Archivierter Artikel vom 14.05.2021, 11:26 Uhr
Freiburg

Vor EM-Kader-Bekanntgabe

Letzte Müller-Sichtung: Löw bei Bayern-Spiel in Freiburg

Joachim Löw bittet um noch ein wenig Geduld. Die Antwort auf die Comeback-Frage um Thomas Müller wird für den Bundestrainer somit noch einmal zu einem Eiertanz.

Joachim Löw
Schaut sich vor der EM-Kader-Bekanntgabe noch einmal den FC Bayern in Freiburg an: Bundestrainer Joachim Löw.
Foto: Tom Weller/dpa

Freiburg (dpa). Zur letzten Sichtung vor der EM-Nominierung schaut Thomas Müller praktischerweise bei Joachim Löw im Breisgau vorbei.

Der Bundestrainer wird vier Tage vor der Benennung seines Kaders für die Fußball-Europameisterschaft das Gastspiel des FC Bayern München beim SC Freiburg am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Stadion verfolgen.

Somit kann der 61-Jährige nach der Begutachtung der Dortmunder Comeback-Kandidaten Mats Hummels und Marco Reus beim Pokalsieg des BVB gegen RB Leipzig auch noch die aktuelle Müller-Form beim deutschen Meister checken.

Ob der letzte Eindruck des Bayern-Routiniers für die spektakulärste Rückkehr in der Ewig-Ära von Löw aber überhaupt noch zählt? Mit rhetorischem Geschick vermied der Rekord-Bundestrainer als Gast beim Cup-Endspiel am Donnerstagabend in Berlin jede konkrete Aussage zur immer noch unbeantworteten und so brisanten Rückkehrerfrage.

„Telefonieren tue ich eigentlich ständig im Moment, das hilft schon, mit allen möglichen Leuten“, sagte der 61-Jährige im Halbzeit-Interview bei der ARD. Die „Bild“-Zeitung hatte berichtet, Löw solle Müller (31) am Telefon signalisiert haben, ihn in die Nationalmannschaft zurückholen zu wollen.

Löw war jedenfalls vorbereitet. Gegen die lausigen Temperaturen im verregneten Olympiastadion half der wärmende schwarz-weiße Mantel, gegen die bohrenden Fragen auch ein mal charmantes, mal fast verlegen wirkendes Lächeln. „Alles, was möglich war, haben wir überprüft und nochmals analysiert“, versicherte Löw. Und: Die Spieler würden seine Entscheidung als Erste erfahren.

Das klang irgendwie so, als hätte Müller die positive Nachricht schon bekommen. Auch ARD-Experte und Müller-Spezi Bastian Schweinsteiger musste neben Löw arg an sich halten, um nicht möglicherweise zu viel zu verraten. Er rechne jedenfalls mit Müller im EM-Aufgebot. Müller selbst hatte betont: „Ich habe Lust, im Sommer nach Titeln zu jagen.“

Am kommenden Mittwoch (12.30 Uhr) wird Löw seine 26 EM-Spieler dann offiziell benennen. Drei Plätze mehr als üblich hat Löw wegen der Corona-Pandemie zur Verfügung. Und die Personalie Müller ist nicht mehr die einzige möglich wirkende Comeback-Option. Auch Hummels (32) darf hoffen, gemeinsam mit seinem Weltmeister-Kollegen von 2014 wieder im DFB-Zirkel aufgenommen zu werden.

Gut zwei Jahre nach der damals spektakulären Ausbootung von Müller, Hummels und Jérôme Boateng im März 2019 als Spätwirkung des WM-Desasters hat Löw längst seine klare Neubau-Strategie der DFB-Elf aufgegeben. Er ist für alles Perspektivische nach der EM nicht mehr zuständig.

Löw sah sich Hummels wie auch den wiedererstarkten Marco Reus kürzlich gleich zweimal gegen Leipzig an. Beim 4:1 im Pokalendspiel spielte der BVB-Manndecker konstanter als beim 3:2 im Ligaspiel. Reus (31), der seit Oktober 2019 nicht mehr für Deutschland spielte, überzeugte in beiden Partien. „Marco hatte die letzten Wochen wieder einen guten Rhythmus“, sagte Löw. Er sei im „erweiterten Kader“.

Doch wie bei Müller geht es bei Hummels und auch bei dem oft für Verletzungen anfälligen Reus um mehr als aktuelle Formkurven. Führungsstärke muss Löw seinem zuletzt so wankelmütigen Kader zufügen. Mit dem Trio würde er die Erfahrung von 214 Länderspielen ins EM-Aufgebot holen.

Zudem stehen hinter den Bayern-Profis Niklas Süle (25) und Leon Goretzka (26) als zwei Fix-Größen des Neuaufbaus kurz vor der EM Fragezeichen. Süle hat seit März nicht mehr im Bayern-Trikot verteidigt. Goretzka kämpft nach einem Muskelfaserriss um die rechtzeitige Fitness für den ersten EM-Ernstfall am 15. Juni in der Münchner Arena gegen Weltmeister Frankreich.

© dpa-infocom, dpa:210514-99-595462/3

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