Archivierter Artikel vom 21.08.2011, 10:10 Uhr
Stuttgart

Ballack droht Ausmusterung – Dutt lobt «Sechser»

Alpha-Mann Michael Ballack droht bei Bayer Leverkusen die nächste schmerzhafte Ausmusterung. Beim hochverdienten 1:0 (1:0)-Sieg in Stuttgart gönnte Trainer Robin Dutt dem Alt-Star nicht einmal ein paar Einsatzminuten.

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Im Abseits
Leverkusens Michael Ballack wurde beim Spiel in Stuttgart nicht gebraucht.
Foto: DPA

«Lars Bender und Simon Rolfes sind sehr gut gestanden und haben ein tolles Spiel gemacht. Deshalb gab es keine Notwendigkeit für einen Wechsel – auch nicht für einen kurzen», begründete er seine brisante Personalentscheidung.

Der Erfolg gibt Dutt Recht. Angesichts der fehlerfreien und guten Vorstellung der beiden «Sechser» gibt es für den Bayer-Coach auch keinen Grund, die sattelfeste Zentrale umzubauen. So bleibt für Ballack wohl auch in der kommenden Top-Partie des Vizemeisters in der Fußball-Bundesliga gegen Meister Dortmund nur die Bank – und damit das viel Sprengstoff enthaltende Reizthema auf der Tagesordnung.

Dutt verkniff es sich diplomatisch, Ballack verbal zu demontieren und das angespannte Verhältnis weiter zu zerrütten. Und Rudi Völler bemühte sich darum, das Problem zu relativieren: «Wir gehen damit viel gelassener um, als von außen gedacht wird.» Es gehe nicht nur um Ballack, versicherte der Sportchef fast schon treuherzig. «Es gibt ja auch andere Spieler, die im Moment nicht spielen, außerdem hat er ja letzte Woche gespielt.»

Völler vertröstete den einstigen Superstar auf die anstehenden englischen Wochen: «Da wird der eine oder andere froh sein, wenn er mal nicht spielt, weil er ausgepowert ist. Wir brauchen alle, ganz sicher.» Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser konstatierte jedoch ohne Mitleid: «Individualinteressen sind zweitrangig. Der Sieg ist entscheidend.» Der zum Ergänzungsspieler degradierte Ballack verschwand wie seine Teamkollegen kommentarlos durch die Hintertür.

Das zweite 1:0 nacheinander stellte «Schwaben-Schreck» Stefan Kießling sicher (28. Minute). Der Mittelstürmer profitierte bei seinem achten Treffer gegen den VfB im fünften Spiel von einem kapitalen Torwart-Patzer: Sven Ulreich hatte nach einem scharfen Distanzschuss von Michal Kadlec den Ball nach vorne abprallen lassen und Kießling musste nur einschieben. Die Schwaben verloren so ihr erstes Saisonspiel. Zudem sah Verteidiger Khalid Boulahrouz noch die Gelb-Rote Karte wegen einer Unsportlichkeit (90.).

«Das war ein Torwartfehler», räumte Ulreich ein, in der spielentscheidenden Szene «blöd» ausgesehen zu haben. «Es war ein abgefälschtes Ding, ein ekliger Schuss. Vielleicht wäre es besser gewesen, ihn zur Seite abzuwehren.» VfB-Sportdirektor Fredi Bobic konstatierte: «Als Torhüter darfst du keinen Fehler machen.»

Bobic nahm den schon häufig heftig in der Kritik gestandenen Schlussmann aber sogleich in Schutz: «Ich bin sehr beruhigt, wenn ich denke, wie viele Tausendprozentige er in letzter Zeit gehalten hat.» Trainer Bruno Labbadia pflichtete bei: «Sven hat in den letzten Monaten sehr stark gehalten, uns wird ein Fehler nicht umwerfen.»

Die VfB-Verantwortlichen wollen auf keinen Fall eine erneute Torhüter-Debatte. Erst zehn Tage vor der Partie hatten sie ihr Talent Bernd Leno bis zur Winterpause an Bayer ausgeliehen. Der 19-Jährige machte seine Sache wie schon bei seinem Debüt gegen Bremen prima. «Leno war sehr ruhig und abgeklärt. Es war schon etwas Besonderes für ihn, im zweiten Bundesligaspiel zu Hause gegen den Stammverein», lobte Dutt seine neue Nummer 1. In der Rückrunde könnte Leno dies beim VfB werden.