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Özil: Internet-Hetze «belastet nicht»

dpa

Mesut Özil tauchte erst einmal ab. Der Bundestrainer gönnte seinem Zauberfuß vor dem in der Heimat schon heiß erwarteten EM-Viertelfinale gegen Griechenland einen Erholungs- und Regenerationstag weit weg von allen Diskussionen um den Star.

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Mesut Özil hat nach den rassistischen Vorwürfen Anzeige erstattet.
Foto: Marcus Brandt – DPA

«Die große Explosion Özils kommt noch, ich spüre das», erklärte Joachim Löw im Brustton der Überzeugung. Mit einer über Twitter verbreiteten Internet-Hetze gegen den Fußball-Liebling vieler deutscher Fans beschäftigte sich nur Mesuts Vater. «Es geht ja hier nicht allein um Mesut. Morgen ist es vielleicht Boateng, übermorgen Khedira, dann auch noch Gündogan und am Ende Podolski. Das geht doch nicht», sagte Mustafa Özil.

Während des letzten Gruppenspiels des DFB-Teams in Lwiw gegen Dänemark war über einen anonymen Twitterkanal die Nachricht verbreitet worden: «Özil ist garantiert kein Deutscher! Ein Stück Papier ändert nicht die Abstammung.» Nach rund 3000 Tweets und zahlreichen Protesten hatte Twitter das Profil geschlossen. «Bislang waren das nur Einzelfälle. Aber jeder Fall von Rassismus ist einer zu viel», sagte UEFA-Chef Michel Platini nach schon mehreren Vorkommnissen während der EM.

Özils Management hat sich zu einer Anzeige gegen Unbekannt entschlossen, auch als Präventivmaßnahme. «Mesut ist in Deutschland geboren, hat mehr für Deutschland getan und auch für die Integration anderer Menschen als viele andere», betonte sein Vater.

Die schwachsinnige Hetzkampagne hat Özil und seine Familie getroffen. «Aber es belastet jetzt nicht die Leistung von Mesut als Fußballspieler», versicherte Mustafa Özil, inzwischen auch der Berater des Real-Profis. Löw hat daran keine Zweifel, auch wenn der 23 Jahre alte Özil recht schwer in das EM-Turnier fand und der ganz große Fußball-Zauber bisher fehlte. «Ich kann noch besser spielen», gab der 36-malige Nationalspieler zu. Der DFB-Chefcoach bescheinigte Özil, der aber immerhin den entscheidenden Pass zum 2:1-Siegtreffer von Lars Bender gegen die Dänen gegeben hatte, eine deutliche Steigerung: «Mesut Özil hat sich stark verbessert.»

Löw sieht eine große Diskrepanz zwischen der öffentlichen Beurteilung von Özils bisherigen EM-Auftritten und seiner eigenen Sichtweise. Gerade von dem Filigrantechniker mit den Knopfaugen erwarten Zuschauer und Kritiker stets etwas Besonderes. José Mourinho, sein Trainer bei Real Madrid, hat Özil als derzeit «besten Zehner der Welt» bezeichnet. «Viele schauen auf seine individuelle Leistung, der Trainer sieht das Gesamtprodukt», erläuterte Löw und lobte Özils mannschaftsdienliche Spielweise: «Er hat wahnsinnig viel Wege gemacht, war wahnsinnig viel am Ball.»

Der Bundestrainer weiß auch genau, wie Özil noch mehr seine fußballerische Genialität einbringen könnte – gerade am Freitag gegen die griechischen Abwehrhelden. Seine überragenden Pässe in die Tiefe, in die Schnittstellen des Defensivbollwerks würden auch von den Laufwegen seiner Kollegen abhängen. «Was er braucht, sind gute Anspielmöglichkeiten.» Dann würde er auch wieder explodieren wie in den K.o.-Spielen bei der WM 2010 gegen England (4:1) und Argentinien (4:0). «Ich spüre, dass das wieder kommt», bemerkte Löw.

Zu den rassistischen Twitter-Äußerungen will sich Özil bis zum Griechenland-Spiel nicht äußern. «Das wichtigste Ziel ist es, dass ich mich auf Fußball konzentriere. Für alles andere ist mein Vater zuständig», hatte der gebürtige Gelsenkirchener schon in der Gruppenphase erklärt. Özils Vater und sein Management hatten lange überlegt, ob sie juristisch gegen die Internet-Hetze vorgehen sollen oder nicht. «Aber hier wurde eine Grenze überschritten. Wir wollen vor allem Wiederholungen vermeiden», betonte Mustafa Özil.

Schon in der Vergangenheit habe es ähnliche Vorfälle gegeben, berichtete Özils Vater, der mit der Strafanzeige nun ein Zeichen setzen will: «Wir wollen das nicht mehr zulassen – auch im Sinne der anderen Spieler.» Mesut sei ein wunderbarer Junge, «der seinen Teil dazu beigetragen hat, dass dieses Bild des modernen Deutschland nach außen getragen wurde», ergänzte Mustafa Özil.

Deutsches Team
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