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    Del Bosque: Erfolgscoach mit Bernhardiner-Image

    Nach Spaniens erneutem EM-Triumph hatte Vicente del Bosque erstmal keine Zeit zum Feiern. Der König wollte den spanischen Trainer am Telefon sprechen. Kronprinz Felipe gratulierte in Kiew persönlich. Die royalen Glückwünsche trafen den Richtigen.

    Erfolgscoach
    Coach Vicente del Bosque ist der Vater des spanischen Erfolges.
    Foto: Andreas Gebert - DPA

    Del Bosque hat als Trainer mehr geschafft als Giovanni Trapattoni, Franz Beckenbauer und alle anderen Größen des Fußball-Geschäfts. Er hat als erster Fußball-Lehrer bei einer WM, EM und in der Champions League Titel geholt.

    Spaniens beeindruckender Finalsieg gegen Italien bei der Europameisterschaft bedeutete auch für den 61-Jährigen persönlich ein einmaliges Triple. Als del Bosque nach dem glanzvollen 4:0 in Kiew von einer «historischen Nacht» sprach, dachte er freilich nicht an seine Leistung, sondern ausschließlich an den historischen Hattrick der «selección.»

    Eitelkeit ist dem Mann mit dem Bernhardiner-Image völlig fremd. Erfolg ist für del Bosque immer das Ergebnis akribischer Teamarbeit. Zudem ist ihm wichtig, die Spieler als mündige Ratgeber in seine Entscheidungen mit einzubeziehen. Er diktiert seiner Mannschaft nicht autoritär seine Vorstellungen, sondern will, dass diese die Spielphilosophie teilt und bewusst verinnerlicht.

    Eigentlich kommt del Bosque dem Ideal des lieben, gemütlichen Opas sehr nahe. Egal ob beim öffentlichen Training oder bei Pressekonferenzen: Stets reagiert er ruhig, besonnen und freundlich. Die schütteren Haare, der imposante Schnauzer und die füllige Figur verstärken dieses Bild. «Drei Titel zu gewinnen, ist beinahe unmöglich. Ich wollte wirklich nicht der Trainer sein, der gewinnt, sondern der Trainer der ausbildet», sagte er nach dem erneuten Triumph.

    Wegen der Großvater-Erscheinung wird del Bosque leicht unterschätzt. Viele können sich immer noch nicht richtig vorstellen, wie so ein verständnisvoller Trainer so erfolgreich sein kann. Zweimal Champions-League-Gewinner mit Real Madrid (2000 und 2002), erster Weltmeister-Triumph mit Spanien 2010 und jetzt als weiterer Meilenstein der EM-Titel in Kiew. Den Doppeltitel von EM und WM hatte zuletzt Helmut Schön 1972 und 1974 mit Deutschland gewonnen.

    Aber del Bosque ist ein feinsinniger Fachmann mit einem großen taktischen Verständnis und einer klaren Spielphilosophie. Sich selbst bezeichnet der ehemalige Real-Profi als «Praktiker» mit einer klaren Linie. «Ich bevorzuge das einfache Fußballspiel», sagte er einmal. Ein Grundprinzip von del Bosques Arbeit ist zugleich, dass er seinen Stil nach seinem Kader flexibel ausrichtet: «Ich habe meine Vorstellung, wie das Spiel im Idealfall aussehen sollte. Aber wenn die vorhandenen Spieler nicht mit dem Modell harmonieren, orientiere ich mich an ihren Besonderheiten.»

    Bei der Nationalmannschaft muss del Bosque angesichts von Genies wie Xavi, Andrés Iniesta & Co keine Abweichungen von seiner Grundidee vornehmen. Die aktuelle Generation verkörpert geradezu ideal sein schnelles, kreatives, extrem ballbesitzorientiertes System.

    Als Trainer seines Stammvereins Real Madrid hatte er in Zinedine Zidane, Luis Figo, Ronaldo und Roberto Carlos ebenfalls Koryphäen im Kader. Mit den «Galaktischen» siegte del Bosque nicht nur zweimal in der Königsklasse, er holte auch zwei Meistertitel. Trotzdem trennte sich die eloquente Club-Führung von ihm, weil ihr der honorige Coach nicht charismatisch genug war, «Ich habe geweint», sagte er zu seinem Rausschmiss bei Real nach 35 Jahren in verschiedenen Funktionen. «Für mich war es meine Familie.»

    Schon als Jugendlicher spielte der aus Salamanca stammende del Bosque für Madrid oder eine der Vereinsfilialen. Als 1973 Günter Netzer als neuer Regisseur zu dem Kult-Club kam, leistete del Bosque als Renner und Kämpfer im Mittelfeld die Kärrnerarbeit für den blonden Star wie zuvor Hacky Wimmer bei Borussia Mönchengladbach. Ein Jahr später war Paul Breitner sein Partner. Mit fünf Meisterschaften und vier Pokalsiegen mit dem Star-Ensemble kam er auf eine beachtliche Bilanz als Profi. Nur der große internationale Erfolg blieb aus.

    Für die «selección» lief er 18 Mal auf. Wegen einer Verletzung verpasste er die WM 1978 als Höhepunkt. Drei Jahrzehnte später übertrug der spanische Verband dem «Welt-Club-Trainer 2002» dann das Amt als Nationalcoach. Mit dem WM-Erfolg und nun dem EM-Gewinn hat er seinen Vorgänger Luís Aragonés innerhalb von zwei Jahren übertrumpft.

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