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Donezk

Frankreichs Beckham: Der Aufstieg des Olivier Giroud

dpa

Vor vier Jahren war Olivier Giroud am Boden. Nach einer Ausleihe in die dritte Liga hoffte der Stürmer endlich auf seine Chance beim Ligue-1-Aufsteiger FC Grenoble – und wurde vom damaligen Manager Mehmed Bazdarevic bitter enttäuscht.

Wechsel
Frankreichs Nationalspieler Olivier Giroud geht künftig für Arsenal auf Torejagd.
Foto: Carmen Jaspersen – DPA

«Er sagte mir, dass ich nicht das Niveau für die zweite Liga, geschweige denn die erste Liga habe», erinnert sich Giroud als heutiger Nationalspieler und EM-Teilnehmer ohne Groll an die groteske Fehleinschätzung.

Der 1,92 Meter große Angreifer nahm erneut einen Umweg zum rasanten Aufstieg. Über den Zweitligaclub FC Tours wechselte er zum HSC Montpellier. Beim Überraschungsmeister krönte sich Giroud diese Saison mit 21 Treffern und neun Vorlagen zum Torschützenkönig und soll nach der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine einen Vierjahresvertrag beim FC Arsenal unterschreiben. «Er hat ein großes Potenzial und ist ein harter Arbeiter», lobt Nationaltrainer Laurent Blanc den 25-Jährigen, «er hat einen ungewöhnlichen Weg genommen, wie weit es dabei gehen kann, wusste er selbst nicht.»

Inzwischen ist sich Giroud seiner Stärke bewusst. Dank seiner Kopfballhoheit, klugem Spiel mit dem Rücken zum Tor und auch dem ersten Länderspieltreffer beim 2:1-Sieg gegen Deutschland im Februar geriet «der untypische Spieler» (Blanc) zunächst in den Fokus des FC Bayern. «Er ist ein sehr guter Spieler, aber ich habe ihn nur einmal gegen Deutschland gesehen und sein Spiel ähnelt ein wenig (Mario) Gomez», erläuterte Münchens Präsident Uli Hoeneß in der Radiosendung des Ex-Bayern Bixente Lizarazu den Verzicht auf eine Verpflichtung.

Dabei kann Giroud auch beim Glamourfaktor mit Gomez konkurrieren. Seinen rechten Unterarm ziert ein lateinischer Bibelpsalm, auf dem linken finden sich Symbole für Familie, Mut, Liebe und Kraft. «Ich liebe es auf mich zu achten, auf die Art meiner Haare oder meiner Kleidung», berichtet Giroud, dem das Image als französischer Beckham schmeichelt.

Vom Schwulen- und Lesbenmagazin Têtu wurde der «heiße Typ» («L'Express») zum sexiesten Profi des Jahres 2011 gekürt. Im Interview der Juni-Ausgabe zeigte er als Coverboy, dass auch sein Kopf mit dem muskulösen Körper mithalten kann. «Ich mache keinen Unterschied zwischen einem Homo und einem Hetero», sagte Giroud, «wenn ich ein bisschen dazu beitragen kann, die Ansichten und die Mentalität zu ändern, würde ich mich freuen.»

Langfristig würde er gerne auch etwas an seiner Rolle im Nationalteam korrigieren. Vor dem letzten Gruppenspiel gegen Schweden am Dienstagabend in Kiew war der Platz im Sturmzentrum bei der EM an Real Madrids Star Karim Benzema vergeben. Er müsse an «die Balance der Mannschaft denken», hatte Coach Blanc stets begründet, warum die beiden Angreifer nicht zusammen auf dem Feld agieren. Aber Olivier Giroud hat in seiner Karriere schon ganz andere Hindernisse überwunden.

Uli Hoeneß bei Club Liza

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