Archivierter Artikel vom 23.05.2021, 11:55 Uhr

Scheidender Eintracht-Coach

„Nicht kaputt reden“: Hütter geht selbstbewusst

Die Saison endet für Eintracht Frankfurt enttäuschend und versöhnlich zugleich. Nach dem verpatzten Einzug in die Champions League verabschiedeten die Hessen Trainer Adi Hütter mit einem gegen Freiburg.

Adi Hütter
Abschied vom Adler: Adi Hütter verlässt Eintracht Frankfurt Richtung Gladbach.
Foto: Arne Dedert/dpa

Frankfurt/Main (dpa) – Allen Anfechtungen zum Trotz sagte Adi Hütter nach seinem letzten Arbeitstag bei Eintracht Frankfurt selbstbewusst und etwas rührselig Servus.

„Die Kritik war zum Teil berechtigt. In Summe lasse ich mir die drei Jahre aber nicht kaputtreden“, meinte der 51-jährige Österreicher nach dem 3:1 (0:0) gegen den SC Freiburg. Er gehe mit viel Wehmut und einem weinenden Auge: „Ich habe nach dem Spiel gespürt, dass die Tränen einfach da waren.“

Die Hochachtung, die Hütter beim Frankfurter Fußball-Bundesligisten, den er 2019 ins Halbfinale der Europa League führte, lange Zeit genoss, verlor er mit einem ungeschickt kommunizierten Wechsel zu Borussia Mönchengladbach im Sommer. Als Folge verspielten die Hessen im Kampf um ein Königsklassen-Ticket noch einen Sieben-Punkte-Vorsprung auf Borussia Dortmund – und Hütter die Sympathien der Club-Führung, die ihn nicht mit Blumen verabschiedete.

Vor und nach der Partie gegen Freiburg verzichtete Hütter auf die angekündigte Abrechnung und Aufdeckung der wahren Gründe für den Abgang am Main. Mit der Einladung an Sport-Vorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner, die ebenso den Verein verlassen, mit ihm das letzte Spiel von der Frankfurter Bank und nicht von der Loge aus anzusehen, setzte er ein deutliches Zeichen. „Wir haben Einigkeit gezeigt. Wir wollten zeigen, dass wir sportlich eine Einheit sind“, erklärte Hütter und fügte hinzu: „Und es hat Spaß gemacht.“

Für Bobic, der den Wechsel zu Hertha BSC mit Druck provoziert und zuletzt in einem Interview („Ich habe geliefert“) nachgetreten hat, soll nun der neue Sportchef Markus Krösche die Eintracht fit für die Zukunft machen. Ganz oben auf der To-Do-Liste steht das Engagement eines neuen Trainers gefolgt von der Kaderplanung für die nächste Saison. Zwei junge Talente sind in dem türkischen Stürmer Ali Akman und Fabio Blanco (FC Valencia) schon verpflichtet, einige erfahrene Profis müssten angesichts der Europa-League-Teilnahme hinzukommen.

Schließlich ist ein personeller Aderlass zu erwarteten. Auf einem vorderen Platz der Einkaufsliste der europäischen Konkurrenz dürfte Stürmer André Silva stehen. Gegen Freiburg schoss er seinen 28. Saisontreffer per Handelfmeter (62. Minute) zum 1:0 und ist damit zweitbester Liga-Torschütze nach Bayerns Robert Lewandowski (41). Almany Touré (86.) und Ragnar Ache (90.+1) schossen die weiteren Eintracht-Tore, das 1:1 für die Gäste gelang Wooyeong Jeong (77.).

Für den Portugiesen Silva könnte es der letzte Treffer für Frankfurt gewesen sein. Bei einem Angebot um 40 Millionen Euro dürften ihm keine Steine in den Weg gelegt werden. „Ich bin stolz und happy mit meinen 28 Toren“, sagte der 25-jährige Stürmer, der den von Real Madrid ausgeliehen Luka Jovic in den Schatten stellte. „Wir sind Fünfter geworden, haben 60 Punkte geholt und uns für die Europa League qualifiziert. Wir haben einen guten Job gemacht.“ Da das Ziel Champions League verfehlt wurde, dürften auch weitere Spieler wie Evan N'Dicka, Daichi Kamada oder Filip Kostic auf dem Absprung sein.

© dpa-infocom, dpa:210523-99-711673/3

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