Archivierter Artikel vom 03.03.2021, 14:27 Uhr
Gelsenkirchen

Neuer Schalke-Coach

Heikle Mission für Grammozis: „Von der Braut überzeugt“

Der neue Schalker Hoffnungsträger heißt Dimitrios Grammozis. Mit Hilfe des 42 Jahre alten Trainers soll ein dringend erforderlicher Neuaufbau eingeleitet werden.

Der Neue
Dimitrios Grammozis (M), neuer Trainer des FC Schalke 04, richtet sich beim ersten Training in Gelsenkirchen an die Mannschaft.
Foto: Fabian Strauch/dpa

Gelsenkirchen (dpa) – Schwierige Mission, mutiger Trainer – an seinem ersten Arbeitstag beim derzeit wohl größten Problemfall im deutschen Profifußball wirkte Dimitrios Grammozis erstaunlich entspannt.

Unbeeindruckt vom dürftigen Punktestand des Teams, dem jüngsten Personalbeben und dem großen Medienecho gab sich der neue Chefcoach des FC Schalke 04 demonstrativ zuversichtlich. Dass er schon früher beim Revierclub mehrfach Trainerkandidat war, aber stets einen Korb bekam und von Mitbewerbern ausgestochen wurde, kann seine Vorfreude nicht schmälern: „Wichtig ist, das man dranbleibt, wenn man von der Braut überzeugt ist. Da kann es drei oder viermal dauern.“

Der Reiz, bei einem großen Club sein Glück zu versuchen, verdrängt den verletzten Stolz. „Ich weiß, auf was ich mich einlasse. Das Gute ist, dass ich heimatverbunden bin und weiß, wie Schalke eigentlich tickt“, sagte der in Wuppertal geborene Nachfolger von Christian Gross bei seiner Vorstellung. Auch Peter Knäbel ist guter Dinge, dass die sportliche Ehe zwischen Grammozis und dem Revierclub länger hält als mit dessen Vorgängern: „Er ist der richtige Mann, zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, kommentierte der vorerst zum Nachfolger von Sportvorstand Jochen Schneider auserkorene 54-Jährige.

Nach einem beispiellosen Verschleiß von zuvor vier Trainern in einer Saison ist mit dem 143-maligen Bundesliga-Profi die Hoffnung auf mehr Kontinuität verbunden. Selbst bei einem Abstieg will die Vereinsführung an Grammozis festhalten und hat ihn deshalb mit einem Vertrag bis 30. Juni 2022 ausgestattet. Dem Vernehmen nach soll sich sein Vertrag im Falle eines Abstiegs und sofortigen Wiederaufstiegs bis 2023 verlängern.

Gleich das erste Spiel hat es für den 42-Jährigen in sich. Denn das Kellerduell am 5. März (20.30 Uhr/DAZN) mit dem Vorletzten aus Mainz gilt als die wohl letzte Chance auf eine Trendwende für den Revierclub, der elf Spieltage vor dem Saisonende bereits neun Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz hat. Grammozis will bei seinen Profis nicht nur für die Partie gegen Mainz neue Leidenschaft wecken: „Schalke ist kein Tiki-Taka-Club. Hier steht harte Arbeit und Zusammenhalt in vorderster Linie. Wir wollen uns nicht nachsagen lassen, nicht alles versucht zu haben.“

Es passt zur Strategie der Vereinsführung, dass Grammozis als langjähriger Nachwuchscoach des VfL Bochum und späterer Cheftrainer des Zweitligisten Darmstadt 98 über Erfahrungen im Nachwuchs- und Profibereich verfügt. Nicht nur die im Abstiegsfall wahrscheinliche hohe Fluktuation im Kader, sondern auch der Schuldenstand in Höhe von rund 240 Millionen Euro zwingt zu einer verstärkten Entwicklung von Talenten. „Die Knappenschmiede wird mit Blick auf die nächsten Monate und Jahre eine ganz zentrale Rolle einnehmen“, erklärte Knäbel. Nicht zuletzt deshalb wechseln der ehemalige Profi Naldo und Onur Cinel aus dem Trainerstab der Profis in den Nachwuchsbereich.

Doch auch nach Klärung der Trainerfrage gehen auf Schalke die Aufräumarbeiten nach dem große Beben mit der Trennung von Gross, Sportvorstand Schneider, Teammanager Sascha Riether, Fitnesscoach Werner Leuthard und Co-Trainer Rainer Widmayer weiter.

Die nächste dringliche Aufgabe ist die Suche nach einem neuen Sportvorstand, die laut Aufsichtratschef Jens Buchta viel Mühe bereitet: „Das ist eminent schwierig, weil unsere finanzielle Situation und die sportliche Lage diese Entscheidung beeinflussen.“ Gut möglich, dass Knäbel deshalb von einer Interims- zu einer Dauerlösung wird. Diese Spekulationen wollte Knäbel nicht kommentieren: „Was ich weiß ist, dass ich bis auf Weiteres die sportliche Gesamtverantwortung habe.“

Passend zum mit viel Hoffnungen verbundenden Neustart von Grammozis gab es gute Nachrichten aus Italien. Demnach hat sich Juventus Turin dazu entschlossen, den bisher nur ausgeliehenen ehemaligen Schalker Weston McKennie fest zu verpflichten. Das spült knapp 20 Millionen Euro plus mögliche Boni in die klamme Schalke Kasse. „Dass Juventus Turin den Transfer vorzieht und Weston McKennie schon jetzt dauerhaft verpflichtet, verschafft uns größere Planungssicherheit mit Blick auf die neue Saison“, kommentierte Christina Rühl-Hamers, Vorständin Finanzen und Personal.

© dpa-infocom, dpa:210303-99-671243/5

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