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WM-Kolumne: Russische Fußball-Nationalmannschaft schon vor dem Start unter Druck

Druck ist auch im Sport ein großes Wort. Spricht ein Fußballprofi von schier unmenschlichem Druck, ist dieser oftmals – nicht immer – relativ. Schließlich geht es auch in anderen Welten und Lebenslagen um Existenzielles.

Jochen Dick.
Jochen Dick.

Druck kann jedenfalls beflügeln und ermutigen, er kann aber auch hemmen und lähmen. Die russische Fußball-Nationalmannschaft steht vor dem Eröffnungsspiel heute gewiss unter Druck. Unter sehr großem sogar.

Das erste Turnier auf russischem Boden soll schließlich nicht weniger als eine große Inszenierung werden. Die Vorzüge des faszinierenden Landes und seines Herrschers Wladimir Putin sollen transportiert werden, da wäre es kontraproduktiv, wenn die Mannschaft des Gastgebers den hohen Ansprüchen und Zielen hinterherhinkt. Der russische Fußball hat in den vergangenen Jahren nicht gerade für sich geworben: Der erschreckend schwache EM-Auftritt 2016, die Gerüchte um Doping, und vor dem Heimturnier machen die Nachfahren von Lew Jaschin und Rinat Dassajew auch keinen hoffnungsstiftenden Eindruck.

Die ganze Welt schaut zu, wenn es die Mannschaft von Trainer Stanislaw Tschertschessow heute im ersten Spiel mit dem krassen Außenseiter Saudi-Arabien zu tun bekommt. Jener Mannschaft, die zwar auf Position 67 der Fifa-Weltrangliste notiert ist (und damit noch drei Plätze besser als Russland), die aber beim 1:2 im Test gegen Weltmeister Deutschland aufmerken ließ. „Sie sind frech, wendig, trickreich“, urteilt Bundestrainer Joachim Löw: „Ein unangenehmer Gegner.“ Die russische Nationalelf hätte diese Warnung nicht auch noch gebraucht – der Druck ist ohnehin schon groß genug.

E-Mail an den Autor: jochen.dick@rhein-zeitung.net

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