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    Gegenwind für BVB-Coach Tuchel

    Berechtigte oder riskante Maßnahme? Die harsche Kritik von Thomas Tuchel an seinen Profis im Anschluss an das 1:2 in Frankfurt sorgt weiter für kontroverse Diskussionen. Erstmals in seiner Dortmunder Amtszeit wird die Arbeit des Fußball-Lehrers hinterfragt.

    Thomas Tuchel
    BVB-Trainer Thomas Tuchel hatte seine Spieler kritisiert.
    Foto: Ina Fassbender - dpa

    Dortmund (dpa). Der Trainer poltert, die Vereinsführung schweigt - bei Borussia Dortmund herrscht angespannte Stimmung. Nach der ungewohnt deutlichen und öffentlichen Schelte von Thomas Tuchel für die Mannschaft im Anschluss an das 1:2 bei Eintracht Frankfurt steht nun der Fußball-Lehrer selbst im Gegenwind.

    Nicht nur sein „dramatischer Rundumschlag“ („Frankfurter Allgemeine“) am Samstag, sondern auch seine häufigen „Umbaumaßnahmen und Strategiewechsel“ („Kicker“) werden hinterfragt. Erstmals seit seinem Amtsantritt beim BVB im Sommer 2015 muss sich Tuchel mit Kritik auseinandersetzen.

    Vor allem die „kalte und zornige“ („Süddeutsche Zeitung“) Reaktion von Tuchel auf die schwache Leistung seines Teams in Frankfurt sorgt für kontroverse Diskussionen. „Technisch, taktisch, mental und von der Bereitschaft her - unsere Leistung war ein einziges Defizit“, hatte der Coach geklagt. Wohlmeinende Kommentoren verweisen auf das Recht eines Trainers, sich seine Profis in solchen Situationen zur Brust nehmen zu dürfen. Andere werfen Tuchel fehlende Selbstkritik vor, weil er die Schuld für das 1:2 nur bei der Mannschaft suchte. Dadurch riskiere Tuchel „Risse im Gefüge“ („Ruhr Nachrichten“).

    Dass der Coach zum wiederholten Mal den eigentlich für die Angriffsmitte vorgesehenen Adrian Ramos mit mäßigem Erfolg als Außenstürmer einsetzte, wurde in den Medien gar als „Verbohrtheit“ gewertet. Schließlich stünden in Ousmane Dembélé und Christian Pulisic zwei gelernte und hochtalentierte Profis als Alternativen zur Verfügung.

    Das Schweigen der Vereinsführung in den Tagen nach dem Spiel werten einige Beobachter als Indiz für wachsende Spannungen. Dem Vernehmen nach sorgt Tuchels derzeitige Vorliebe für stete Systemwechsel auch intern für Irritationen. In den 20 Pflichtspielen der Saison lief sein Team in sechs unterschiedlichen taktischen Formationen auf.

    Kritiker monieren, dass dadurch das Bestreben, in der jungen und im Sommer stark veränderten Mannschaft Automatismen zu entwickeln, konterkariert wird. Die rätselhaften Formausschläge des Teams seien deshalb erklärbar. „Die ganze Saison verläuft in einem ständigen Auf und Ab - das ist unbefriedigend“, hatte Tuchel selbst geklagt.

    Beim Vorwurf, die zu starke personelle Fluktuation in der Startelf sorge für zusätzliche Verunsicherung, hat der als Fußball-Akademiker bekannte Tuchel jedoch gute Argumente auf seiner Seite. Schließlich beklagte der BVB in den ersten Saisonspielen großes Verletzungspech.

    Zudem ist sein Verdienst unbestritten, die Spielkultur der Borussia modernisiert und erweitert zu haben. Nicht zuletzt deshalb hat sein Kollege Horst Hrubesch keine Zweifel, dass der BVB-Coach schon bald wieder zu positiveren Schlagzeilen beiträgt. „Das wird sich konsolidieren. Die Mannschaft wird zusammenwachsen und am Ende mit oben stehen“, sagte der einstige DFB-Trainer in einem Sky-Interview.

    Neue unliebsame Schlagzeilen über einen Disco-Besuch von Pierre-Emerick Aubameyang in der Nacht nach der Wutrede von Tuchel trugen jedoch nicht zur Stimmungsaufhellung bei. „Ich kenne den Fall nicht, aber wir werden mit Auba darüber sprechen“, sagte Sportdirektor Michael Zorc in der „Bild“. Der Torjäger war erst vor gut drei Wochen von Tuchel nach einer unerlaubten Mailand-Reise für ein Spiel suspendiert worden.

    Aussagen von Tuchel auf BVB-Homepage

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