Archivierter Artikel vom 14.02.2021, 11:26 Uhr

Italiens Nationalmannschaft

Ein Freiburger unter lauter Juve-Stars: Grifos Traum lebt

Vincenzo Grifo vom SC Freiburg hat es aus einem Pforzheimer Kinderzimmer bis in die italienische Nationalmannschaft geschafft. Es ist ein modernes Fußball-Märchen. Mit seinem Verein und dem Team seiner Träume kann er in diesem Jahr noch viel erreichen.

Vincenzo Grifo
Vincenzo Grifo im Trikot der italienischen Nationalmannschaft.
Foto: Fabio Ferrari/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Bremen (dpa). Italiens Fußball-Nationalmannschaft hat zwar seit der WM 2006 in Deutschland keinen bedeutenden Erfolg mehr gehabt, ist aber immer noch ein Mythos.

Jedes Mal, wenn sich der viermalige Weltmeister in seinem Trainingszentrum in Coverciano trifft, finden dort Spieler von Juventus Turin, Inter Mailand, vom FC Chelsea – und mittlerweile auch ein Profi des SC Freiburg zusammen. Was das für Vincenzo Grifo bedeutet, hat der in Pforzheim geborene und aufgewachsene Mittelfeldspieler nach dem 0:0 bei Werder Bremen im ZDF-„Sportstudio“ eindrücklich beschrieben.

„Wenn man 25, 26 Jahre lang für einen Traum arbeitet. Wenn dich eines Tages der Nationaltrainer anruft und sagt: Nächste Woche darfst du dabei sein. Wenn du zu den Jungs gehst, die du immer am Fernseher angefeuert hast. Und wenn dich dann ein Giorgio Chiellini oder Leonardo Bonucci in den Arm nehmen und dir ein Küsschen links und ein Küsschen rechts geben“: Dann sei das „ein unbeschreibliches Gefühl“, sagte Grifo. „Manchmal kann ich das selbst noch gar nicht glauben.“

Mittlerweile hat der 27-Jährige schon vier Länderspiele für Italien bestritten, beim 4:0 gegen Estland vor drei Monaten gelangen ihm sogar zwei Tore. Sein Ziel ist die EM im Sommer, und seine Entwicklung beweist, dass man Freiburg längst nicht mehr verlassen muss, wenn man eine internationale Karriere hinlegen will. Auch Luca Waldschmidt und Robin Koch wurden dort zu Nationalspielern, bevor der Club sie im vergangenen Sommer zur Deckung der Einnahmeverluste in der Corona-Zeit an Benfica Lissabon und Leeds United verkaufte.

Auch Vincenzo Grifo hat nach eigener Erzählung den Traum, noch einmal in der italienischen Serie A zu spielen. Sein Lieblingsclub ist seit seiner Kindheit Inter Mailand. Auf der anderen Seite gibt es wohl kaum einen zweiten Spieler, der so genau weiß, was er an Freiburg hat. Grifo wurde beim Karlsruher SC und 1899 Hoffenheim ausgebildet, an Dynamo Dresden und den FSV Frankfurt verliehen, an Borussia Mönchengladbach und wieder Hoffenheim verkauft. Am besten läuft es für ihn aber immer dann, wenn er wie jetzt schon zum dritten Mal beim Sport-Club und seinem großen Förderer Christian Streich spielt.

„Ich hatte tolle Vereine wie Hoffenheim und Gladbach, aber da bin ich nicht so zum Zug gekommen. Freiburg hat mir die Chance gegeben, wieder aufzublühen“, sagte Grifo. Seinen Ehrgeiz, seine Einstellung, seine Lernwilligkeit: All das nennt Streich „vorbildlich, auch für die jungen Spieler. So kann man eine tolle Karriere machen.“ Grifo habe sich „hochschuften“ müssen. „Das sieht zwar nicht so aus, wenn man ihn spielen sieht. Aber es ist so“, meinte sein Trainer.

Und was ist in diesem Jahr noch möglich? Vielleicht sogar so viel wie noch nie. In der Bundesliga sind Grifos Freiburger den Europa-League- Plätzen mal wieder deutlich näher als den Abstiegsrängen. Und in der italienischen Nationalmannschaft ist die Konkurrenz auf seiner offensiven Flügelposition vor der EM nicht ganz so groß wie etwa im zentralen Mittelfeld.

„Im Moment ist es besser, den Ball flach zu halten“, sagte Grifo. Das mache man in Freiburg so. Aber Dinge zu erreichen, die kaum jemand für möglich gehalten hat: Das kann er. „Ich hoffe, Italien wird Europameister“, meinte Grifo noch. Auch wenn „wir mit Deutschland einen harten Konkurrenten haben“.

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Spielerprofil Vincenzo Grifo

Grifo im Sportstudio

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Daten zum Spiel

Beide Vereine im Vergleich