40.000
Aus unserem Archiv
Donezk

Ukraine bangt um Schewa und Viertelfinale

dpa

Die Stimmung ist gedämpft, das EM-Aus droht – und nun zittert die Ukraine kurz vor dem Gruppenfinale auch noch um den Einsatz von Andrej Schewtschenko. Der Stürmer kann nach seiner Knieblessur selbst entscheiden, ob er aufläuft. Ein ganzes Fußball-Land hofft.

Ukraine-Star
Andrej Schewtschenko hofft auf seinen Einsatz gegen die Engländer.
Foto: Rungroj Yongrit – DPA

Die beiden ukrainischen Mädchen mit den blau-gelben Cowboyhüten warteten vergeblich auf ihren Nationalhelden. Zahlreiche Autogrammjäger wollten beim Training in Donezk noch einen Blick auf Andrej Schewtschenko erhaschen, doch der Stürmerstar musste sich vor dem entscheidenden EM-Gruppenspiel gegen England im Hotel am Knie behandeln lassen.

Beim Countdown für das «größte Spiel der Geschichte unseres Landes» (Andrej Woronin) stellt sich eine ganze Fußball-Nation nun die bange Frage: Wird Schewa rechtzeitig vor dem Anpfiff am Dienstag fit, um mit einem dringend benötigten Sieg den Vorrunden-K.o. für den zweiten Gastgeber zu verhindern?

Flüssigkeit im Knie hemmt seine Bewegungen vor seinem möglicherweise letzten Länderspiel. In den beiden bisherigen EM-Partien gegen Schweden (2:1) und Frankreich (0:2) hatte er jeweils einen Schlag bekommen. Die Chancen auf einen Einsatz seien «50:50», berichtete Teamarzt Leonid Mironow im ukrainischen Fernsehen, «ich denke, Andrej wird mit all seinem Verlangen, seinem Land und der Welt zu zeigen, dass er ein Profi ist, sein Bestes geben, um zu spielen.»

Schewtschenkos Teamkollegen zählen ebenfalls auf den Doppeltorschützen des Auftaktspiels. «Er ist in jedem Spiel sehr wichtig für die Ukraine. Wir wissen nicht, ob er spielen kann oder nicht, aber jeder hofft, dass er fit wird», meinte der frühere Bundesligaakteur Woronin. Für Bayern-Profi Andrej Timostschuk ist der Kapitän «ein großer, großer Spieler unserer Mannschaft. Es wäre gut für uns, wenn er spielen würde.»

Auch wegen der Nachricht vom möglichen Ausfall Schewtschenkos blieb die Stimmung bei der öffentlichen Einheit unter den knapp 1000 Zuschauern im Metalurg-Stadion zurückhaltend. Nur ab und zu hallten «Ukraina, Ukraina»-Rufe über die halbleeren Sitzreihen. Die Euphorie ist vorerst verflogen. Das Schicksal des gescheiterten Co-Turniergastgebers aus Polen spornt die Gelb-Blauen allerdings auch an. «Wir wissen, wie wichtig dieses Spiel für die Ukraine ist und wir wollten weiter als Polen kommen», betonte Woronin, «das ist das größte Spiel der Geschichte unseres Landes, weil es die letzte Chance ist, ins Viertelfinale zu kommen.»

Dass die Ukraine die vergangenen sechs Spiele in der Donbass Arena nicht gewonnen hat, schreckt den WM-Viertelfinalisten von 2006 ebenso wenig wie die Rückkehr von Englands Topstürmer Wayne Rooney. «Natürlich ist Rooney sehr gefährlich, aber man darf nicht vergessen, dass er seit einem Monat nicht mehr gespielt hat», meinte Schewtschenko.

Am Montag standen weitere Untersuchungen für ihn auf dem Programm. Der 35-Jährige könne selbst bestimmen, ob er auflaufen wolle oder nicht, verriet Teamarzt Mironow. Und welche Entscheidung Schewtschenko am liebsten treffen würde, hatte er bereits nach der Niederlage gegen Frankreich angedeutet, die unter Pfiffen der ukrainischen Fans zu Ende ging. «Ich würde es hassen, wenn meine letzten Erinnerungen an meine Zeit für die Ukraine wären, von den Fans ausgebuht zu werden», meinte der Rekordtorschütze, «dieser Gedanke jagt mir Angst ein.»

Fußball-EM Nachrichten
Meistgelesene Artikel
Anzeige
  • Regionalsport
  • Newsticker
  • Lokalticker
Sport-Lokalteile
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach