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    Dortmund/Mainz

    Jürgen Klopp im Interview: "Tuchel setzt Ideen brutal mutig um"

    Sein Weg begann in Mainz, hier hat er noch viele Wurzeln: Am Samstag kommt Jürgen Klopp zurück in die Coface Arena als einer der Top-Trainer in Europa und stellte sich schon jetzt unserer Zeitung zum Interview.

    Jürgen Klopp
    Dortmunds Trainer Jürgen Klopp muss mit seinem Team in Mainz 05 ran.
    Foto: Bernd Thissen - DPA

     Der Weg begann in Mainz. Beim FSV Mainz 05. Zehneinhalb Jahre als Spieler, siebeneinhalb Jahre als Trainer.  Am Samstag (30.11.13, 15.30 Uhr) kommt Jürgen Klopp in die Coface Arena als einer der fünf angesagtesten Trainer in Europa.

    Im sechsten Jahr als Fußballlehrer beim Bundesliga-Spitzenklub Borussia Dortmund hat der 45-Jährige, der noch immer einen Wohnsitz in Gonsenheim hat, nichts verloren von seinem sprühenden Optimismus, seiner Energie, seinem impulsiven Auftreten, seiner Emotionalität, seinem nie erlahmenden Erfolgsstreben. 

    Zwei Tage nach dem 3:1-Sieg in der Champions League gegen den SSC Neapel stellte sich Klopp zum Interview mit unserer Zeitung.

     Die Fragen stellte Reinhard Rehberg

    Herr Klopp, zwei Mal Meister, ein Mal DFB-Pokalsieger mit Borussia Dortmund, in der vergangenen Saison Bundesligazweiter und Champions-Legaue-Finalist, mit welchem Ansatz sind Sie in Ihre sechste Saison beim BVB gegangen nach dieser Erfolgs-Ära?

    Wir gehören jetzt zu den Klubs mit einem sehr hohen Niveau. Aber wir gehören noch nicht zu den fünf bis zehn Klubs in Europa, die beliebig alle ihre Spieler halten können nach erfolgreichen Saisons. Es gibt einfach noch ein paar Klubs mit mehr Geld. Dieses Problem haben wir schon noch. Aber es werden sehr hohe Ansprüche an uns gestellt, egal wen wir abgeben müssen. Dann ist es gar nicht so einfach, darzustellen, dass wir uns jedes Jahr immer wieder neu finden, dass wir uns auf hohem Niveau weiter konsolidieren, uns stabilisieren müssen, dass wir immer wieder neu zu unserer Spielweise finden müssen. Diesmal war es noch etwas schwieriger, weil uns Mario Götze ja erst sehr spät abhanden gekommen ist. Der Markt für Zehner ist bekanntlich kein ganz einfacher. Der letzte Sommer war kein Kindergeburtstag. Am Ende haben wir uns dann ganz gut aufgestellt gefühlt. Und dann kamen die Verletzungen. Dass zwei Sechser so lange ausfallen und dann auch noch gleich drei Innenverteidiger, das ist nicht mehr so leicht wegzustecken. Das schaffen dann im Moment wohl nur die Bayern. Aber ich denke, wir haben es ganz gut hinbekommen bis jetzt.

    Wie war der Plan? Wollten Sie auch neue fußballerische Inhalte einbauen, oder ging es in erster Linie darum, mit einigen neuen Spielern zunächst mal wieder den typischen Borussia-Stil wieder auf den Rasen zu bringen?

    Beides. Bei uns geht es immer um das Spiel gegen den Ball, um Tempo, um Sprintpotenzial. Gegen den Ball, das dürfen wir behaupten, waren wir in einigen Spielen immer schon mal nahe an den Hundert Prozent. Das ist stabil bei uns. Aber mit Ball, da muss es immer weitergehen, da haben wir immer Steigerungspotenzial. Da kann man neue Elemente einbringen, einüben. Aber da ist es, wie bei 18-jährigen Kindern, da muss man irgendwann auch mal sagen: Entwickelt euch, macht auch mal Etwas alleine, trefft eure eigenen Entscheidungen. Das hat dann natürlich auch viel mit individueller Qualität zu tun, die man hat, oder auch nicht hat.

    Der Trend ist deutlich zu sehen: Fast alle Mannschaften in der Bundesliga beherrschen in der Defensive die Blockbildung, die Raumverengung, die Verschieberei, oft auch in einer Tiefenstellung. Kann man das auf Dauer nur noch mit den für ihre Mannschaft typischen Tempoüberfällen in der offensiven Umschaltung beantworten?

    Na ja, wir haben mit unserem Gegenpressing teilweise auch gegen sehr tief stehende Mannschaften sehr souverän gewonnen. Tief und eng stehen ist nicht unbedingt die beste Antwort des Gegners auf unsere Spielweise, zumindest nicht immer. Aber klar, auch wir wissen, dass wir auch auf engen Räumen vernünftig Fußball spielen können müssen. Aber da gibt es nicht den Schlüssel schlechthin. Wir müssen dem Gegner immer mehr Fragen stellen, als er beantworten kann. Aber dafür braucht es immer auch die günstige Spielentwicklung, oder es geht um drei bis vier Zentimeter auf dem Fuß beim letzten Pass oder im Abschluss. Und dann kann sich während eines Spiel wieder so viel verändern, das ist alles nicht planbar. Nehmen wir unser Neapel-Spiel. Wir machen das frühe 1:0, damit war für den Gegner alles anders als geplant. Dann war das 1:1 möglich, später war das 2:2 möglich, und dann hätten wir jeweils neue Antworten finden müssen. Es geht immer um konstante Präsenz, Konsequenz, Konzentration, Überzeugung, Willen. Die Bayern können lange Phasen dominant in ungefährlichen Räumen rumspielen und dann doch irgendwann zuschlagen. Dafür braucht man die entsprechenden Typen. Wir können uns gut einschätzen. Vielleicht müssen wir im eigenen Ballbesitz auch noch dominanter werden, aber im Moment fühlen wir uns auf unsere Art, die sich über einen hohen physischen Aufwand definiert, immer noch auf dem richtigen Weg. Die Bayern haben unser Pressing mit vielen langen Bällen überspielt, jetzt schauen wir mal, wie die Mainzer das machen am Samstag.

    Wie nehmen Sie den Weg der Mainzer wahr in dieser Saison?

    Im feinen Zwirn auf der großen europäischen Bühne: Jürgen Klopp (rechts) und Neapel-Trainer Raffael Benitez. Foto: dpa
    Im feinen Zwirn auf der großen europäischen Bühne: Jürgen Klopp (rechts) und Neapel-Trainer Raffael Benitez.
    Foto: dpa

    Stark. Toller Saisonstart, eine Delle, jetzt wieder stabilisiert. Das ist eine gute Mannschaft. Und es ist nicht leicht, immer wieder mit den Mainzer Möglichkeiten diese Qualität zusammenzustellen. Bei dieser unfassbaren Qualität in der Bundesliga immer wieder so brutal wettbewerbsfähig zu sein, auch im Vergleich zu Klubs wie zum Beispiel Hannover 96 oder dem Hamburger SV, das ist eine Topleistung. Da hat Thomas Tuchel immer wieder gute Ideen, und die setzt er brutal mutig um. Auch einen Elkin Soto mal durch ein Tal zu führen, die Geduld aufzubringen bis er jetzt wieder da ist, das ist alles nicht so einfach. Stark gemacht.

    Welche Leistungsstärke haben die Mainzer aktuell, was für ein Spiel erwarten Sie am Samstag?

    Wir bekommen das hier ja schon mit. Viele sagen im Moment, gegen diese Bayern hat man keine Chance, aber Dortmund kann man schon mal schlagen, gerade zu Hause. Klar, das haben wir uns selbst eingebrockt, wir haben eindeutig Nachholbedarf in der Bundesliga. Aber ich sage auch: Gegen uns muss man dann auch an diesem Tag erst mal spielen. Die Mainzer werden uns drei- bis viermal studiert haben. Bayern hat es mit langen Bällen probiert, vielleicht versuchen das die Mainzer auch. Dafür müssen wir bereit sein. Das kann dann ein Kampf um viele zweite Bälle werden. Darauf können wir uns einstellen. Das wird dann ein tolles Spiel.

    Wird Ihr alter 05-Kumpel Manuel Friedrich im Abwehrzentrum spielen? Oder doch eher Sven Bender, der das gegen Neapel ja hervorragend gemacht hat?

    Das entscheiden wir immer erst sehr kurzfristig. Manu hat das nach fünf Monaten ohne Spielpraxis gegen die Bayern klasse gelöst da hinten. Und Bender können wir in unserer momentanen Situation natürlich schon auch noch sehr gut im Mittelfeld gebrauchen.

    BVB-Trainer Klopp zu 10 000-Euro-Geldstrafe verurteilt05-Fangesang: "Ihr seid besser als der BVB!" 05er: Viel Lob für unperfektes SahnespielBorussia-Sieg: Jürgen Klopp entschuldigte sich sogar Ein Spiel zum Entschuldigen: Glücklicher BVB schlägt gute Mainzerweitere Links
    Mainz 05
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