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Warschau

Polens Verbandschef Lato lehnt Rücktritt ab

dpa

Unbeeindruckt von der massiven Kritik nach dem vorzeitigen EM-Aus will Polens einstiges Fußball-Idol Grzegorz Lato den krisengeschüttelten Verband (PZPN) als Präsident weiterführen.

In der Kritik
Polnische Politiker fordern PZPN-Präsident Grzegorz Lato zum Rücktritt auf.
Foto: Rafal Guz – DPA

«Ich sehe keinen Grund, im Zusammenhang mit dem Ausscheiden zurückzutreten», sagte der frühere Torjäger in Warschau. Gleichzeitig erklärte Lato, er klebe nicht an seinem Stuhl. «Am 27. Oktober sind Vorstandswahlen. Ob ich kandidiere, werde ich bis zum 5. Juli entscheiden.»

Die Liste der Kritikpunkte am Verband ist lang: Mauscheleien, schlechtes Management, mangelnde Jugendarbeit, und immer wieder Korruptionsaffären. Eine gute Europameisterschaft im eigenen Land sollte von den Problemen ablenken, doch nach dem sieglosen Scheitern in der Vorrunde hat der Druck auf Lato sogar noch zugenommen.

Verbandsinterne Kritiker hätten ihn am liebsten schon vor der EM abgesetzt. Sportministerin Joanna Mucha hatte Lato noch am Montag an seine Ankündigung im Vorfeld des Turniers erinnert, im Falle des Scheiterns sein Amt niederlegen zu wollen. Doch davon will Lato jetzt nichts mehr wissen.

Am Dienstag legte Mucha nach. «Der Verband hat ein miserables Management, er hat der Mannschaft schlechte Voraussetzungen geschaffen», schimpfte die Sportministerin. Über die Lage im PZPN, die auch von den Nationalspielern kritisiert wurde, sei sie auch mit UEFA-Chef Michel Platini im Gespräch.

Justizminister Jaroslaw Gowin sprach sich ebenfalls für einen Rücktritt Latos aus: «Wenn er ein bisschen Ehre hätte, würde er zurücktreten.» Der PZPN sei eine Institution, die noch immer in der Mentalität der kommunistischen Zeiten verharre, und die Verbandsspitze unternehme nichts gegen die «Pathologie» im Inneren, kritisierte Gowin.

«Kritisiert so viel ihr wollt, ich habe eine dicke Haut», konterte Lato in einem Interview der Sportzeitung «Przeglad Sportowy» und hielt dagegen: «Die Spieler hatten alles, um einen Erfolg zu erzielen. In der Hinsicht ging es ihnen so gut wie nie zuvor. Nichts hat ihnen bei den Vorbereitungen gefehlt.»

In den vergangenen Jahren hatten wiederholt Korruptionsaffären für negative Schlagzeilen gesorgt. Forderungen der Oppositionsparteien, den Verband unter die Aufsicht eines staatlichen Kurators zu stellen, wies Gowin jedoch zurück: «Wir sind ein Rechtsstaat, und ich sehe keine Grundlage, wie das zu machen ist.»

Bereits vor Monaten hatte Mucha eine Kontrolle des PZPN angeordnet, um nach Korruptionsvorwürfen die Finanzen des Verbands zu prüfen. Lato betonte, dabei seien keine Unregelmäßigkeiten entdeckt worden. Er weist auch jede Verstrickung in eine Korruptionsaffäre bei der Ausschreibung für das neue PZPN-Gebäude zurück.

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