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Verdient? Eher bedient!

Manchmal kann sich der für chauvinistische Attitüden wenig empfängliche Olympia-Beobachter daheim vorm Fernseher nur wundern.

Klaus Reimann.
Klaus Reimann.

Woraus speist der Kommentator bei der Nordischen Kombination seine Meinung, wenn er beim Zieleinlauf des deutschen Olympia-Siegers Eric Frenzel im Brustton der Überzeugung festhält: „Wenn es einer verdient hat, dann er.“ Soso, und der Rest hat es verdient, die Plätze hinter Frenzel zu belegen? Anscheinend ja. Denn derselbe ZDF-Kommentator hält wenig später noch einen Ratschlag für den Zweitplatzierten Akito Watabe bereit. Der Japaner solle sich doch bitteschön bei Frenzel bedanken, dass er im Sog des Deutschen zur Silbermedaille hat laufen können, respektive dürfen.

Ja, bei so viel anbiedernder nationaler Gefühligkeit kann unsereinem dann schon mal schwindelig werden. Zum Runterkommen gibt es zum Glück die x-te Wiederholung der Medaillenübergabe an Dahlmeier, Peiffer und Co. – Nationalhymne inklusive. Steht auf, wenn ihr Deutsche seid ...

Ab und an besinnen sich die TV-Macher aber doch tatsächlich auf ihren Auftrag, die Vielfalt der Sportarten bei Olympia abzubilden, und berichten zum Beispiel – vom Shorttrack. Shorttrack, also das Eisschnelllaufen, bei dem Körperkontakt erlaubt ist und nicht immer die Holländer gewinnen, ist bei diesen Spielen sozusagen das neue Curling. Hatten die Fernsehzuschauer bei den Winterspielen in Sotschi und Vancouver ihre Liebe fürs Eisstockschießen entdeckt, scheinen nunmehr die Kufenflitzer mit der beeindruckenden Kurvenschräglage die Herzen der Olympia-Fans zu erobern.

Was daran liegen mag, dass Shorttrack nirgendwo beliebter ist als in Südkorea, und folglich zumindest bei diesem Eislaufspektakel so etwas wie Stimmung aufkommt bei diesen Spielen. Wir, also die deutschen Athleten, laufen hier zumeist hinterher, wenn die Medaillenvergabe ansteht. Aber komm, die anderen haben es auch mal verdient!

E-Mail an den Autor: klaus.reimann@rhein-zeitung.net