Archivierter Artikel vom 09.12.2019, 13:51 Uhr

Werder Bremen

Die Krise hält an: „Schlag in die Magengrube“ der Bremer

0:1 gegen einen Aufsteiger: Für Werder Bremen war es der bislang schwerste Rückschlag in dieser Saison. Auch Trainer Kohfeldt konnte sich davon nicht so schnell erholen.

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Gequält
Wird diesmal «ein, zwei Tage» brauchen, um die Niederlage zu verdauen: Bremens Trainer Florian Kohfeldt.
Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Bremen (dpa). Bayern München gegen Werder Bremen: Das waren früher einmal Spiele, in denen deutsche Meisterschaften entschieden wurden. Am nächsten Samstag spielt dort allerdings nur noch der Siebte gegen den Vierzehnten.

Eine Abonnement-Meister, der den Anschluss nach oben nicht verlieren will gegen einen Europa-League-Kandidaten, der tief im Abstiegskampf steckt. „Schönes Spiel, viele Zuschauer, ganz ordentlicher Gegner“, sagte Werders Trainer Florian Kohfeldt dazu in einem Sky-Interview – und lächelte maximal gequält.

Nach launigen Statements war am Sonntagabend in Bremen niemandem zu Mute. Das 0:1 (0:0) gegen den SC Paderborn hat dort alle so hart getroffen „wie ein Schlag in die Magengrube“, sagte der schwedische Nationalspieler Ludwig Augustinsson. Vor allem Kohfeldt räumte ein, diesmal „ein, zwei Tage zu brauchen, um uns zu schütteln“.

Neu ist nach dieser Niederlage nicht, dass die Bremer in einem Krisenmodus sind. Den kennen sie aus dieser Saison schon länger. Bei Werder sind sie sich auch nach wie vor sicher, in der Winterpause keine grundlegenden Umbauarbeiten am Kader vornehmen zu wollen und schon gar nicht die Arbeit ihres Trainers in Frage zu stellen.

Es fühlt sich für die Bremer nur von Rückschlag zu Rückschlag quälender an, keine einfachen Antworten auf so bohrende Fragen zu haben: Was läuft schief in dieser Saison? Und was kann man ad hoc dagegen tun? Das Bittere an diesem 0:1 gegen den bisherigen Tabellenletzten war nicht nur das späte Gegentor durch Sven Michel (90. Minute) und dessen Begleitumstände (lange Überprüfung durch den Videoschiedsrichter). Es traf Werder auch in einer Phase, in der man nach dem Sieg in Wolfsburg eigentlich dachte: Wir sind schon deutlich weiter. „Wir haben in dieser Saison noch nie unseren Rhythmus gefunden“, sagte Kohfeldt. „Heute wäre die Chance gewesen, uns mit einem Sieg eine kleine Schanze in Richtung Rückrunde zu bauen.“

An dem erst 37 Jahre alten Trainer fällt auf, dass er schwierigen Zeiten nicht anders begegnet als den guten: analytisch, fokussiert und keiner Frage ausweichend. Die laufende Saison umschrieb Kohfeldt am Sonntag als eine Art permanente Gratwanderung. „Es ist ein fußballerisches Problem, kein Kopfproblem“, sagte er.

Zu Saisonbeginn hatte Werder zeitweise zwölf Verletzte. Das war eine enorme Schwächung, aber es schweißte auch diejenigen zusammen, die übrig blieben. Dass zuletzt einer nach dem anderen zurückkehrte, bedeutete nicht automatisch einen Qualitätssprung. „Wir müssen gewisse Dinge von Woche zu Woche neu machen“, erklärte Kohfeldt. „Wir haben nicht diese Verlässlichkeit im Spiel, die wir letzte Saison hatten.“

Die nächste Herausforderung ist: Wie viel opfert Werder von seiner offensiven Spielweise, um sich den Anforderungen des Abstiegskampfes anzupassen? „Wir müssen unseren Fußball weiterspielen. Das ist wichtig“, betonte Kohfeldt am Sonntag. Er schränkte aber auch ein: „Wir haben bis Weihnachten noch drei Spiele. In denen müssen wir so viel wie möglich punkten und uns auf die einfachen Dinge besinnen.“

Nach dem Spiel in München geht es in der nächsten Woche noch gegen den Tabellen-13. Mainz und Schlusslicht Köln. Die Ausgangslage ist auf den ersten Blick die gleiche wie vor dem Spiel gegen Paderborn. Werder braucht einen Sieg und jeder erwartet ihn.

Nur war der Aufsteiger am Sonntag nicht bloß der Tabellenletzte, der mit lauter Spielern kam, die niemand kennt. Sondern genau der Gegner, der mit seinen schnellen Leuten alle Bremer Schwächen offenlegte: das fehlende Tempo, die fehlende Abstimmung, „die fehlende Intensität“ (Niklas Moisander). „Ich glaube an unsere Mannschaft und unsere Qualität“, sagte Werders Kapitän. „Aber wir müssen sie jetzt zeigen.“

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