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Krakau

Englands Spieler loben «Anti-Capello» Hodgson

dpa

Das wäre unter Vorgänger Fabio Capello nicht passiert. Als Englands neuer Nationaltrainer Roy Hodgson während der Fußball-EM von einem Journalisten zum Tagesablauf des Teams gefragt wurde, antwortete der Capello-Nachfolger: «Das hängt von den Spielern ab. Wir müssen mal sehen, was sie für Bedürfnisse haben».

Umgänglich
Englands Coach Roy Hodgson bei der Pressekonferenz mit Steven Gerrard.
Foto: EPA – DPA

Hodgson drehte den Kopf bedächtig zur Seite und leitete die Frage einfach an den neben ihm sitzenden Kapitän Steven Gerrard weiter. «Was meinst du, Steven?». Und wieder richtete Hodgson kurz das Wort an die Journalisten: «Das sollten sie wirklich lieber Steven fragen.»

Dass die Spieler so eng bei Trainer-Entscheidungen eingebunden werden, war bis zum Frühjahr undenkbar. Unter Disziplin-Fanatiker Capello herrschte zwischen 2007 und 2012 ein rigides Regiment bei den «Three Lions» – strenge Regeln, kaum Kommunikation mit den Spielern. Das hat sich unter Hodgson komplett geändert. «Es ist sehr entspannt, aber gleichzeitig sehr professionell», erklärte der Vorsitzende des englischen Fußballverbandes FA, David Bernstein.

Der 64-Jährige wurde erst Anfang Mai für viele völlig überraschend zum neuen England-Coach ernannt, nachdem Capello im Frühjahr im Streit mit der FA zurückgetreten war. Der frühere Weltenbummler Hodgson bekam sogar einen Vierjahresvertrag. Eigentlich galt der bisherige Tottenham-Trainer Harry Redknapp als Favorit. Doch die FA zog den weltmännischen Hodgson dem eher bärbeißigen und hemdsärmeligen Redknapp vor, der vor Wochen auch noch mit dem Bekenntnis verblüffte, gar nicht richtig schreiben zu können. Hodgson arbeitete dagegen als Club-Trainer außerhalb Englands bereits in Schweden, Italien, Dänemark, Norwegen und der Schweiz. Zudem führte er die Eidgenossen nach 28 Jahren wieder zu einer WM (1994 in den USA) und coachte die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Finnland.

Mit all dieser Erfahrung, seinem Charme und seiner kumpelhaften Art kommt der bisherige Coach von West Bromwich Albion bei den Spielern bestens an. «Er gibt uns viel Freizeit und versteht einfach sehr gut, was wir brauchen», lobte Stürmerstar Wayne Rooney. Vor dem Turnier verblüffte Hodgson sein Team in zahlreichen Einzelgesprächen mit vorab eingeholten Informationen über die Familien der Spieler und stellte gezielt Fragen zu den Ehefrauen, Partnerinnen oder Kindern.

Bei Capello gab es dies nie, geschweige denn Einzelgespräche überhaupt. Die soll der 66 Jahre alte Italiener weitestgehend vermieden haben, weil er seine Sprachprobleme nie richtig überwand. «Es ist gut, wieder einen richtigen Engländer als Trainer zu haben, wir haben jetzt keine Verständigungsprobleme mehr», sagte etwa Rooney und leistete sich damit eine Spitze gegen Capello.

Unabhängig vom Ausgang der EURO sind die englischen Spieler bereits nach wenigen Wochen unter Hodgson voll des Lobes. Der neue Coach schuf im EM-Quartier im Zentrum Krakaus eine Wohlfühloase und sorgte für prächtige Stimmung. «Die Jungs arbeiten und trainieren hart und sind sehr fokussiert, aber das alles basiert auf einem generell guten und entspanntem Gefühl», stellte FA-Boss Bernstein fest.

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