Merlin Pfeiffer sowie (hinten von links) Gunther Roth, Niklas Becker und Lars Diehl.  Foto: SFD
Sie wollen Rollstuhl-Basketball in Bad Kreuznach erhalten: die SFD-Rookies mit (vorne von links) Gögtug Yakut, Ali Intas, André Stilz, Merlin Pfeiffer sowie (hinten von links) Gunther Roth, Niklas Becker und Lars Diehl.
Foto: SFD

Die SFD haben mit neuen, überwiegend jungen Spielern eine Rookie-Mannschaft gegründet. Die nimmt zwar (noch) nicht am Ligen-Spielbetrieb teil, misst sich aber mit anderen Anfängerteams auf Turnieren, die speziell für diese Nachwuchsspieler ausgerichtet werden. In Karlsruhe waren die SFD-Rookies bereits im Einsatz, am Samstag veranstalten die Bad Kreuznacher in der Jakob-Kiefer-Halle ab 9.30 Uhr selbst einen solchen Wettbewerb. Zu Gast sind die Mainhatten Skywheelers Youngsters aus Frankfurt, die BC Darmstadt Sharks, das luxemburgische Team Lux Rollers Jeunesse und die Hot Wheeler Karlsruhe Rookies.

Mitinitiator sowohl in den Anfängen als auch beim jetzigen Neustart ist Gunther Roth. „Nach einem Unfall 1982 bin ich in der Klinik in Frankfurt mit dem Rehasport in Kontakt gekommen“, erzählt der heutige SFD-Abteilungsleiter. „Rollstuhl-Basketball hat mir dabei am meisten Spaß gemacht.“ Im Krankenhaus lernte er auch seinen späteren Mannschaftskollegen Peter Heß kennen. Vier Jahre später ergriff Roth die Initiative und suchte Mitstreiter. Er erinnerte sich an Heß, der aus Bad Sobernheim kommt, lernte in der Teestube der Bad Kreuznacher Diakonie Ali Intas und Selcuk Cetin kennen. Wenig später stieß auch Raimund Brand zu der Truppe. Der Stamm der Mannschaft war zusammen.

Bei der Suche nach einem Trainer gelang den Bad Kreuznachern ein Coup. Sie konnten Yakovos Bilek für ihr Projekt begeistern. Der in der Türkei geborene Grieche, der später die deutsche Staatsangehörigkeit annahm, war acht Jahre deutscher Bundestrainer (bei den Nicht-Behinderten) gewesen und engagierte sich später bei den Basketballern des VfL Bad Kreuznach.

1987 konnte es losgehen. Das BSG-Team startete in der Verbandsliga. Drei Jahre später erfolgte der Aufstieg in die Regionalliga. Neue Spieler stießen zum Kader. 1993 beendete Bilek, damals 76 Jahre alt, seine Trainertätigkeit. Der Aufschwung aber ging weiter. 1995 stießen die Bad Kreuznacher in die Zweite Bundesliga vor, der sie mit zwei Jahren Unterbrechung neun Spielzeiten angehörten. Ihren größten Erfolg feierten sie in der Saison 97/98, als sie als Vizemeister den Aufstieg in die höchste Klasse nur knapp verpassten.

Dann aber begann der langsame Niedergang. Cetin widmete sich seiner Karriere als Rollstuhl-Tischtennisspieler, Heiko Lips zog nach Kaiserslautern. „Wenn ein Führungsspieler weggeht, lässt sich das nicht kompensieren“, sagt Roth. Andere Akteure wie zum Beispiel Erich Henning, mittlerweile fast 70 Jahre alt, mussten sich aus Verletzungs- oder Altersgründen zurückziehen. 2007 stieg die SFD-Mannschaft in die Regionalliga, fünf Jahre später in die Oberliga ab. Nach der Saison 16/17 war dann für das bisherige Team endgültig Schluss. „Die Alten sind alle über 50 und für den Sport nicht mehr up to date“, erläutert der Abteilungseiter. „Das merkt man im Training, das merkt man, wenn man gegen junge Spieler antritt.“

Die Überalterung ist allerdings ein allgemeines Phänomen. Traditionsmannschaften aus Koblenz und Ludwigshafen verschwanden ganz von der Bildfläche. Andere Teams kämpfen ebenfalls mit Nachwuchsproblemen. „Eine Generation hat den Spielbetrieb am Laufen gehalten“, sagt Roth. „Dahinter herrscht ein Vakuum.“ Die Gründe dafür sind allerdings eher erfreulich. Dank verbesserter Sicherheitssysteme in Autos und an Motorrädern kommt es heute seltener zu Verletzungen, die eine Komplettlähmung der Beine und des Rumpfs zur Folge haben. Auch der medizinische Fortschritt leistet einen Beitrag dazu. „Es gibt weniger Menschen mit Voraussetzungen für den Rehasport“, stellt Roth fest. „Das ist an sich etwas Gutes.“ Der Verband hatte schon vor Längerem reagiert und auch Sportler ohne oder mit einer geringen Behinderung unter gewissen Bedingungen zugelassen.

Den SFD gelang trotz widriger Voraussetzungen ein Neubeginn. Aus einer kleinen Zelle entwickelte sich dank Mundpropaganda der Ansatz zu einem neuen Team. Um den Kader aufzufüllen, stellten sich auch Ali Intas und Roth noch einmal zur Verfügung. „Ali ist der Jüngste der alten Mannschaft, ich springe ein, wenn Not am Mann ist“, sagt der Abteilungsleiter. „Die Jungen sollen es aber richten.“ Als Spielertrainer fungiert Niklas Becker. In anderen Städten gab es ähnliche Entwicklungen. Die Idee eines Rookie-Wettbewerbs in Turnierform entstand. „Das sind praktisch Anfänger. Die können noch nicht in einer Liga spielen“, sagt Roth. „Um den Jungen nicht gleich die Lust am Sport zu nehmen, ergibt es keinen Sinn, sie gleich für die Regionalliga zu melden.“ Doch die Nachwuchsbasketballer entwickeln sich. In etwa zwei Jahren könnten sie bereit sein für den Punktspielbetrieb. „Das ist unsere Zukunft“, sagt der Abteilungsleiter. „Vielleicht kommt noch der ein oder andere hinzu. Wir sind bestrebt, diese Sportart in Bad Kreuznach am Leben zu halten. Denn wenn es einmal aufhört, ist es vorbei.“

Von unserem Mitarbeiter Gert Adolphi

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