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Berlin

Millionen feiern deutsche Elf

dpa

Zuerst das Zittern, dann der Jubel: Millionen deutsche Fußballfans haben nach dem Arbeitssieg der deutschen Nationalelf den Einzug ins Viertelfinale ausgiebig gefeiert.

Fanmeile
Auf der Berliner Fanmeile herrscht schon Stunden vor dem Anpfiff Hochbetrieb.
Foto: Hannibal – DPA

Auf Deutschlands größter Fanmeile in Berlin schrien am Sonntagabend 400 000 Zuschauer ihre Freude laut heraus, in zahlreichen Städten legten Autokorsos den nächtlichen Verkehr lahm, selbst im westukrainischen Lwiw herrschte nach dem 2:1-Sieg der Deutschen über Dänemark schwarz-rot-goldene Jubelstimmung.

21.03 Uhr: Ein lautes «Tooor» aus tausenden Kehlen beim 1:0-Treffer durch Lukas Podolski in seinem 100. Länderspiel, «Poldi, Poldi»-Rufe lassen die Berliner Fanmeile erbeben. Die Zuschauer tanzen, grölen, liegen sich in den Armen – alle sind sicher: Deutschland ist durch. Nur fünf Minuten später stöhnen die Fans auf – Dänemark schießt das 1:1. Und nach dem 2:1-Treffer der Portugiesen gegen die Niederlande weiß hier jeder, wenn Dänemark noch einmal trifft, ist Deutschland ausgeschieden. Um 22.21 Uhr die Erlösung: Verteidiger Lars Bender, Ersatzmann für den gesperrten Jérôme Boateng, schießt das 2:1 – «Oh, wie ist das schön», singen die Fans.

27,65 Millionen erlebten das Zitterspiel zu Hause vor dem TV – das war jeder dritte Fernsehzuschauer zu dieser Zeit. Damit liegt die Partie in der Quoten-Hitliste aller EM-Spiele seit 1992 auf Platz sechs, direkt dahinter das Spiel Deutschland-Niederlande (2:1), das 27,28 Millionen Zuschauer verfolgt hatten.

Einige Millionen dürften auch wieder bei Fanfesten sowie Public Viewings in Kneipen, Bars oder Biergärten mitgefiebert und gefeiert haben. Fußball-Feier-Ort Nummer eins: Die Fanmeile in der Hauptstadt. Wie schon bei den vorigen beiden Deutschland-Spielen strömten wieder Massen auf die Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule – in schwarz-rot-goldene Flaggen gehüllt, als Fußbälle verkleidet, mit Trillerpfeifen und Tröten. Der Ansturm war so groß, dass bereits vor Spielbeginn alle Eingänge geschlossen wurden.

In Hamburg feierten etwa 65 000 Fans gemeinsam den Einzug der deutschen Elf ins Viertelfinale – Rekord für die EM 2012. In Schönau im Schwarzwald, der Heimatgemeinde des Bundestrainers Joachim Löw, verfolgten Dutzende Fans in einem Festzelt des Fußballclubs das Spiel gegen Dänemark. «Ganz Schönau drückt die Daumen», stand auf einem Transparent. Im Vereinsheim von Unlingen zwischen Stuttgart und Konstanz fieberten die gut 50 Fans vor allem mit «ihrem» Mario Gomez – beim Dorfclub SV Unlingen hatte der Stürmer mit dem Fußballspielen begonnen. An der Wand hängt das Trikot, dass Gomez bei seinem ersten Länderspiel getragen hat. «Natürlich sieht man sich hier das Spiel ganz anders an. Wir Unlinger identifizieren uns zu 1000 Prozent mit dem Mario», sagt Roland Selig, der Gomez seit seiner Kindheit kennt.

Nach dem Spiel ist vor dem Autokorso: Waren es früher vor allem Türken oder Kroaten, die Siege ihrer Teams ausgiebig und laut hupend feierten, sind seit der Heim-WM 2006 auch die Deutschen mit dabei. Allein in Heilbronn bildeten rund 800 Fahrzeuge Kolonnen, die den Verkehr lahmlegten; in Berlin war wieder einmal der Kurfürstendamm von Auto-Fans belagert – zwei Stunden lang. In Stuttgart feierten Fans der deutschen und der portugiesischen Fußballnationalelf gemeinsam das Weiterkommen ihrer Teams. In Recklinghausen endete die Autokorso-Party für einen Fan im Krankenhaus. Seine Flagge verfing sich im Quad des Mannes, das offene Gefährt stürzte um, der Fan kam schwer verletzt in eine Klinik, wie die Polizei am Montag mitteilte.

Am Spielort Lwiw im Westen der Ukraine jubelten rund 13 000 deutsche Fans über den Zittersieg. Viele von ihnen hatten Tickets für die Partie, etliche wollten aber auch einfach nur in der Nähe des Stadions beim Fanfest dabei sein. Mit schrillen Gesängen und reichlich günstigem Bier feierten sie bis in die Nacht.

Neben schwarz-rot-gold waren aber auch rot und weiß in Lwiw präsent. Dänische Fans sangen vor dem Spiel ihren klassischen Schlachtruf «Vi er roede, vi er hvide» (Wir sind rot, wir sind weiß) und zeigten die dänische Flagge, den Dannebrog, in allen möglichen Variationen – auf Fahnen, Shirts, Hüten oder ins Gesicht geschminkt. Am Ende aber ließen sie genauso traurig die Köpfe hängen wie die 25 000 Rot-Weißen im Kopenhagener Park Kongens Have. Aus der Traum: Die Sensation von 1992, als Dänemark im Finale gegen Deutschland den Titel holte, wird sich 2012 nicht wiederholen. Dänemark ist ausgeschieden.

Buntes
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