Archivierter Artikel vom 06.03.2021, 05:01 Uhr

Bundesliga

Schalkes frühere Fehler wiegen zu schwer für Grammozis

Die vom neuen Schalker Trainer Grammozis erhoffte „Initialzündung“ bleib beim 0:0 gegen Mainz aus. Dies liegt vor allem an den schweren Verfehlungen der Vergangenheit.

Dimitrios Grammozis
Feierte sein Bundesliga-Debüt als Schalke-Trainer: Dimitrios Grammozis.
Foto: Guido Kirchner/dpa

Gelsenkirchen (dpa) – Beim FC Schalke 04 hat die Mission Wiederaufstieg schon vor dem endgültigen vierten Bundesliga-Abstieg begonnen.

Die verwegene Hoffnung auf eine Spontan-Heilung des Intensivpatienten Schalke durch den fünften Chefcoach in dieser Saison wurde bei der ernüchternden Nullnummer gegen den FSV Mainz 05 jäh zerstört. „Wir können keine Wunderdinge in zwei Tagen vollbringen“, bekannte der neue Trainer Dimitrios Grammozis nach dem 0:0.

Mit dem Grottenkick gegen den direkten Konkurrenten ist wohl auch die letzte Chance dahin, den Revierclub in der Bundesliga zu halten. Nach dem 24. Spieltag könnte der Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz auf elf Punkte angewachsen sein. „Der Punkt reicht natürlich nicht“, erkannte unter anderem Mittelfeldspieler Sead Kolasinac.

Zu groß sind die Defizite, zu gering ist das Selbstvertrauen nach 14 Monaten mit gerade einmal zwei Siegen in der Liga. Und zu schwer wiegen der Fehler der Vergangenheit. Dies wurde am Freitag gleich in mehrfacher Hinsicht deutlich. Zum einen verlängerte sich unmittelbar vor dem Anpfiff die ohnehin schon lange Verletztenliste. Amine Harit, von dem sich der neue Schalker Trainer hinter den Spitzen Spielkultur versprochen hatte, klagte über muskuläre Probleme und fiel aus. „Ein Mann seiner Qualität hat uns gefehlt“, sagte Grammozis anschließend.

Gleich zehn Spieler fehlen dem abgeschlagenen Letzten derzeit verletzt. Besorgniserregend ist vor allem die Vielzahl an muskulären Blessuren, die oft als Indiz für falsches Training gelten. Geäußert wurden Beschwerden dazu schon nach der Ära von Schalkes erstem Trainer in dieser Spielzeit, David Wagner. Angeblich gab es aus demselben Grund in den letzten Tagen von Grammozis' direktem Vorgänger Christian Gross auch eine Revolte einiger Führungsspieler gegen den Schweizer, der dann vor eine Woche gehen musste.

Auch am Freitag waren körperliche Defizite unübersehbar. „Natürlich hat man gemerkt, dass bei dem ein oder anderen der Akku leer war“, sagte auch Grammozis. Humpelnd und japsend schleppten sich Königsblauen in der zweiten Halbzeit übers Feld, während die ebenfalls nicht überzeugenden Gäste immer mehr Spielanteile bekamen, die sie aber auch nicht nutzten. Suat Serdar ließ durchblicken, dass in den vergangenen Wochen und Monaten einiges im Argen lag. „Der Trainer wird mit uns noch viel arbeiten, damit wir dann demnächst in den letzten Minuten besser aussehen“, sagte der Nationalspieler.

Einheiten zur Verbesserung der Grund-Kondition wird Grammozis indes nur schwerlich einbauen können. Zudem würden sich Verbesserungen bei Schalkes Situation erst bemerkbar machen, wenn es längst zu spät wäre. Der neue Coach verwies bei den offensichtlichen körperlichen Beschwerden auf ein weiteres Problem, das die Personalpolitik der Vergangenheit in keinem guten Licht erscheinen lässt.

„Es stehen bei uns natürlich jetzt auch Spieler auf dem Platz, die in ihren Clubs zuvor nicht so viel gespielt haben“, sagte der 42-Jährige in Anspielung auf Sead Kolasinac, Shkodran Mustafi und William, die der vor einer Woche ebenfalls geschasste Sportchef Jochen Schneider im Winter verpflichtet hatte. Die offensichtliche Überzeugung, dass diese Spieler Königsblau sofort weiterhelfen können, erweist sich angesichts deren fehlender Spielpraxis immer mehr als Trugschluss.

Der frühere Nationalspieler Dietmar Hamann fällte schon jetzt ein vernichtendes Urteil über die Saison des FC Schalke 04. „In der Bundesliga-Geschichte hat es selten einen verdienteren Absteiger gegeben als Schalke“, sagte Hamann im TV-Sender Sky über den Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga. „Spätestens seit dem gestrigen Tag“ sei „jedem bewusst“, dass der vierte Bundesliga-Abstieg nicht mehr zu vermeiden sei, sagte der 47-Jährige.

An diesem erneut bitteren Abend aus Schalker Sicht versuchten die Beteiligten tapfer, das wenig Hoffnungsvolle zu benennen. „In den Wochen zuvor hätten wir das Spiel vielleicht noch aus der Hand gegeben“, befand Kolasinac und Serdar meinte mit Blick auf die verheerende Defensivbilanz von 61 Gegentoren in 24 Spielen bislang: „Wir haben seit langem mal wieder zu Null gespielt.“

Der Mittelfeldspieler setzt darauf, dass das Training des neuen Coaches und dessen Systemumstellung auf eine Dreier-Abwehrkette nach und nach Wirkung zeigen. „Er wird uns jetzt noch viel helfen“, sagte Serdar. Der Lohn dessen dürfte sehr wahrscheinlich aber erst in der kommenden Spielzeit zu sehen sein.

© dpa-infocom, dpa:210306-99-710469/6

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