40.000
  • Startseite
  • » Sport
  • » Fußball
  • » Unterzahlsieg für das Geschichtsbuch
  • Aus unserem Archiv
    Mainz

    Unterzahlsieg für das Geschichtsbuch

    Der FSV Mainz 05 hat in der Fußball-Bundesliga für einen weiteren Höhepunkt in der für den Klub allmählich doch sensationell verlaufenden Aufstiegssaison gesorgt. 66 Minuten Unterzahl. Und doch bezwang das 05-Team in der bebenden Bruchwegfestung den 1. FC Köln mit einer taktisch, spielerisch und kämpferisch überragenden Leistung mit 1:0.

    Unterzahlsieg für das Geschichtsbuch
    Der Moment der Entscheidung in der 57. Minute: Nach einem glänzenden Gassenpass von Chadli Amri schoss André Schürrle technisch perfekt gegen den glänzenden Kölner Torhüter Faryd Mondragon zum 1:0-Siegtreffer für den FSV Mainz 05 ein.
    Foto: Peter Schneider

    Mainz – Der FSV Mainz 05 hat in der Fußball-Bundesliga für einen weiteren Höhepunkt in der für den Klub allmählich doch sensationell verlaufenden Aufstiegssaison gesorgt. 66 Minuten Unterzahl. Und doch bezwang das 05-Team in der bebenden Bruchwegfestung den 1. FC Köln mit einer taktisch, spielerisch und kämpferisch überragenden Leistung mit 1:0 (0:0). Das Siegtor schoss André Schürrle in der 57. Minute.

    Unterzahlsiege liefern Stoff für die Geschichtsbücher. Unterzahlsiege sind Legenden, die bei den Anhängern Jahre in Erinnerung bleiben. Identifikationsstiftende Erlebnisse. Unterzahlsiege schweißen eine Mannschaft, einen Klub, eine ganze Stadt zusammen. Das ausgelassen gefeierte 1:0 gegen den 1. FC Köln war ein - für den FSV Mainz 05 typischer - gemeinschaftlich erzwungener, hoch emotionaler Heimsieg.

    Mit Nachspielzeit standen die 05-Profis nach der Roten Karte gegen Torjäger Aristide Bancé 66 Minuten mit einem Mann weniger auf dem Feld. "Die Mainzer hätten auch zwei Mann vom Platz gestellt bekommen können", brummte der leicht geschockte Kölner Trainer Zvonimir Soldo später. "Sie wären immer noch besser gewesen als wir." Die 05er dominierten den Gegner von der ersten bis zur letzten Minute. Mental, taktisch, kämpferisch u n d spielerisch. Wer mit einer halben Stunde Verspätung ins Stadion gekommen wäre, dem wäre die Mainzer Unterzahl womöglich überhaupt nicht aufgefallen.

    Auf der einen Seite stand eine von Leidenschaft und Überzeugung beseelte, taktisch glänzend eingestellte Spiel- und Kampfgemeinschaft. Die individuell gut aufgestellte Kölner Mannschaft um den deutschen Topstürmer Lukas Podolski hatte kein Herz, kein Gefüge, kein Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Emotionen entluden sich in einer Schlussfeier, die am Bruchweg den ganz besonderen Momenten vorenthalten ist. Ein tosender Jubelsturm übertönte den Abpfiff. "Oh wie ist das schön!", sangen die Fans. Eintracht Frankfurt hat verloren, verkündete Klaus Hafner. Ein Jubelorkan. Der Stadionsprecher: "Platz sieben - Mainz 05!" Die Antwort: ein lang gezogen gebrülltes "Jaaaaaa!"

    Die gesamte Mannschaft musste auf den Zaun. Chadli Amri buchstabierte die "Humba". Selbst der scheue Thomas Tuchel rannte noch mal aufs Feld zurück und kletterte auf den Fußballaltar vor der Fantribüne. "Humbatätärä", rhythmisches Klatschen, Tanzeinlagen, Gesänge. "Nie mehr Zweite Liga", skandierten die von den 90 Minuten euphorisierten Anhänger. Und: "Europapokal...!" Neben diesen großen emotionalen Momenten hatte diese Partie noch eine zweite Wahrheit. Der FSV Mainz 05 hat sich in dieser Aufstiegssaison zu einer taktisch bemerkenswert starken, sicheren, flexiblen

    Mannschaft entwickelt. Der 1. FC Köln verrammelte seine Spielhälfte mit elf Mann. Die 05er kombinierten und fanden immer wieder Lücken gegen diese "schwarze Wand". Bancé scheiterte mit einem knapp verzogenen Fallrückzieher (13.). Elkin Soto scheiterte nach einem überragenden Pass von Florian Heller am hervorragenden Kölner Torhüter Faryd Mondragon (16.).

    Thomas Tuchel hatte hinter Bancé mit Heller, Filip Trojan und Soto bewusst auf eine klein gewachsene, wendige, dribbelstarke Dreierreihe gesetzt. Das funktionierte. Und die Kölner kamen überhaupt nicht zu einer offensiven Entlastung gegen das weit nach vorn verschiebende Pressingwerk der 05er. Dann musste Stoßstürmer Bancé das Feld verlassen.

    Die meisten Trainer hätten nun auf Defensive umgestellt, auf ein 4-4-1-System. Der 05-Trainer erfand spontan ein 4-3-2-System. Eine eng

    stehende Wagenburg - und davor mit Heller und Trojan zwei Stürmer. Nach der Halbzeitpause kam für Trojan der schnelle und torgefährlichere André Schürrle. Und als Heller sich müde gerackert hatte, wechselte Tuchel den aggressiven Turbosprinter Chadli Amri ein. Zwei Minuten später entschieden die Einwechselspieler die Partie: Amri legte vor, Schürrle schloss ab.

    Ab diesem Zeitpunkt feierten die Mainzer am Bruchweg jeden geblockten Ball, jeden Befreiungsschlag. Doch da entwickelte sich gar keine klassische Abwehrschlacht. Die 05er fanden auch mit zehn Mann immer den Mut, den Ball zu halten, schnelle flache Pässe in die Räume zu spielen, die beiden Angreifer auf Entlastungsreise zu schicken. Den Kölnern blieben drei vage Chancen. Mehr war nicht.

    Nikolce Noveski und Bo Svensson verteidigten im Zentrum wie weiland Cannavaro und Nesta bei Milan. Tuchels einstudierte Nach-vorne-Verteidigung. Die letzte 05-Reihe schob ständig in Richtung Mittellinie, begrenzte den Kölnern das Spielfeld, attackierte die Gegenspieler schon vor der Ballannahme. Die Außenverteidiger Malik Fathi und Radoslav Zabavnik komplettierten abwechselnd das Mittelfeld. In dem Miroslav Karhan der König war, Eklin Soto der technisch brillante Kämpfer und Eugen Polanski der gut aufbauende Zerstörer.

    Die 05er fraßen in einer perfekten Ordnung die zweiten Bälle und passten. Das spielerisch hochwertige Taktikmonster rannte, als ginge es ums Leben. Als Soldo am Ende den kopfballstarken Defensivhünen McKenna in den Sturm jagte, da wechselte Tuchel seinen Stopper Niko Bungert ein. Manndeckung. Ganz unmodern. Großer Sport. Reinhard Rehberg

    Mainz 05
    Meistgelesene Artikel
    Sport-Lokalteile
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Regionalsport
    • Newsticker
    • Lokalticker
    Anzeige
    Fußball Männer
    Fußball Frauen
    Neuzugang Yuko Aizawa (links; rechts kommt Mitspielerin Angelika Weber einen Schritt zu spät) steuerte zwei Treffer für den SC 13 zum 4:0-Sieg gegen den MSV Duisburg II bei. Foto: Vollrath

    im Rheinland

    - Westerwald

    - Mittelrhein/Mosel

    - Rhein-Lahn

    im Südwesten

     späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?Wohin am späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?

    Fußball Mix
    Kapitän Tim Schulz (links) bemühte sich mit seinen Betzdorfer Mitspielern zwar, doch auch gegen Elversberg reichte es am Ende nicht.

    Jugendfußball

    - im Rheinland

    - im Südwesten

    Fußballpokale

    Hallenfußball

     späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?Wohin am späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?

    Regionalsport Mix