40.000
Aus unserem Archiv
Moskau

2:1 nach Verlängerung: Kroaten beenden Englands großen Traum

Sven Sabock

Was für ein Krimi im abschließenden Halbfinale der Fußball-WM in Russland: Kroatien steht durch ein 2:1 nach Verlängerung gegen England am Sonntag (17 Uhr, ZDF) im Endspiel gegen Frankreich. Dagegen ist der Traum für die „Three Lions“ vom ersten Titel seit 1966 ausgeträumt. Die Partie lebte über weite Strecken von der Intensität, das entscheidende Tor erzielte der Ex-Bundesliga-Profi Mario Mandzukic in der 109. Minute.

Unbändiger Jubel über den Einzug ins Finale: Die Kroaten feiern ihren bislang größten Erfolg. Foto: dpa
Unbändiger Jubel über den Einzug ins Finale: Die Kroaten feiern ihren bislang größten Erfolg.
Foto: dpa

Dabei hatte es für die Kroaten nicht wirklich gut begonnen. Vielmehr dokumentierten die Engländer gleich zu Beginn ihre Stärke bei ruhenden Bällen, als Kieran Trippier einen Freistoß aus 22 Metern über die kroatische Mauer hinweg zum 1:0 ins Netz schlenzte (5.). Zweifellos ein Kunststück des Außenspielers, aber der Schuss schien nicht unhaltbar. Der Treffer verfehlte seine Wirkung nicht, mit der Führung im Rücken bestimmte England die Anfangsphase deutlich. Die Elf von Trainer Gareth Southgate wirkte wacher, frischer und verteidigte obendrein sehr geschickt und diszipliniert.

Luka Modric, einer der herausragenden Akteure der WM, hatte seine liebe Mühe, Struktur in die Aktionen der Kroaten zu bringen. Vieles blieb Stückwerk, auch weil der (Noch-)Frankfurter Ante Rebic auf der Außenbahn selten durchkam und Mario Mandzukic in vorderster Linie allenfalls in gemäßigtem Tempo unterwegs war. Immerhin: In der 32. Minute hatte Rebic, dem Kontakte zu Manchester United nachgesagt werden, die gefährlichste Chance auf dem Fuß, Englands Torwart Jordan Pickford war im Nachfassen zur Stelle.

Dank des frühen Treffers fiel es den „Three Lions“ einfacher, ihren Plan auf den Platz zu bringen. Immer wieder wurde der flinke Raheem Sterling gesucht, der vereinzelt Verwirrung stiften konnte. Zudem schnappten sich dessen Kollegen fast alle Abpraller nach langen Bällen. Daraus resultierte auch eine Großchance von Jesse Lingard, der nach Vorarbeit von Dele Alli aus 18 Metern einigermaßen lässig verzog (35.).

Allein, die Engländer verpassten es, mit dem 2:0 für klare Verhältnisse zu sorgen, Kroatien blieb im Spiel. Modric und Co. war denn auch nach der Pause das Bemühen deutlich anzumerken, sich gegen das Schicksal zu stemmen. Die Vorstöße der Engländer wurden rarer, der Versuch, das Ergebnis zu verwalten, sollte bestraft werden. In der 68. Minute reagierte Ivan Perisic nach einer Flanke von Sime Vrsaljko geistesgegenwärtig und schob zum 1:1 ein.

Plötzlich änderte sich die Statik, wurden die zuvor eher trägen Kroaten wieder munter, traten bei den Männern von der Insel Unkonzentriertheiten zu Tage. Die Folge: Nach einer halbherzigen Abwehraktion kam plötzlich Perisic an den Ball und traf den Pfosten (72.). Die Zeit ging dahin, die Verlängerung musste her. Kroatien überstand eine Schrecksekunde, als Vrsaljko nach einem Kopfball von John Stones auf der Linie rettete (99.) – ehe Mandzukic eine Unachtsamkeit zum 2:1 nutzte. Der kroatische Jubel kannte keine Grenzen, Englands Titelambitionen sind mal wieder aufgeschoben. sab

Analysen, Kolumnen und Kommentare
Meistgelesene Artikel