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Acht Jahre auf zweites Bundesliga-Spiel gewartet: Matthias Henn schreibt Geschichte

Braunschweig/Mettweiler – Bundesligafußballer sind eine seltene Spezies. Der Mettweilerer Matthias Henn hat es auch noch geschafft, in die Annalen einzugehen. Zwischen Bundesliga-Debüt am 23. April 2005 für den 1. FC Kaiserslautern und seinem zweiten Einsatz am vergangenen Samstag für Eintracht Braunschweig lagen exakt 3101 Tage. "Es war wie eine zweite Premiere für mich."

Grund zum Jubeln: Das Foto von Matthias Henn entstand in der vergangenen (Aufstiegs-)Saison. Jetzt kam der aus Mettweiler stamende Profi nach mehr als acht Jahren Warten zu seinem zweiten Erstliga-Einsatz. Foto: dpa
Grund zum Jubeln: Das Foto von Matthias Henn entstand in der vergangenen (Aufstiegs-)Saison. Jetzt kam der aus Mettweiler stamende Profi nach mehr als acht Jahren Warten zu seinem zweiten Erstliga-Einsatz.
Foto: dpa

"Ich wusste natürlich nur, dass eine lange Zeit zwischen diesen beiden Spielen gelegen hat", sagt Matthias Henn. "Aber mir war nicht klar, dass ich ein bisschen Geschichte geschrieben habe." In 50 Bundesligajahren gab es nur drei Spieler, die nach ihrem Debüt noch länger auf ihr zweites Bundesligaspiel warten mussten, hat der Kicker ermittelt.

Dass es noch einmal funktionieren würde mit seinem zweiten Bundesligaspiel hatte Henn vor dieser Saison schon gehofft. "Wenn man bei einem Bundesligisten unterschreibt, dann gehören Hoffnung und Glaube auf einen Einsatz dazu", erklärt er. Doch der Mettweilerer räumt ein: "Wenn man mich zwischendurch mal gefragt hätte, dann wäre ich ziemlich sicher gewesen, dass es bei diesem einen Bundesligaeinsatz bleiben würde."

Viel Fantasie war nötig

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Als Henn 2007 vom 1. FC Kaiserslautern zum damaligen Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig wechselte, gehörte schon eine gehörige Portion Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass die Eintracht innerhalb relativ kurzer Zeit nicht nur in die zweite, sondern sogar in die erste Bundesliga aufsteigen könnte. Zudem erwischten Henn immer wieder schwere Verletzungen. Zuletzt brachte ihn ein Kreuzbandriss vor ziemlich genau zwei Jahren um seinen Stammplatz in der Innenverteidigung der Braunschweiger. Das führte dazu, dass er in der abgelaufenen Zweitligaaufstiegssaison lediglich am letzten Spieltag über 90 Minuten auflief und zuvor nur zwei Kurzeinsätze hatte.

"Es gab ja nicht wenige, die in mir schon einen halben Invaliden gesehen haben, deshalb empfinde ich schon Stolz und Genugtuung, dass ich mich nach den ganzen Operationen und Reha-Maßnahmen wieder auf den Platz und in die Startaufstellung der Profimannschaft gekämpft habe", erklärt Henn und ergänzt: "Ich bin sehr froh, dass ich vom Trainer vor dem Spiel gegen Schalke das Vertrauen bekommen habe Das hat schon eine sehr große Bedeutung für mich."

Freude nach dem zweiten Führungstor: Matthias Henn (vorne) bejubelt den Treffer zum 2:1 gegen den FC Schalke 04.  Foto: dpa
Freude nach dem zweiten Führungstor: Matthias Henn (vorne) bejubelt den Treffer zum 2:1 gegen den FC Schalke 04.
Foto: dpa

Denn eines macht Henn selbstbewusst deutlich. Als Notnagel oder Standbye-Spieler hat er sich nie gesehen, als er vor der Saison bei den Braunschweigern verlängert hat. "Sicher war abgesprochen, dass ich bei Bedarf auch bei unserer U23 in der Regionalliga spiele, aber ich bin ein vollwertiges Mitglied des Bundesligakaders und Bestandteil der Mannschaft. Ich absolviere die gleichen Trainingseinheiten wie die anderen auch", erläutert er. Mit weniger hätte sich Henn auch nicht zufrieden gegeben. "Dafür war der Weg durch die Reha einfach zu weit."

Angesichts der langen Zeit zwischen seinen beiden bisherigen Bundesligaspielen ist es nicht zu weit hergeholt davon zu sprechen, dass Henn zwei Debüts in der Bundesliga feiern konnte. Der Mettweilerer selbst sieht das ähnlich: "Damals war ich 19, und ein bisschen verblasst sind die Erinnerungen auch schon", überlegt er. "Aber diesmal war die Anspannung vergleichbar, deshalb war es wirklich so etwas wie eine zweite Premiere für mich."

Doch Henn sagt auch: "2005 war für mich das noch gewaltigere Ding. Damals war ich ein junger Hüpfer und natürlich unerfahren. Ich hatte bis zu meinem ersten Einsatz bei den FCK-Profis immer mit der zweiten Mannschaft vor gerade mal maximal 300 Zuschauern gespielt. Dann in Dortmund waren es 75 000. Das war noch einmal eine andere Hausnummer."

Dass sich die meisten Fußballer die Finger lecken würden, wenn sie überhaupt einmal in der Bundesliga spielen dürften, ist klar. Deshalb ist Henn auch bewusst, dass es besonders außergewöhnlich ist, dass seine bisherigen beiden Bundesligagegner zu den am besten klingenden Namen in der Eliteklasse zählen: Borussia Dortmund und Schalke 04. "Ja, vor dem Hintergrund, dass die beide am Wochenende das berühmte Derby spielen, ist das wirklich noch eine Besonderheit", lacht Henn.

Unterschiede zwischen damals Dortmund und heute Schalke hat Henn durchaus ausgemacht. Bei sich selbst ("ich bin erfahrener und taktisch reifer"), aber auch beim Fußball an sich. "Das Tempo ist noch größer geworden." Die Gegner waren für ihn gleich attraktiv und mit gehöriger Qualität ausgestattet: "Damals waren es Jan Koller oder Tomasz Rosicky", erinnert er sich. "Diesmal ist die junge Generation mit Julian Draxler, Adam Szalai oder Leon Goretzka gekommen. Die einen waren so stark wie die anderen."

Zufrieden mit eigener Leistung

Mit seiner eigenen Leistung gegen Schalke war Henn durchaus zufrieden – nicht nur, weil er das Braunschweiger 1:0 vorbereitete. "Ich habe die Rückmeldung auch von anderen bekommen." Trainer Torsten Lieberknecht ließ wissen, dass er mit Henn und dem andere Debütanten Jan Washausen zufrieden gewesen sei.

Die unglückliche 2:3-Niederlage gegen die Schalker in der Nachspielzeit tat natürlich trotzdem weh. "Direkt nach dem Spiel habe ich schon eine gewisse Leere gefühlt", erzählt Henn, um dann aber trotzig festzuhalten: "Wir können aus der Niederlage trotzdem Positives ziehen. Schließlich hatten wir einen Championsleague-Teilnehmer am Rande der Niederlage oder zumindest am Punktverlust. Wir haben zwei Tore geschossen und trotz der Niederlage defensiv wenig zugelassen."

Natürlich hofft Henn, auch am Samstag wieder dabei zu sein, wenn die Eintracht beim FSV Mainz 05 antritt. Für den Mettweilerer wäre das quasi ein Heimspiel. Entschieden hat das Coach Lieberknecht freilich noch nicht. Und wenn Henn tatsächlich seinen dritten Bundesligaeinsatz bestreiten dürfte, dann würde er sicher gegen die nächste Premiere nichts einzuwenden haben: seinen ersten Sieg in Deutschlands Eliteliga.

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