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Hamburg

Fußball-Bundesliga eine noch fast frauenfreie Zone

Die hektischen Tage um den Transfer von Kevin De Bruyne haben Barbara Ertel-Leicht alles abverlangt. Jede Äußerung des belgischen Fußball-Nationalspielers vor seinem Wechsel nach England wurde auf die Goldwaage gelegt.

Barbara Ertel-Leicht
Barbara Ertel-Leicht ist die Pressesprecherin des VfL-Wolfsburg.
Foto: VfL Wolfsburg/dpa

Das Fingerspitzengefühl der Pressesprecherin des VfL Wolfsburg war gefordert: Trainer und Sportdirektor beruhigen, den Spieler aufklären und die Journalisten beschwichtigen. Tagesgeschäft im Fußball? «Das war schon etwas anderes, man musste ständig in Bereitschaft sein, bis der Transfer wirklich durch war», sagte Ertel-Leicht, die bei den Niedersachsen alle Pressekonferenzen leitet und das schon lange nicht mehr ungewöhnlich findet.

Die 46-Jährige hat den Job beim Sport-Informations-Dienst gelernt, inzwischen arbeitet sie seit 13 Jahren in der Wolfsburger Medienabteilung und kann auch mit hektischen Situationen gut umgehen. Dass sie sich als Frau im Männer-Fußball durchgesetzt hat, sieht sie ganz unaufgeregt: «Ich empfinde es nicht als etwas Besonderes, ich mache es schon so lange.»

Auch Erstligisten wie Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, FSV Mainz 05 und Schalke 04 haben das weibliche Geschlecht in ihre Medienressorts geholt. «Die Frauen, die ich in der Bundesliga kennengelernt habe, sind oft mutig, lassen ihren Charme spielen, um Situationen zu entkrampfen, und fahren ihre Antennen manchmal sensibler aus als Männer. Dazu lassen sie nicht locker und bleiben auch schon mal hartnäckig, wenn sie dabei sind, ihre Agenda abzuarbeiten», sagte Horst Heldt dem «Bundesliga-Magazin».

Der Schalker Sportvorstand erzählt von der erfahrenen Russin Marina Granowskaja, die beim FC Chelsea für die Transfers verantwortlich ist. Auch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus beruhigt als vierte Offizielle am Spielfeldrand oftmals die erhitzten Gemüter und bekommt Lob dafür – ein Bundesliga-Spiel durfte sie aber noch nicht leiten. In verantwortlichen Positionen findet man im deutschen Profigeschäft keine einzige Frau. Der Deutsche Fußball-Bund und die Entourage der Weltmeisterelf sind immer noch reine Männer-Domänen.

Besonders im Privatfernsehen haben sich inzwischen allerdings Moderatorinnen und Reporterinnen am Spielfeldrand durchgesetzt – aber auch hier heißt es: «Lächeln statt Leiten». Sabine Töpperwien, Sportchefin von WDR 2 und Vorreiterin als Fußball-Kommentatorin, ist die Ausnahme. Und bei der schreibenden Zunft sieht es auch nicht anders aus: Laut Vergleichsstudie «International Sports Press Survey 2011» werden neun von zehn Sportartikeln von Männern verfasst.

Das letzte weibliche Vorstandsmitglied in einem Bundesliga-Club war Katja Kraus. Als sie nach acht Jahren an der Spitze des Hamburger SV gehen musste, dauerte es nicht lange, bis auch die Fußballerinnen aus der Bundesliga abgemeldet wurden. Sie seien nicht lukrativ genug – der HSV wollte sich das Projekt nicht mehr leisten. Kraus hat danach zwei Bücher geschrieben und ist seit 2013 geschäftsführende
Gesellschafterin der Sportkommunikationsagentur Jung von Matt/sports.

Beim FC Bayern München gibt es immerhin schon eine Busfahrerin, die die Kicker durch die Lande kutschiert. Richtig geöffnet hat sich die Bundesliga für Frauen aber nur auf den ersten Blick. Zeit für eine Quote? «Es sollte die Leistung sein, die einen wohin bringt und nicht die Quote», wird Corinna Halke-Teichmann vom Bayerischen Rundfunk in der Bachelorarbeit «Frauen im Sportjournalismus: Unerwünscht? Unqualifiziert? Ungerecht?» von Patricia Dorothee Büttner zitiert.

Homepage VfL Wolfsburg

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