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    Kalkulierte Inszenierung einer Vorwurfskette

    Der sportliche Teil der Veranstaltung war bereits gründlich abgearbeitet und damit auch abgehakt. Der Trainer des FSV Mainz 05 hatte ausgiebig über das Viertelfinalduell im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg gesprochen, das heute Abend um 19 Uhr in der Coface-Arena angepfiffen wird. Die Pressekonferenz schien gelaufen. Da packte Thomas Tuchel die verbale Keule aus.

    Nicht mit mir: Thomas Tuchel (rechts) glaubt ein ein Exempel, dass an einem extrem agierenden Trainer statuiert werden soll und daran, dass er seit seiner öffentlichen Beschwerde über Martin Petersen (links), den vierten Offiziellen im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (2:1) im November, bei den Schiedsrichtern unter besonderer Beobachtung steht. 
Foto: dpa
    Nicht mit mir: Thomas Tuchel (rechts) glaubt ein ein Exempel, dass an einem extrem agierenden Trainer statuiert werden soll und daran, dass er seit seiner öffentlichen Beschwerde über Martin Petersen (links), den vierten Offiziellen im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (2:1) im November, bei den Schiedsrichtern unter besonderer Beobachtung steht.
    Foto: dpa

    "Es gibt noch einen Punkt, der mir am Herzen liegt", sagte der 39-Jährige und hob an zu einer gut 20-minütigen, argumentativ hochwertigen und trotz aller Emotionalität äußerst sachlich und reflektiert vorgetragenen Vorwurfskette gegen die Bundesliga-Schiedsrichter.

    Tuchel äußerte massive Kritik an den deutschen Unparteiischen und behauptet, dass diese seine Mannschaft in der laufenden Rückrunde derart konsequent verpfeifen, dass dies die 05er über den Daumen gepeilt acht Punkte in der Tabelle gekostet habe. "Ich glaube", sagte der 39-Jährige, "dass meine Mannschaft von den Schiedsrichtern krass benachteiligt wird und habe die Vermutung, dass es an mir liegt."

    Akribische Vorbereitung im Bett?

    Tuchel muss sich in der Woche, die der Cheftrainer krank im Bett verbracht hat, akribisch auf diese Pressekonferenz vorbereitet haben. Denn er erhob seine Anschuldigungen nicht aus der Gesprächssituation heraus, sondern stellte klar, dass er seinen Vortrag mit Kalkül halte. Er sei mit der Absicht in diese Konferenz gegangen, das Thema öffentlich anzusprechen. Denn Tuchel durfte sich der bundesweiten Wahrnehmung sicher sein: Der Bezahlsender "sky" übertrug die ganze Geschichte live aus den Katakomben der Arena. Und der Trainer wählte bewusst seine eigene Inszenierung dieser Fragestunde mit den Journalisten.

    Denn zum Auftakt hatte der 39-Jährige zunächst seine Profis in den Senkel gestellt, hatte seine Spieler schonungslos kritisiert für die indiskutable und aus seiner Sicht nicht akzeptable, fahrlässige Chancenverwertung in den zurückliegenden Spielen. Anschließend nahm sich der Coach seine Abwehrleute zur Brust. Dafür, dass sie die Gegengentore der vergangenen Wochen nicht besser verteidigt hatten. Etliche Treffer seien eindeutig verhinderbar gewesen.

    Alles dies schickte Tuchel seinen Ausführungen voraus, um den eigenen Anteil an der Serie nicht gewonnener Bundesligaspiele eindeutig in den Vordergrund zu stellen. Erst dann befasste sich der Trainer mit den Schiris und deren Benachteiligungen, die seit Januar auffällig seien. Den Verdacht, dass seine Mannschaft für ihren Trainer betraft werde, habe er seit dem Urteil des DFB, das Tuchel für dessen verbale Auseinandersetzung mit Jermaine Jones beim Pokal-Achtelfinalsieg auf Schalke und der Verbannung auf die Tribüne mit 6000 Euro bestrafte.

    Ein Exempel statuiert

    "Das ist extrem hoch. Und die Begründung, die ich gelesen habe, hat mir deutlich vor Augen geführt, dass es da um ein bisschen mehr geht", erklärte Tuchel, der auch noch einmal auf seine öffentliche Beschwerde über den vierten Offiziellen (Heimspiel gegen Nürnberg im November) verwies. Tuchel glaubt an ein Exempel, das an einem extrem aktiv agierenden Coach statuiert werden soll. Einen Denkzettel. "Außerdem kenne ich die Bilder, die bei der Halbjahreskonferenz der Schiedsrichter in Mainz gezeigt wurden. Ich weiß, dass ich da ein zentrales Thema war und dass das Schiedsrichterwesen ein Problem mit mir hat."

    Tuchel bemühte sich, die schweren Vorwürfe argumentativ zu belegen. Zum Rückrundenauftakt gegen den SC Freiburg sei den 05ern ein Handelfmeter verweigert worden (Pavel Krmas), dazu zwei Foulelfmeter (gegen Shawn Parker und Andreas Ivanschitz). Parker erhielt stattdessen die Gelbe Karte für eine Schwalbe, die später eine Gelb-rote Karte mit einem Spiel Sperre zur Folge hatte.

    In Fürth erhielt Adam Szalai seine fünfte Gelbe Karte (anschließend gegen die Bayern gesperrt) wegen einer angeblichen Schwalbe, die sich jedoch als klarer Elfmeter herausstellte. Fürstner hatte dem 05-Stürmer eindeutig auf den Fuß getreten. Zwei weitere Benachteiligungen: Das nicht anerkannte Abseitstor von Parker in Augsburg, das definitiv kein abseits war und die falsche Rote Karte dort für den 19-Jährigen.

    05-Trainer: Keine Absicht

    Außerdem: Das Tor, das der Schalker Michel Bastos in der Arena zum 2:2 erzielte. Abseits. Schließlich benannte Tuchel zwei Szenen aus dem Wolfsburg-Spiel. Als Szalai Ivanschitz mit einem Hackentrick in beste Schussposition gebracht hatte, erfolgte der Pfiff des Unparteiischen "Das war ein Meter kein abseits." Und das Handspiel von Hasebe im Strafraum, das Peter Sippel nicht elfmeterwürdig vorkam. Woanders seien solche Situationen gepfiffen worden.

    Er wolle den Schiedsrichtern keine Absicht unterstellen, betonte der 39-Jährige. Doch er bemerke, dass seine Art des Coachings, seine Emotionsausbrüche und Diskussionen mit dem vierten Offiziellen bei den Männern an der Pfeife eine Stimmung gegen den 05-Trainer erzeugt hätten. Er wolle sich keineswegs herausnehmen und trage mit Sicherheit seinen großen Anteil an diesem Dilemma. "Es herrscht aber eine Stimmung, die der Verein und die Mannschaft ausbaden müssen. Und das sind definitiv die falschen."

    Bewusst Atmosphäre geschaffen

    Wenn Tuchel erreichen wollte, dass Schiri Deniz Aytekin heute Abend besonders genau hinschaut und selbst betrachtet wird, dann ist ihm das gelungen mit dieser öffentlichen Attacke. Klar ist auch, dass Tuchel bewusst dieses Forum genutzt hat, um eine gewisse Atmosphäre für das aus Sicht des Klubs enorm wichtige Pokalviertelfinale zu schaffen. Die Sinne intern zu schärfen, möglicherweise unentschlossenen Stadionbesucher zu motivieren. "Mir ist aber auch klar", sagte der 05-Trainer, "dass mein Verhalten in Zukunft noch mehr unter dem Mikroskop betrachtet wird. Es kann sein, dass es kein Vorteil für mich ist, dass ich diese Geschichte heute thematisiert habe."

    Jörg Schneider

    Mainz 05
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