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Neue Olympia-Disziplinen: Das IOC und die Emanzipation

Curling kann eine durchaus faszierende Sportart sein – wenn man denn verstanden hat, warum dieser oder jener Stein mit welcher Geschwindigkeit über das Eis geschoben wird.

Sven Sabock.
Sven Sabock.

Seit 1928 zählt der Wettbewerb, wenn auch mit Pausen, zum olympischen Programm, und es sei den Athleten gegönnt, sich alle vier Jahre publikumswirksam zu präsentieren. In den Tagen von Pyeongchang wird nun noch ein bisschen mehr taktiert und geschrubbt, gibt es neben den Männer- und Frauen-Turnieren auch einen Olympia-Sieger im Mixed. Die IOC-Bosse wollen es so, ebenso wie die Alpinen ebenfalls im Mixed starten, die Snowboarder zusätzlich im Big-Air-Wettbewerb ihre Kapriolen machen – oder die Eisschnellläufer im Massenstart gleichsam wie die Shorttracker durchs Oval gleiten. Vier neue Disziplinen, mit denen die Spiele moderner und spektakulärer werden sollen.

Premierensieger
Die Kanadier Kaitlyn Lawes und John Morris sind die ersten Olympiasieger im Mixed-Curling.
Foto: Peter Kneffel – dpa

Wobei durchaus die Frage gestellt werden darf, ob die Innovationen unbedingt sein müssen, zumal bei der zunehmenden Fülle an Wettkämpfen offenbar keine Zeit mehr bleibt, um auch einer Winter-Kernsportart gerecht zu werden. Und so regt sich, durchaus verständlich, Kritik von den Skispringerinnen. Während sich die männlichen Kollegen von der Normal- und Großschanze in die Tiefe stürzen und zudem einen Teamwettbewerb austragen, ist für die Frauen nach nur zwei Sprüngen alles vorbei. Um zweimal fünf Sekunden durch die Lüfte zu segeln, geht's für Katharina Althaus oder Carina Vogt also um die halbe Welt – zumindest für Althaus hat sich der Aufwand mit dem Gewinn der Silbermedaille ja halbwegs gelohnt.

Und doch erschließt es sich dem Betrachter nur schwer, warum die Emanzipation bei Olympia auf der Schanze auf der Strecke bleibt, während Männer und Frauen bei der WM bereits gemeinsam starten. Ja, auch im Skispringen ist die althergebrachte Rollenverteilung ähnlich wie beim Curling eigentlich längst Geschichte, wo die Männer in Pyeongchang auf Geheiß der Frauen bereitwillig zum Schrubber greifen.

E-Mail an den Autor: sven.sabock@rhein-zeitung.net