40.000
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Minimalauftrag erfüllt, mehr aber auch nicht

Berlin - Erdrückend schwülwarmes Schwitzwetter. Ein alter Stadionkasten aus den 20er-Jahren, in dem sich exakt 1120 Zuschauer verloren. In dieser typischen Testspielatmosphäre hat sich der FSV Mainz 05 am Sonntag in die zweite Runde des DFB-Pokals gewürgt.

Abgebrüht
Der Mainzer Miroslav Karhan schirmt den Ball gegen Henning Lichte ab.

Berlin - Erdrückend schwülwarmes Schwitzwetter. Ein alter Stadionkasten aus den 20er-Jahren, in dem sich exakt 1120 Zuschauer verloren. In dieser typischen Testspielatmosphäre hat sich der FSV Mainz 05 am Sonntag in die zweite Runde des DFB-Pokals gewürgt.

Damit hat der Bundesligist 109 000 Euro in der Kasse; dazu kommen sicher die 273 000 Euro plus Spieleinnahmen für die Zweitrundenpartie.

Man kann sagen, dass die Mannschaft von Thomas Tuchel mit dem 2:1 (1:0)-Sieg beim Berliner AK 07 ihren Minimalauftrag erfüllt hat. Sportlich war die Angelegenheit in der Poststadionruine, gemessen an den eigenen Ansprüchen, eine düstere Darbietung. In der Schlussphase beider Halbzeiten benötigte der Erstligist sogar ein wenig Glück. Der tapfere Berliner Fünftligist mit dem glänzenden Ex-05er Murat Doymus in der Innenverteidigung hatte Chancen.

Weil die Mainzer Mannschaft im ersten Pflichtspiel dieser Saison ab der 1:0-Führung durch Lewis Holtby in der 38. Minute ihre taktischen Prinzipien und einige Spieler Laufbereitschaft, Körperspannung und Konzentration fallen ließen. „Das Spiel war wirklich erstaunlich lange offen“, erklärte Doymus nach dem Abpfiff. „Am Ende hat man dann aber doch gesehen, wer die abgezocktere Mannschaft ist.“

Zumindest bis zu diesem Führungstreffer musste man den 05-Profis keinen großen Vorwurf machen. Der Fünftligist verteidigte gut organisiert und tief gestaffelt mit zehn technisch ordentlichen und flinken Feldspielern in der eigenen Hälfte. Da fehlte dem Bundesligisten die Tiefe im Angriffsdrittel. Da kann man sich auch bei noch so großer Überlegenheit schon mal einen Wolf spielen. Die 05er waren dominant. Die offensive Dreierreihe mit Lewis Holtby, Jan Simak und Andreas Ivanschitz versuchte, sehr variabel die Positionen zu tauschen und Räume zu finden. Miroslav Karhan und Elkin Soto ließen dahinter kaum Konter zu.

Nikolce Noveski (14.) Sami Allagui (26., 31.) verpassten gute Kopfballchancen. Dann steckte Radoslav Zabavnik seitlich für Lewis Holtby durch, und der kleine Dribbler traf mit einem harten Schuss aus 18 Metern Entfernung. Ab diesem Zeitpunkt mogelte sich der haushohe Favorit nur noch über die Runden. Das taktische Konzept löste sich in die Einzelteile auf.

Der nach dem Rückstand mutiger werdende Berliner AK traf nach einem Kopfball von Pardis Fardjad-Azad die Oberkante der Latte (40.), 05-Keeper Christian Wetklo wirkte bei seinem erfolglosen Ausflug orientierungslos. Bis zum Pausenpfiff startete der Oberligist sogar eine kleine Drangphase. Dann kam Eugen Polanski für den unter der Woche in einem Länderspiel beschäftigten Miroslav Karhan. Die ersten Zweikämpfe in der zweiten Halbzeit gewannen die Mainzer noch. Spätestens, als Ibrahim Keser nach einem Konter relativ knapp am Mainzer Tor vorbeischoss (57.), wurden die meist türkischen Zuschauer wach und es kam ein wenig Pokalatmosphäre auf.

Trainer Tuchel wechselte. Für den angeschlagenen Zabavnik kam der offensivstarke Christian Fuchs, für den fleißigen Simak kam Mittelstürmer Adam Szalai. Jetzt griff Allagui vom rechten Flügel aus an, Florian Heller verteidigte rechts für Zabavnik, Fuchs sollte von links mehr Druck machen. Nach einer flach zurückgespielten Ecke von Polanski traf Holtby nach einem kurzen Dribbling und trockenem Abschluss zum 2:0. Die letzten 20 Minuten hatten auf Mainzer Seite mit geordnetem Fußball dann nichts mehr zu tun. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden immer größer. Stand- und Spekulationsfußball. Die Berliner Spieler nutzten das aus.

Keser narrte drei Abwehrspieler und traf mit einem Flachschuss ins kurze Eck zum umjubelten Anschlusstreffer. Drei Minuten vor dem Abpfiff versuchte der nach vorne gerückte Innenverteidiger Rocco Teichmann künstlerisch einen Fallrückzieher, statt seine freie Position zu nutzen, sich zu drehen und frei auf Wetklo zuzulaufen. Im Konter vergaben Holtby (zwei Mal) und Szalai noch gute Möglichkeiten zum 3:1.

„Es ist jedes Jahr gleich“, erklärte Andreas Ivanschitz später. „Gegen unterklassige Gegner tut man sich schwer im Pokal. Wir haben unnötig viele Bälle hergegeben und mit Fehlpässen Konter gegen uns eingeleitet. Und nach vorne hatten wir nicht genug Zug.“ Das galt auch für Ivanschitz, der sich kaum einmal durchsetzen konnte und der die Initiative gar zu bereitwillig den Mannschaftskollegen Holtby und Simak überließ. (rr)

Mainz 05
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