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Flachau

Von einem Talentplatz im Kader redet keiner mehr

Der Junge ist die Überraschung dieses Trainingslagers. Yunus Malli hat sich in den Tagen in Flachau regelrecht nach vorne katapultiert und bereitet allen Beteiligten beim FSV Mainz 05 ausnehmend viel Freude.

Aufmerksam lauscht Yunus Malli den Erklärungen von Thomas Tuchel. Der 19-Jährige ist die Überraschung des Trainingslagers.
Aufmerksam lauscht Yunus Malli den Erklärungen von Thomas Tuchel. Der 19-Jährige ist die Überraschung des Trainingslagers.
Foto: Eva Willwacher

Flachau – Der Junge ist die Überraschung dieses Trainingslagers. Yunus Malli hat sich in den Tagen in Flachau regelrecht nach vorne katapultiert und bereitet allen Beteiligten beim FSV Mainz 05 ausnehmend viel Freude.

Der 19-Jährige, den der Bundesligist in der U23 des Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach entdeckte, sollte bei Thomas Tuchel im ersten Jahr am Bruchweg eigentlich einen von drei Talentplätzen im Kader besetzen. Doch davon redet im Quartier in Österreich längst niemand mehr.

Kandidat für die Startelf

Malli, in Kassel geborener Sohn türkischer Eltern, hat in der kurzen Zeit unter der Anleitung des 05-Trainers eine außerordentliche Entwicklung genommen und gehört im Augenblick sogar zu den Kandidaten, die sich für einen Startplatz bewerben, wenn es für den Bundesligisten in die ersten Pflichtspiele geht. Tuchel fördert den Newcomer und Senkrechtsstarter, weist aber gleichzeitig auf die Jugend des brillanten Technikers hin. Man müsse jetzt mal abwarten, wie Malli das Ganze verkrafte.

Der 19-Jährige selbst erweckt in Flachau nicht den Eindruck, dass ihm das Tempo seiner Entwicklung zu schaffen machen könnte. Das Edeltalent mit deutschem Pass tritt selbstbewusst auf, nimmt Ratschläge und Kritik an, überzeugt aber grundsätzlich mit seinen in Fülle vorhandenen Fähigkeiten. "Mir ist von Anfang an gesagt worden, dass ich einen der Talentplätze einnehmen soll", sagt Malli im Pressegespräch.

"Das hat mich nicht gestört. Für mich war wichtig zur Profimannschaft dazuzugehören. Alles weitere und was dann dabei herauskommt, hängt alleine von mir ab." Klare Worte, die Malli mit Engagement untermauert. "Ich versuche mich immer anzubieten." Es ist frappierend, wie schnell sich der Mittelfeldtechniker, an Tempo, Aggressivität und die hohe Intensität der taktischen und spielsystematischen Anforderungen Tuchels angepasst und diese verinnerlicht hat.

Immer den Kopf oben

Das Edeltalent, das in Mönchengladbach nach der A-Jugend im Regionalligateam der früheren 05-Legende Sven Demandt spielte, ohne allerdings eine reelle Chance auf die Bundesliga zu haben, besticht durch große technischen Fähigkeiten, Leichtfüßigkeit, die an André Schürrle erinnert, Auffassungsgabe in Spiel- und Trainingsformen. Malli hat immer den Kopf oben, Mitspieler und Räume im Blick.

Im Zweikampfverhalten hat er sich gesteigert, ebenso nach Ballverlusten im Gegenpressing und wagt sich im Gegensatz zu anderen Neuzugänge, die noch eher auf Fehlervermeidung aus sind, an Risikopässe heran – selbst wenn diese nicht gelingen. Doch wenn Malis Anspiele kommen, dann brennt's sofort heftig in der gegnerischen Abwehr. Das ließ der junge Mann in den bisherigen Testspielen aufblitzen. Beim 3:0-Sieg nun in Schladming gegen Polens Pokalsieger Legia Warschau bescherten Mallis Aktionen, von der vorderen Position in der Mittelfeldraute aus in die Schnittstellen der Abwehr gespielt, eine ganze Reihe hochkarätiger Torchancen. Dazu ist der Offensivmann selbst torgefährlich.

Kein Problem mit interner Kritik

Das alles passiert nicht immer ohne Rüffel der Mitspieler oder vom Trainer. "Als ich mich im Testspiel in Grödig für die falsche Ecke entschieden habe, kam gleich ein heftiges Feedback." Und Tuchel moserte jüngst im Training nach schlechten Zuspielen: "Entscheide dich schneller. Spiel mal deinen ersten Gedanken, Junge", schnauzte der Coach den Spieler an. "Damit habe ich kein Problem", sagt Malli. "Ich lasse mir gerne etwas sagen. Ich brauche die Rückmeldung." Er wisse selbst, dass er sich an das 05-Tempo und die Zweikampfhärte gewöhnen müsse. "Auch im Spiel gegen den Ball muss ich noch einen Tick aggressiver werden, aber ich habe auch das Gefühl, dass ich auf einem guten Weg bin", sagt der Jungprofi.

Der Trainer entscheidet

Was daraus wird, wie sich Yunus Malli beim Bundesligisten weiterhin präsentiert, welchen Weg er einschlägt, weiß derzeit niemand zu sagen. Doch der 05-Trainer hat solche Talente in seiner Amtszeit immer extrem gefördert, sie herangeführt und ihnen Spielzeiten gegeben. Die Beispiele Schürrle, Lewis Holtby oder Adam Szalai zeigen auf, welche Entwicklung veranlagte Spieler in Mainz nehmen können, wenn sie in Tuchels hochwertigen Trainingseinheiten auf Dauer konzentriert, fleißig und vom Kopf her klar dran bleiben. "Natürlich möchte ich Bundesligaeinsätze", sagt Malli, "aber ich setze mich deshalb nicht unter Druck. Ich warte auf meine Chance. Und dann entscheidet der Trainer."

Von unserem Redakteur Jörg Schneider

Mainz 05
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