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    Darmstadt hat wieder „Krieger“ und verliert unglücklich

    Darmstadts Ramon Berndroth hat mit 64 Jahren sein erstes Bundesliga-Spiel als Cheftrainer erlebt - und gleich mal die Erfahrung gemacht, wie viel Staub man mit einer Aussage vor der Kamera aufwirbeln kann. Am Sonntag ruderte er zurück.

    Interimscoach
    Darmstadts Trainer Ramon Berndroth hadert mit einem «Verräter».
    Foto: Patrick Seeger - dpa

    Freiburg (dpa). Ramon Berndroth schritt nach dem bitteren Ende äußerlich gefasst und mit hinterm Rücken verschränkten Armen über den Rasen. Vor der Sky-Kamera lederte der Interimscoach des SV Darmstadt 98 dann aber los.

    „Wir waren eine Mannschaft, das hat man in der Kabine schon gemerkt. Aber wir waren nicht restlos eine Mannschaft, wir haben einen Verräter drin. Das werde ich auch intern ansprechen“, sagte der 64-Jährige nach dem 0:1 (0:0) beim SC Freiburg. Es war die sechste Niederlage nacheinander, mit der die „Lilien“ ans Tabellenende stürzten. Während seine sichtlich verbesserten Profis den neuen Geist unter Berndroth lobten, war einer offenbar aus der Reihe getanzt.

    Von seinem „Verräter“-Vorwurf distanzierte sich Berndroth später aber wieder. „Das Wort Verräter hat hier in diesem Kreis keiner verdient. Meine Spieler sind mir als Menschen hoch und heilig. Das ist mir durchgerutscht“, wurde Berndroth am Sonntag von bild.de zitiert.

    Zum Kreis der gegenüber dem Hamburg-Spiel nicht Berücksichtigten gehörten Antonio-Mirko Colak, Florian Jungwirth, Leon Guwara und der schwedische Abwehrspieler Alexander Milosevic. Guwara war nach Clubangaben angeschlagen, Colak und Jungwirth wurden von Berndroth ausdrücklich gelobt. Der Stürmer, weil er aus taktischen Gründen nicht im Kader stand und dies professionell hingenommen habe. Und Jungwirth habe klar gesagt, dass er nicht richtig fit sei.

    Die Darmstädter erlebten jedenfalls erneut einen herben Rückschlag, zumal die Konkurrenten Hamburger SV, Werder Bremen und FC Ingolstadt allesamt gewannen. Dennoch zeigten die Gäste wieder jene Einstellung, die ihnen in der vergangenen Saison unter Dirk Schuster den Klassenverbleib gesichert hatte. „Wir hatten elf Krieger auf dem Platz. Es war geil, auf dem Platz zu stehen und mit den anderen zu fighten“, sagte Abwehrspieler Peter Niemeyer.

    Die „Lilien“ hätten den Sieg verdient gehabt, doch in der 86. Minute jubelten die zerfahren spielenden Freiburger vor 24 000 Zuschauern im ausverkauften Schwarzwald-Stadion. Nachdem Torhüter Michael Esser den Ball nicht festhalten konnte und Artem Fedezki Nils Petersen blockte, pfiff Schiedsrichter Wolfgang Stark Elfmeter. Petersen verwandelte mit dem 15. Joker-Tor seiner Laufbahn - nur der frühere Bayern-Profi Alexander Zickler (18) hat eine bessere Quote.

    „Das war definitiv kein Elfmeter“, sagte 98-Kapitän Aytac Sulu, der zugleich die Arbeit Berndroths lobte: „Er hat die Tugenden wieder geweckt, die Darmstadt 98 stark machen. Das Trainerteam hat uns wieder zurück in die Spur gebracht.“ Berndroth wiederum war „besonders zufrieden mit dem Wir-Gefühl.“

    Der Sportclub beendete derweil eine Serie von vier sieglosen Spielen und hat nun bereits elf Punkte Vorsprung auf die Südhessen. „Es war ein extrem schwieriges Spiel, das man überhaupt nicht gewinnen muss“, sagte Trainer Christian Streich.

    Sein Darmstädter Kollege hatte bislang nur als Co-Trainer bei Eintracht Frankfurt von 1991 bis 1996 im Oberhaus gearbeitet. „Wir werden die drei Spiele mit Ramon Berndroth machen und dann haben wir genügend Zeit, uns für den einen oder anderen Kandidaten zu entscheiden“, bekräftigte Präsident Rüdiger Fritsch. „Das Trainingslager ist Anfang Januar, bis dahin wird es was geben.“

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