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    Frankfurt/Main

    «Tolles Event» und müdes Gähnen: WM-Spurensuche

    Zwischen Hype um die deutschen Spielerinnen und mäßigem Interesse für den Rest der Frauenfußball-Welt schwankt die WM. Noch 16 Mal schlafen, dann ist Endspiel.

    Event
    Beim Public Viewing in Frankfurt am Main sammeln sich die meisten Fans.
    Foto: DPA

    Die «Sommermädchen» begeistern Deutschland. Célia Okoyino da Mbabi, Kim Kulig, Lira Bajramaj und Simone Laudehr sind plötzlich Fußball-Stars und dürfen sich auf Titelseiten und im Fernsehen bestaunen. Aber ist es nicht eine Weltmeisterschaft im Schonwaschgang - mit Weichspüler und ohne Schleudern? Nur ein Trommelwirbel?

    Oliver Kahn erweist sich als weiser Prophet. «Wir leben heute in einer Zeit der Eventisierung. Deshalb glaube ich, dass das ein tolles Event ist, das viele, viele Menschen anziehen wird, und ein großer Erfolg wird», hatte der frühere Nationaltorhüter vor der WM gesagt.

    Bei einem Gesamtbudget von 51 Millionen Euro hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) all seine PR-Künste in die Waagschale geworfen, um die Stadien zu füllen. Zugleich wurde eine beispiellose Kampagne für die Mannschaft des zweifachen Weltmeisters gestartet. Das «Sommermärchen» 2006 war ein Selbstläufer, für 2011 hat man dem sportinteressierten Volk Beine gemacht.

    «Es ist unglaublich, dass eine neu geschaffene Sportart innerhalb von 30 Jahren das zweitgrößte Mannschaftssportereignis der Welt auf die Beine stellt», sagt Soziologe Helmut Digel (Tübingen) in der «Zeit». Bis 1970 war Frauenfußball hierzulande nämlich verboten, wie Mann mittlerweile weiß. Aber selbst bei dieser WM müssen 20-jährige Nationalspielerinnen herhalten für einen Geschlechterkampf, der im Heiligtum Fußball immer noch tobt.

    Der ewige Vergleich mit dem Männerfußball ist eines von zwei Dilemmata, aus dem «20elf» trotz des Medienhypes nicht herauskommt. Bibiana Steinhaus, die einzige deutsche WM-Schiedsrichterin, weigert sich mittlerweile Antworten auf Fragen zu geben, wo es um die Unterschiede zwischen der Männer- und Frauenkickerei geht. Babett Peter antwortet in Pressekonferenzen - noch - auf Fragen, ob sie sich auf dem Laufsteg vorstellen kann. «Nein», sagt die Abwehrspielerin. «Ich trage nie Highheels und ich stehe auch nicht gerne im Mittelpunkt.» Sommerpause haben nicht mal unqualifizierte Machosprüche. «Es gibt so viel Elend auf der Welt, da muss man nicht auch noch Frauenfußball gucken», heißt es als Kalauer im Radio.

    Ja, Frauenfußball ist langsamer und weniger athletisch. Ja, die Schüsse sind nicht so hart und meistens auch nicht so präzise, die Zweikämpfe vielleicht nicht so packend. Und genau genommen ist die Spielkultur in der ersten WM-Woche keine allzu hohe: Ballzauber? So hieß die Show der Stadt Frankfurt am Main zum WM-Kick-off. Aber Fußball als Familienfest funktioniert fantastisch: ohne besoffene und grölende Fans, ohne Bengalos, ohne massenhaft Polizisten. Eine runde Sache.

    Vor allem bei der gut vermarkteten deutschen Mannschaft: längst ausverkaufte Stadien, exorbitante Einschaltquoten, La Ola rollt. Dass es keine Autokorsos gibt? Da sitzen doch eh meist Männer am Steuer. Kulig und Co. haben etwas Erfrischendes, Unverbrauchtes und sind die Helden der über einer Million Kickerinnen in Deutschland und ihrer Familien - dem echten WM-Volk. Sogar der neue Bayern-Trainer Jupp Heynckes sagt: «Ich habe tatsächlich Frauenfußball geguckt. Und ich muss ganz ehrlich sagen, das war prima.»

    Wer aber glaubt, dass das nach der WM mit der Euphorie zum Beispiel in der Frauen-Bundesliga so weitergeht, der ist «ein Traumtänzer», sagt selbst DFB-Präsident Theo Zwanziger. Im schwarz-rot-goldenen Anstrich kommt die DFB-Auswahl von Silvia Neid glanzvoll daher. Es ist wie beim Biathlon in Oberhof oder Ruhpolding: Hauptsache Deutschland gewinnt, dann herrscht Superstimmung.

    Und der Rest der Frauenfußball-Welt? Die Bahn leistet derzeit als WM-Sponsor gelegentlich Ergebnisdienste am Kunden. «Das WM-Spiel Nigeria gegen Frankreich endete 1:0 für Frankreich», heißt es im ICE auf der Höhe von Mannheim. Die Fahrgäste schauen sich achselzuckend an, einer gähnt, einer grummelt vor sich hin: «Wen interessiert das denn?»

    Das ist die zweite Krux der Veranstaltung neben der Last des Männerfußballs: Es fehlen die Weltstars. Brasiliens Marta - und dann? Die Frauen haben noch keine Messis, Ronaldos und Drogbas, die praktisch jedes Kind auf der Erde kennt. Die Stadien sind bei den Gruppenspielen der 15 Gast-Mannschaften - dank dreijähriger Werbung durch das WM-Organisationskomitee und der rührigen Macher vor Ort - auch gut gefüllt: Über 720 000 von 900 000 Karten sind weg. Aber die Ballkünste Äquatorialguineas, Kolumbiens oder Neuseelands bringen die Sportnation keine Minute um den Schlaf.

    Auch das Public Viewing bleibt überschaubar. Der Andrang schwankt zwischen gut 2000 in der Fußgängerzone von Wolfsburg und 15 000 in den «Fußballgärten am Main» in Frankfurt. In den bayerischen Biergärten braucht bislang kaum jemand zu fürchten, keinen Platz vor der Leinwand zu bekommen. Ein Frühlingserwachen für den Frauenfußball ist eben kein Sommermärchen. Aber manchmal tönt es leise aus einer Ecke: «Schland o Schland..» Und Laudehr und Co. jubeln so herrlich, dass Männern und Frauen das Herz aufgeht.

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