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«Schnitzel» und «Paprikawurst»: Die EM-Spitznamen

dpa

Witzige Wortschöpfungen, kauzige Charakterisierungen, aber auch einfallslose 08/15-Erfindungen: Bei den Spitznamen der Spieler und Mannschaften der Fußball-EM ist eigentlich alles vertreten.

Schmächtig
Tomas Rosicky wird auf dem Aufstellungsbogen nur «Schnitzel» genannt.
Foto: Aidan Crawley – DPA

«Schnitzel» Tomas Rosicky steht auf jedem Aufstellungsbogen des tschechischen Teams «Národák». Dagegen zählt «Paprikawurst» Raúl Albiól bei dieser Fußball-EM nicht zum festen (Speise)-Plan von Titelverteidiger Spanien. Aber auch der Innenverteidiger von Real Madrid hat einen der witzigsten Spitznamen der bei diesem Turnier vertretenen Spieler.

Rosicky bekam bei seinem Engagement bei Borussia Dortmund den Beinamen verpasst, weil ein deutscher Journalist zu dem schmächtigen Ballzauberer sagte: «Junge, iss doch mal ein Schnitzel.» Tschechiens Regisseur mag seinen deutschen Spitznamen aber nicht, er heißt in seiner Heimat als Abwandlung seines Nachnamens «Rossa». Für Albiol gilt die Koseform «Chori» von Chorizo. Also ist er streng genommen nur ein «Paprikawürstchen».

Teilweise triefen die «Nicknames» für die Kicker und Coaches auch vor Sarkasmus, zeugen von beißender Ironie oder sind einfach nur Ausdruck größter Sympathie. So fies und hinterlistig wie Italiens Stürmer-Schlitzohr Antonio Cassano («Sant' Antonio») hätte der «Heilige Antonio» sicher nie gespielt.

Nicklas Bendtner ist dagegen tatsächlich ein «Quick Nick». Der dänische Angreifer wurde schon mehrfach wegen zu schnellen Fahrens erwischt und musste sogar einmal seinen Führerschein für vier Wochen abgeben. Für die Spanier bleibt Fernando Torres «El Niño». Das «Kind» ist mit 28 Jahren zwar längst ein Mann, hat aber immer noch ein Milchbubengesicht, rosige Wangen und stets ein sympathisches Lächeln.

Dick Advocaat heißt nicht von ungefähr «der kleine General». Der Trainer der russischen «Sbornaja» misst gerade mal 1,70 Meter vom Scheitel bis zur Sohle und führt äußerst autoritär Regiment – allerdings diesmal ohne Erfolg. Frankreichs Laurent Blanc galt schon während seiner aktiven Zeit als Abwehrchef beim WM-Sieg 1998 und EM-Triumph 2000 als «le Président». Bei dieser EURO sagte Blanc dazu leicht säuerlich: «Es ist besser, diesen Spitznamen zu haben als einen anderen. Aber der Präsident ist der Präsident und ich bin der Coach – ich bin nicht beides!»

Die Deutschen sind da, anders als bei ihrer Spielweise, kaum kreativ. Längst sind die Zeiten vorbei als «Tante Käthe» Rudi Völler oder «Bomber» Gerd Müller Tore am Fließband produzierten und «Kaiser» Franz Beckenbauer als Libero brillierte. Verniedlichungen sind die Regel: «Jogi» Löw, «Basti» Schweinsteiger, Lukas «Poldi» Podolski oder «Miro» Klose. Neu im Kader sind «Schü» Schürrle und «Gündo» Gündogan. Dass Per Mertesacker «Langer» gerufen wird, liegt bei 1,98 nahe.

Da ist «Lolek und Bolek» schon witziger. Dortmunds Meistercoach Jürgen Klopp nennt Jakub «Kuba» Blaszczykowski und Lukasz Piszczek so nach einer polnischen Comicserie, weil die beiden auch abseits des Fußballs unzertrennlich sind. Cristiano Ronaldo heißt bei seinen Madrider Teamkollegen «La Máquina» (die Maschine). Der portugiesische Super-Star stählt wie verrückt seinen Adonis-Körper, schießt Tore am Fließband und ist nie verletzt. Gerard Piqué gilt wegen seiner eleganten, aber auch kompromisslosen Spielweise als spanischer Beckenbauer und damit «Piquénbauer».

Bei den Nationalmannschaften überwiegen bei den Spitznamen die traditionellen Trikotfarben: «Azzurri», die himmelblauen Italiener, «Les Bleus» für Frankreichs Blau, «La Roja» wegen Spaniens roten Hemden, «Oranje bei den Niederländern». Die Iren sind die «Boys in Green» und die Kroaten wegen ihrer Karos die «Kockasti». Wenig einfaltsreich ist der schlichte Begriff «Team» in der jeweiligen Landessprache: «Selección», «Sbornaja» oder «Národák».

Ansonsten natürlich die englischen «Three Lions» (drei Löwen) und die schwedischen «Tre Kronor» (drei Kronen). «Danish Dynamite» stößt dagegen bei Trainer Morten Olsen eher auf Abneigung. «Das sind ganz andere Zeiten und völlig unterschiedliche Teams», sagte er. In den 80er Jahren hatte Olsen als dynamischer Libero noch selbst zu diesem zutreffenden Spitznamen beigetragen.

Buntes
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