Archivierter Artikel vom 28.05.2020, 11:44 Uhr

Nächste Niederlage

Jobgarantie für Coach Wagner trotz Schalkes Negativlauf

Der FC Schalke 04 präsentiert sich nach starker Hinserie 2020 verheerend. Zehn sieglose Spiele am Stück mit 3:24 Toren sind für das schlechteste Rückrunden-Team der Liga die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Dennoch soll Trainer Wagner bleiben.

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David Wagner
Schalke-Trainer David Wagner verlor mit seinem Team auch in Düsseldorf.
Foto: Martin Meissner/AP-Pool/dpa

Düsseldorf (dpa). Die Arbeitsbeziehung zwischen David Wagner und dem FC Schalke 04 begann stürmisch und verheißungsvoll. Knapp elf Monate später wird die erste ernsthafte Krise von Woche zu Woche schlimmer.

Ob sie überwunden wird, scheint nach dem 1:2 (0:0) bei Fortuna Düsseldorf, das teilweise einem Offenbarungseid gleichkam, fraglich. Der Druck auf Wagner wird größer, der Unmut auf Schalke vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den nächsten Abstiegskandidaten Werder Bremen wächst.

Immerhin versuchte Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider am Tag nach der nächsten Schalke-Pleite, die Beziehung zu kitten und gab seinem angeschlagenen Coach eine Jobgarantie. „Wir werden gemeinsam mit David Wagner zur neuen Saison diesen roten Faden wieder aufnehmen und damit weitermachen, wo wir im Januar, Februar unterbrochen wurden“, sagte Schneider bei Sky Sport News HD nach einem Gespräch mit Wagner. „Er ist gefestigt und angriffslustig.“

Für Wagners Team gilt dies nicht. Zehn sieglose Spiele in Serie mit 3:24 Toren für das nun schlechteste Rückrundenteam der Liga – hätte es nicht die starke Hinserie mit 30 Punkten gegeben, müsste der Tabellen-9. wohl noch ernsthaft um den Klassenverbleib bangen. „Wir müssen möglichst schnell Punkte sammeln, um diese Saison einigermaßen über die Runde bekommen“, meinte Schneider.

Dabei war die Hoffnung auf Schalke groß, die Krise, die Anfang des Jahres begonnen hatte, während der zehnwöchigen Coronavirus-Pause überwunden zu haben. Stattdessen setzte es drei Klatschen in Dortmund (0:4), gegen Augsburg (0:3) und in Düsseldorf. An eine Europapokal-Rückkehr ist aktuell nicht zu denken.

Schneiders Aussagen unmittelbar nach der Pleite in Düsseldorf ließen zunächst nichts Gutes für Wagner vermuten. „Wir können uns nicht so präsentieren wie in den letzten drei Spielen. Das ist ein gehöriger Negativlauf, den müssen wir schnellstens beenden. Am besten am Samstag“, hatte Schneider da gemeint. Für den Trainer wird die Aufgabe gegen den Vorletzten Bremen aber nicht zum Endspiel.

Der hatte es gegen den nach wie vor vom Abstieg bedrohten Drittletzten mit einer mutlosen Mauertaktik versucht und einzig auf Konter gesetzt. „Angesichts der schwierigen Situation ist das für die Mannschaft die einzig richtige Variante, um erfolgreich zu sein“, rechtfertigte sich Wagner und fügte einen Satz hinzu, der aufhorchen ließ: „Für alles andere haben wir derzeit keine Möglichkeiten.“

Gemeint waren mangelndes Selbstvertrauen und viele verletzte Stammspieler. Doch Experten wie der frühere Champions-League-Sieger Dieter Hamann auf Sky werteten es als „Armutszeugnis“, dass gegen einen Abstiegskandidaten kein anderes Spiel drin sei, zumal noch etliche Nationalspieler auf dem Platz standen. Dramatischer dürfte sein, dass es Schalke bei der Fortuna, der 2020 zuvor kein Heimsieg gelungen war, trotz der Mauertaktik nicht schaffte, nach der glücklichen Führung durch Weston McKennie (53.) nicht wenigstens einen Punkt mitzunehmen. „Dass das in unserer Situation noch mehr wehtut als ohnehin schon, das ist auch klar“, räumte Wagner ein.

„Die Wucht dieses Clubs mit der Emotionalität der Fans“, begeistern mich“, hatte der 48-Jährige nach seinem Einstand auf Schalke im vergangenen Jahr geschwärmt. Die Hinserie beendete S04 mit 30 Punkten gleichauf mit dem Erzrivalen Borussia Dortmund. Nach elf Spielen der Rückrunde trennen beide Clubs Welten. Die Wucht des Vereins bekommt Wagner nun in die andere Richtung zu spüren.

Natürlich hat die Krise auch Gründe, die Wagner kaum verantworten kann. Da ist zum Beispiel das ungeheuere Verletzungspech. In Düsseldorf fehlten in Amine Harit, Omar Mascarell, Suat Serdar, Benito Raman und Benjamin Stambouli fünf Leistungsträger. Da ist die Torhüterproblematik, die Wagner moderieren muss, seitdem der eigentliche Stammkeeper und Kapitän Alexander Nübel überraschend angekündigt hat, in der kommenden Saison lieber bei Bayern München auf der Bank sitzen zu wollen und dies nun auf Schalke tut. Markus Schubert (21) als Ersatz mag Talent haben, patzte gegen Düsseldorf vor dem 1:1 durch Hennings aber erneut. Dafür kann Wagner nichts.

Seine destruktive Mutlos-Taktik aber ließ Fragen offen. Generell sei es „natürlich nicht“ der Anspruch für Schalke, sich gegen einen Gegner wie Fortuna Düsseldorf einzuigeln, rügte Schneider, der dies nicht als Kritik an Wagner verstanden wissen wollte und die Taktik am Donnerstag angesichts der Umstände als „okay“ bezeichnete.

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